Mensch und Maschine – zwei Stars beim Krombacher Neujahrstreffen

Mensch und Maschine – zwei Stars beim Krombacher Neujahrstreffen

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Barsinghausen (eb/bo). Wenn man so will, beeindruckten beim diesjährigen „Krombacher Neujahrstreffen“ gleich zwei Stars: Mensch und Maschine. Einerseits der erwartete große Bahnhof für Jogi Löw. Andererseits konnte aber auch ein kleines rundes Ding, nur etwa 30 Zentimeter hoch und in sich eine 180-Grad-Kamera verbergend, die Ehrengäste im Zechensaal des Barsinghäuser Besucherbergwerks begeistern.

Festlich geschmücktes Ambiente im historischen Raum. Rund 250 geladene Gäste aus Sport, Politik und Wirtschaft, dazu noch fast 50 Journalisten von lokalen, regionalen und überregionalen Medien. Print, Online, Funk und Fernsehen – war klar, denn wenn sich schon der DFB-Bundestrainer und obendrein Deutschlands Fußball-Oberboss ein Stelldichein in der Deisterstadt geben, dann hat das Gewicht.

Unmittelbar vor dem offiziellen Beginn des traditionellen Events (das ehemalige Neujahrstreffen des NFV für Sportjournalisten gibt es bereits seit 1991) bildeten die Stargäste des Abends einen Halbkreis vor dem auf einem Dreibein platzierten Kasten. Die brandneue Superkamera von „Sporttotal.TV“ (DJ berichtete) wurde vorgestellt. Über angeschlossene Fernsehgeräte liefen die bildhaften Resultate der Live-Premiere zweier Regionalligaspiele.

Beeindruckt: Vor dem Anpfiff stellte „Sporttotal.TV“ den Ehrengästen die neuartige Kameratechnologie vor – von rechts: Gerhard Delling, Jogi Löwe und Reinhard Grindel.

Der Anfang war gemacht: Die sporttotal.tv GmbH blickte zufrieden auf das vergangene Wochenende und die ersten öffentlichen Test-Einsätze ihrer neuen 180-Grad-Kameratechnologie in der Regionalliga Nord zurück. Bis zu 5000 Zuschauer hatten die Heimspiele des SV Meppen gegen den BSV SW Rehden sowie der SV Drochtersen/Assel einen Tag später gegen den 1. FC Germania Egestorf/Langreder verfolgt. Beide Partien wurden live bei www.fussball.de sowie in der Sporttotal-App gestreamt. Das DEISTER JOURNAL hatte bereits im Vorfeld darüber berichtet (Artikel „Zum Rückrundenauftakt: Germania live im Internet“).

Da ist das Ding: Mirko Dismer, Kapitän des 1. FC Germania und Mitarbeiter der DFB-Medien GmbH, neben der Kamera von „Sporttotal.TV“.

Wenig später hatten die Gäste, darunter auch zahlreiche Prominente und Funktionäre des Sports aus Land und Region, an den Tischen Platz genommen. Die Spannung stieg, immerhin gab sich beim 6. Krombacher-Neujahrstreffen Joachim Löw die Ehre. Die Begrüßung durch NFV-Präsident Karl Rothmund und ein Grußwort von DFB-Chef Reinhard Grindel standen am Anfang. „Barsinghausen“, sagte Grindel (von 2011 bis 2014 erster NFV-Vizepräsident), „ist ein Stück Heimat für mich.“

Unterm Banner: Bundestrainer Joachim Löw, Stargast beim NFV-Neujahrstreffen.

Seit 1991 lädt der NFV nun schon zu seinen Neujahrstreffen ein – und durfte seither bereits Fußball-Größen wie Franz Beckenbauer, Rudi Völler und Oliver Bierhoff am Deister begrüßen. In diese Liste reihte sich nun Weltmeister-Trainer Löw nahtlos ein. „Der Andrang ist sogar größer denn je“, sagte NFV-Präsident Karl Rothmund, der im Anschluss an den Löw-Talk auf seine 27-jährige NFV-Zeit zurückblickte, die im Oktober offiziell enden wird. Als sein designierter Nachfolger steht Günter Diestelrath bereit. Er gehört als Vizepräsident Finanzen bereits dem aktuellen Präsidium des Verbandes an.

Starke Leistung: Gerhard Delling führte den Talk wie gewohnt in souveräner Manier und entlockte dem Bundestrainer auch private Aussagen.

Das Gespräch des Bundestrainers mit dem bekannten TV-Moderator Gerhard Delling war eine spannende wie kurzweilige Talkrunde. Zwischen Brezeln als Vorspeise und Krustenbraten als Hauptgang hörten die Gäste gebannt, was Delling dem Weltmeistertrainer auf der Bühne so alles entlockte. Löw plauderte locker und entspannt über seine Trainer-Anfänge in Stuttgart, Stationen in Österreich und der Türkei. Und er verriet auch Persönliches. Über seinen Lebensmittelpunkt Freiburg sagte er etwa: „Da habe ich Freunde, die ich kenne, seit ich 17 bin. Da bin ich nicht der Bundestrainer, sondern der Freund und Kumpel. Da wird mir auch der Spiegel vorgehalten.“ Auch über seinen Führerschein-Entzug sprach er durchaus humorvoll . Löw mit einem Augenzwinkern: „Ich war ein paar Stunden beim Verkehrspsychologen, der hat mir wichtige Dinge mitgegeben. Ich weiß jetzt, was wichtig auf der Straße ist.“ Delling hatte das Thema ganz locker angefasst: „Es heißt, Sie hätten mehr Punkte als in der Qualifikation gehabt.“

Eigenwerbung: Delling überreichte Löw sein WM-Buch – dazu der Bundestrainer: „Ja klar, ein paar hab ich schon.“

Vordergründig ging es aber natürlich um Fußball – und da hielt Löw mit seinen Ansichten nicht hinter dem Berg. Zum „Gigantismus“ mit immer höheren Ablösesummen und steigenden EM- und WM-Teilnehmerzahlen hat der Bundestrainer eine klare Meinung. Löw: „Ich sehe da eine Grenze erreicht, wir kommen ans Limit. Wenn man die Turniere weiter vergrößert, leidet die Qualität. Und auch die hohen Ablösesummen sehe ich mit Bedenken. Ein Messi mag 200 Millionen Euro wert sein, viele andere sind es nicht.“ Auch zum „Skandalspiel“ Dortmund gegen Leipzig bezog Löw Stellung und sparte nicht mit Kritik an beiden Vereinslagern, die ihrerseits im Vorfeld für ein gewisses Anheizen der Atmosphäre gesorgt hätten.

Zu möglichen Veränderungen im Regelwerk des Fußballs erklärte Löw: „Zeitstrafen sind eine gute Möglichkeit, auch eine vierte Auswechslung in der Verlängerung finde ich okay. Aber das Abseits abschaffen? Bitte nicht! Dann würde der Fußball nicht mehr das sein, was er ist. Es würde unser Spiel zerstören.“

„Ansonsten ist der Fußball doch ein Super-Spiel“, sagte Löw abschließend, was TV-Moderator Delling in seiner bekannten Art in seinem Abschlusswort aufgriff: „Und die Nationalelf hat einen Super-Trainer“. Viel Beifall für die beiden Protagonisten – und Beifall auch für ein weiteres gelungenes NFV-Neujahrstreffen.

Gelungener Auftritt: Die Promis des Abends – von links: Reinhard Grindel, Jogi Löw, Karl Rothmund und Gerhard Delling. Fotos: Bratke

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