Fury und kein Ende in Sicht – und andere neue Scheiben

Fury und kein Ende in Sicht – und andere neue Scheiben

Share Button

Hannovers liebstes Kind, oder? Fury und kein Ende in Sicht. Warum auch? Es läuft! Jüngst ist die Open Air-Sommer-Tour der Furys mit dem Gastspiel im Hamelner Weserberglandstadion abgeschlossen worden. Schwupps, da liegt auch ein neues Doppelalbum vor, das dann obendrein mit einer Herbst-Tournee live vorgestellt werden soll. Insgesamt brachte der Monat September eine Flut an interessanten Neuveröffentlichungen – hier gibt’s einige Tipps…

Von Erk Bratke

Fury In The Slaughterhouse / „Little Big World – Live & Acoustic“ (Starwatch Entertainment / Sony Music): Zunächst einige Daten der angesprochenen Acoustic-Tour. Start ist am 28. Oktober in Magdeburg. Schon am 1. und 2. November stehen zwei Auftritte in Hannover an – Heimspiele im Kuppelsaal. Weitere Gastspiele: am 5. November in Braunschweig, am 8. November in Bremen, am 20. November in Bielefeld, am 21. November in Göttingen und viele andere mehr.

Erst Mitte März dieses Jahres stürmten die Hannoveraner die Media Control-Album-Charts mit dem Triple-Album „30 – The Ultimate Best Of Collection“ von 0 auf Platz 3. Logisch, dass sämtliche 35.000 Tickets für drei Jubiläums-Shows in der TUI-Arena in Rekordzeit ausverkauft waren. Das Lustprinzip sei seit der Gründung 1986 der Kompass der Truppe, die es genau genommen seit 2008 gar nicht mehr gibt. Schwamm drüber, es läuft eben.

Deshalb geht die Jubiläums-Fete zum 30-jährigen Bandbestehen jetzt auch in die Verlängerung. Mit dem Ende April im Hamburger Grünspan aufgezeichneten Akustik-Album „Little Big World – Live & Acoustic“ wird besonders feinmotorisch einen Kreis geschlossen. Mit Handwerk im besten Sinne verbinden die Musiker emotionale Tiefe in den 23 ausgewählten Songs, die für das einmalige Konzert eigens von Jan Löchel neu arrangiert wurden. „Das Akustik-Konzert zum 30. Geburtstag war ein Geschenk an unsere Fans und an uns selbst“, resümiert Thorsten Wingenfelder. „Ein Akustik-Set wie das, was wir im Grünspan spielten, hält unsere Band-Seele jung und lebendig. Wir haben viel für das Konzert geprobt, aber im Endeffekt zeichnet unsere Band vor allem die Vielseitigkeit der einzelnen Mitstreiter aus. Deshalb durfte das Spontane regieren und ein Drittel des vorher Geprobten klang plötzlich ganz anders.“

Vielseitigkeit ist angesagt. Beispielsweise greift Gitarrist Christof Stein-Schneider ebenso zur Trompete wie zum Harmonium. Mit der großartigen Anne de Wolff ist eine Multiinstrumentalistin der Sonderklasse im Boot. Überhaupt sind die die zahlreichen Gastmusiker, die „Little Big World“ zu einem wirklich großen Album machen. John Watts kam eigens zur gemeinsamen Performance des Fury-covert-Fischer Z-Songs „Protection“ an die Elbe gereist, Mousse T. führte am Piano zusammen mit der Band eine ganz besondere Version von „Radio Orchid“ auf und der ausgewiesene Fury-Freund Wolfgang Niedecken (BAP) steuerte gar eine Strophe aus eigener Feder zum Finale „Seconds To Fall“ bei. Es gibt all die klassische Fury-Songs, die erst auf diese Art und Weise ihre ganze Kraft und Schönheit zeigen. Das müssen selbst „nicht-so-Fury-Überzeugte“ zugeben. Saustark!

Das Dritte Ohr / „10“ (Dritte Wahl Records / Indigo): Fast drei Dekaden ist auch die deutschsprachige Punkrock-Band nun schon am Start. Halt! Punkrock – stimmt das? Jein! Rein musikalisch bringen die vier Rostocker Kerls durchaus alle Punk-Attitüden ein. Auch textlich wird zwar klar Stellung bezogen, doch so richtig Schimpfe setzt es nicht. Dafür ist für ironsiche Seitenhiebe reichlich Platz – anders kann man im Alltag ja auch nicht mehr bestehen, oder? Und die (Alltags)-Geschichten, die hier erzählt werden, treffen den Nerv der Zeit. Zwölf Songs, die Superlaune machen.

Apropos Alltag: Da hat sich für die Band durch den Erfolg ihres Vorgängeralbums einiges geändert. „Geblitzdingst“ konnte sich 2015 in den Top 30 der Charts platzieren. Gitarrist und Sänger Gunnar erzählt von den Unterschieden: „Das hat unsere Welt jetzt nicht nachhaltig verändert, aber wir haben uns natürlich schon sehr gefreut.“ Vieles sei einfacher geworden. „Beispielsweise auf dem Elternabend in der Schule. Wenn ich auf die Frage, was ich so mache, mit ‚Rockmusik‘ geantwortet habe, dann waren die Reaktionen eher zurückhaltend. Mittlerweile finden die das dank der Charts dann aber doch ganz cool“, fügt Gunnar lachend hinzu.

Das zehnte Album zum 30-jährigen Bandbestehen – klar, das muss gefeiert werden. Im besten Fall mit den zahlreichen Fans. Dafür gibt’s im Herbst Gelegenheit. Die umfangreiche Tournee durch die Republik führt auch nach Hannover, und zwar am 17. November ins Musikzentrum. Mittlerweile ist mit dem Opener „Scotty“ der erste Song aus dem Album ausgekoppelt und auch als Video zu sehen:

D’Artagnan / „Verehrt & Verdammt“ (Sony Music): Bleiben wir deutschsprachig. En garde – das Nürnberger Trio geht in die zweite Runde. Anno 2015 sind Ben Metzner, Felix Fischer und Tim Bernard als Band gestartet. Während die beiden Erstgenannten schon zuvor gemeinsam bei der Folk-Rock-Truppe von Feuerschwanz aktiv waren, stieß mit Tim ein Freund aus Jugendtagen erst mit etwas Verzögerung hinzu. Gemeinsam setzten sie auf ein bereits gesatteltes und bestens in Form befindliches Pferd. Gemeint ist diese aktuell angesagte „Hau-Drauf-Sauf-Aus-Mit-Sing-Mittelalter-Party-Mucke“. Klar, auch der Coversong „Was wollen wir trinken“ ist dabei – der geht ja immer.

Schon das erste Musketier-Rock-Album stieg in die Charts ein. Eine Ehrung zum „Newcomer des Jahres“ folgte. Und jetzt „Verehrt & Verdammt“. Während die Texte ihren Fans geradewegs aus der Seele sprechen, sehen Mittelalter-Geschichtslehrer oder Folk-Puristen in ihnen hingegen nichts weniger als den Untergang des Abendlandes. Doch was gibt es Besseres für einen Künstler als zu polarisieren? Auf ihre Musik angesprochen verkündet Ben selbstbewusst: „Wir werden weiterhin überall dort auftreten, wo man uns sehen will. Ob das im Fernsehen ist oder auf einem Mittelalterfestival oder in Wacken. Menschen zu erreichen, das ist doch das Schönste für einen Musiker. Was ist daran falsch, sein Ding zu machen? Wir haben Spaß an dem, was wir tun. Die Besucher für die Zeit eines Gigs glücklich zu machen, daran halten wir fest.“ Im Frühjahr 2018 geht’s wieder auf Tour. In Hannover werden die Degen am 23. März im Musikzentrum gekreuzt.

The Weyers / „Out Of Our Heads“ (Weyerworks / OMN Label Services): Nicht immer tun Brüder-Paare einer Band gut. Das ist bei den Weyers ganz und gar nicht der Fall, denn sie ergänzen sich musikalisch prächtig. Nicht ohne Grund sagt dann auch Luke Weyermann über sich und seinen Bruder Adi: „Er ist das Gehirn, ich bin der Muskel.“ Der Vergleich macht durchaus Sinn. Denn einerseits ist es Adi, der die meisten Texte schreibt und die Songs singt. Andererseits ist es Luke, der sie mit seinem Schlagzeug dahin prügelt, wo sie am meisten Emotionen freisetzen.

Die beiden Brüder kommen aus Zürich, doch ihre Musik tönt so gar nicht nach der Schweiz. Gitarren, Schlagzeug und auch die Adis Stimme klingen eher ur-britisch. Bei der dritten Veröffentlichung des Schweizer Duos liegt der Britpop ganz nah – freilich in einem modernen Gewand. Süße Melodien hier und rauhe Giarrenriffs da.

Tolles Album aus der Schweiz: Luke (links) und Abi Weyermann sind „the Weyers“. Foto: Tabea Hüberli

Tolles Album aus der Schweiz: Luke (links) und Abi Weyermann sind „the Weyers“. Foto: Tabea Hüberli

Die Einflussnahme der Brüder ist unterschiedlich. Drummer Luke ist derjenige, der in seiner bisherigen musikalischen Karriere eher mit Punk und  Hardrock flirtete, während Sänger Adi (er erinnert phasenweise an U2s Bono) intensiv Bob-Dylan-Lyrics studierte und nach eben jenen großen neuen Melodien suchte. Englisch singen die Eidgenossen, weil es für sie eine „elektrisierende Sprache“ ist – eine, „die nach Schlagzeug und Gitarren klingt“. Nach Schlagzeug und Gitarren klingt auch das neue Album „Out Of Our Heads“. Gut so!

Die erste Singleauskoppelung dokumentiert, das die Weyers durchaus in der Lage sind, Ohrwürmer zu produzieren. Und: Der Trtack „Think Of You“ ist längst nicht der einzige höchst eingängie Song des Albums. Hörprobe hier:

Kadavar / „Rough Times“ (Nuclear Blast / Warner): Wow, wie herrlich oldschool klingt das denn?! Vom ersten Ton an fühlt sich der – zugegebenermaßen ältere – Hörer wie in einem Zeittunnel. Vanilla Fudge, Black Sabbath, vielleicht sogar Hawkwind und eine Prise dieses psychedelischen Krautrock. Auf jeden Fall ganz, ganz alter und schwerlastiger Classic-Rock. Womit wir bei einer Genre-Schublade wären, was wiederum das Trio aus der deutschen Hauptstadt so gar nicht in den Kram passt. „Die Leute stecken dich immer gerne in eine Schublade und deshalb ist es unser Job, uns unsere eigene Schublade zu kreieren und sie ‚Kadavar‘ zu nennen“, sagen die Jungs.

Die Jungs, das sind Christoph „Lupus“ Lindemann (vocals, guitar) und Christoph „Tiger“ Bartelt (drums) als Gründungsmitglieder sowie Bassist Simon „Dragon“ Bouteloup, ein Pariser Bohemien, der das ursprüngliche Mitglied Phillip „Mammut“ Lippitz ersetzte, aber auch schon seit 2012 in Berlin beheimatet ist. 2010 wird als Gründungsjahr der Band genannt. Ihre Inspiration bekamen die Protagonisten, als eine neue Welle der Retro-Rock-Szene die Mitte der 2000er Jahre überschwemmte. Jetzt steht das Trio vor der Veröffentlichung des vierten Longplayers. Vintage-Sounds und klassische Song-Struktur wurden bewusst beibehalten – durchaus zugänglich. „Unser Zeil war es, wie eine Heavy Garagen-Band zu klingen und das tun wir auch immer noch, vielleicht sogar mehr als je zuvor“, betont Sänger „Lupus“, der nach dem Gymnasium übrigens genau wie sein Kollege „Tiger“ Tontechnik studiert hat.

Optik wie anno dazumal: das Berliner Trio Kadavar. Foto: Elizaveta Porodina

Optik wie anno dazumal: das Berliner Trio Kadavar. Foto: Elizaveta Porodina

Stellt sich die Frage, ob heutzutage diese Art überhaupt noch verkaufen ist? Durchaus, denn Kadavar konnten sich nicht nur eine Publikumsmenge weit über der 1000er-Grenze verschaffen, sondern auch für Chartpositionen ihres dritten Albums sorgen – „Berlin“ landete auf Platz 18 in Deutschland und auf 21 (Heatseekers) in den USA. Geht doch!

Angekündigt ist übrigens eine ausgedehnte Headlinetour durch Europa mit den Kollegen von Mantar und Death Alley. Der Dreier gastiert auch in Hannover, und zwar am 8. November im Capitol. Als Hörprobe gibt’s die erste Single „Die Baby Die“ aus dem kommenden Album „Rough Times“ hier:

Black Country Communion / „BBC IV“ (Mascot Records / Rough Trade): Classic-Rock – klassisch, nicht Klassik. Die Supergroup vereint abermals britische und amerikanische Einflüsse und posaunen eine lautstarke Botschaft aus: Harkrock lebt und es geht ihm auch im 21. Jahrhundert sehr gut. Die Label-Presse jubiliert: Das vierte Studioalbum (da lag der Titel nah) verspricht zu einem der größten Hardrock-Alben 2017 zu werden. Stimmt! Genre-Liebhaber werden es abfeiern.

War denn etwas Anderes zu erwarten? Sicherlich nicht. Black Country Communion sind Sänger und Bassist Glenn Hughes (u.a. Deep Purple), Schlagzeuger Jason Bonham (Led Zeppelin, Foreigner), Keyboarder Derek Sherinian (Dream Theater, Alice Cooper, Billy Idol) und Bluesrock-Gitarrist und Sänger Joe Bonamassa. Hinzu kommt mit Kevin Shirley ein Produzent, der bereits für Led Zeppelin, Iron Maiden, Aerosmith, Journey und The Black Crowes Meilensteine geschaffen hat. Er hatte 2009 auch die Idee, die Herren Hughes und Bonamassa in eine gemeinsame Band zu stecken.

Doch zunächst war nach drei Alben erstmal Schluss. Die Initiative für ein neues Album ging von Joe Bonamassa aus. Er kontaktierte die übrigen Bandmitglieder 2016 und fragte, ob sie mit ihm ein neues BCC-Album aufnehmen würden. „Es fühlte sich einfach nach der richtigen Zeit an. Glenn, Derek und Jason stimmten sofort zu, es noch einmal zu versuchen. Das Timing war perfekt.“, erklärt Bonamassa. Als sich die Rückkehr im Oktober 2016 herumsprach, überschlugen sich die Reaktionen auf Facebook, Instagram und Twitter. Das Echo der Fans war überwältigend und zeigte, dass sie geradezu nach einer neuen Platte hungerten.

Acht Jahre nach Gründung der Band legt das ursprüngliche Line Up zehn neue Songs vor (gute 60 Minuten Spieldauer). „Wir nahmen uns vier Monate Zeit, um dieses Album zu schreiben und ich glaube, das Ergebnis spricht für sich“, kommentiert Glenn Hughes. Auf „BCC IV“ sei ein noch viel härterer, rifflastiger und kühlerer Sound zu hören. Schweren Riffs, eingängige Hooks, melodisches Flair mit ansteckenden, machmal sogar mainstramigen Refrains – alles da. Alle Songs auf dem Album sind von Hughes und Bonamassa geschrieben. Herausragend: Der Track „The Last Song For My Resting Place“, der Joes Feder stammt. Quasi eine Heavy-Ballade mit Geigen und Mandoline, die vom Untergang der Titanic handelt. Der erste Song „Collide“ aus dem Album ist als Video via Youtube veröffentlicht:

David Crosby / „Sky Trails“ (BMG / Warner): Mitte der 1960er Jahre war er Gründungsmitglied von The Byrds, später dann Teil der Supergruppe Crosby, Stills, Nash & Young (Grammygewinner 1969, Rock’n’Roll Hall of Fame 1997) und anschließend auch als Solokünstler erfolgreich. 2009 wurde er verdientermaßen in die prestigeträchtige Songwriters Hall of Fame aufgenommen. Heute, mittlerweile unglaubliche 75 Jahre alt, zeigt sich der Folk-Rock-Pionier immer noch engagiert und voller Schaffenskraft. „Sky Trails“ ist sein drittes Album mit eigenem Material innerhalb von vier Jahren. Dabei geht es ein wenig in eine neue Richtung, hin zu einem vollen Band-Sound mit tiefen, gefühlvollen Grooves.

Crosby hat eine neunköpfige Band um sich, die beim Opener tatsächlich ganz im Stile von Steely Dan einsteigt. Seine Sky Trails-Musiker sind im Kern der Saxophonist Steve Tavaglione, Bassist Mai Agan, Drummer Steve Di Stanislao und Crosbys Sohn, der Multi-Instrumentalist James Raymond, der das Album auch produziert hat. Crosby habe sich durch die brillanten Musiker neu belebt. „Jeder in der Band ist jünger als ich, also muss ich ein bisschen schneller rudern, um mitzuhalten“, sagt er mit einem Lachen. Seine Freude an der Arbeit mit seinem Sohn James Raymond – der als Kind zur Adoption freigegeben worden war und den Crosby erst traf, als dieser 30 war – ist deutlich spürbar. „Die Beziehung, die ich zu meinem Sohn entwickelt habe, ist absolut verblüffend und wundervoll“, sagt er.

Vier der zehn Songs des Albums haben Vater und Sohn gemeinsam geschrieben. „Er ist wahrscheinlich derjenige, mit dem ich am besten schreiben kann“, sagt David Crosby. „Wir schreiben oft via Internet. Ich schicke ihm dann einige hingeworfene Worte, und entweder entwickeln wir den Ansatz weiter, oder ich schicke ihm einen fertigen Text und er sagt dann, ‚lass mich bitte mal sehen, was ich daraus machen kann‘ und schickt mir dann ein Demo mit der Musik, die seiner Meinung nach dazu passt, zurück.”

Das neue Werk sei „ein Sammelsurium der Gefühle“. Musikalisch ist es Singer/Songwritertum im weitesten Sinne, manchmal sogar funky-jazzig angehaucht, was der ruhigen und warmen Atmosphäre aber insgesamt nicht im Wege steht. Im Mittelpunkt natürlich die sofort erkennbare markante Stimme – kaum zu glauben, dass auch sie schon 75 Jahre alt ist.

Voller Schaffenskraft: Folk-Rock-Pionier David Crosby, mittlerweile 75 Jahre alt. Foto: Henry Diltz

Voller Schaffenskraft: Folk-Rock-Pionier David Crosby, mittlerweile 75 Jahre alt. Foto: Henry Diltz

Schnelldurchlauf

OMD / „The Punishment Of Luxury” (RCA / Sony Music): Vor fast 40 Jahren taten sich die beiden Kraftwerk-Fans George Andrew McCluskey und Paul David Humphreys zusammen, um als  “Orchestral Manoeuvres In The Dark” ihre ganz persönliche Vision von elektronischer Popmusik in die Tat umzusetzen. Das gelang prächtig, auch wenn die PC-Mucke freilich nicht jedermanns Sache ist. Jetzt meldete sich eine der besten Synthie-Bands aller Zeiten mit ihrem 13. Album zurück. Der Longplayer ist der Nachfolger des von den Kritikern gelobten Albums „English Electric“ aus dem Jahr 2013. Im Großen und Ganzen gibt es nicht viel Neues. Für die Fans ist das auch gut so. Das Video zum Titelsong „Punishment of Luxury“ gibt’s hier:

Sarah Straub / „Love Is Quiet“ (Pastel Pink Records / Believe Digital): Ihre Stimme ist hell und klar, einfach unverbraucht. Bereits im Alter von sechs Jahren begann sie mit dem Klavierspiel, mit acht Jahren kam dann Klarinette und Saxophon hinzu. Mit zwölf Jahren schrieb sie erste eigene Lieder – heute zählt Sarah Straub 31 Lenze und will mit ihrer neuen CD den Anfangserfolg „Red“ vor drei Jahren wiederholen. Immerhin: Für ihr Debütalbum wurde sie mit deutschen Rock&Pop-Preis 2014 in den Kategierien „Bestes Pop-Album“ und „Beste neue Künstlerin“ ausgezeichnet. Mit ihrer Band stand sie bereits im Vorprogramm von Größen wie Lionel Richie, Joe Cocker, Unheilig, Gentleman und anderen. Ihre melancholischen Melodien und Texte lehnen sich eher am Singer-Songwritertum als am modernen Popgewand an. Neben ihrer Stimme steht vor allem das Klavier im Mittelpunkt ihrer Songs. Anspieltipps der insgesamt zwölf neuen Lieder (plus zwei akustischen Bonustracks) sind das aufgeweckte „Do You Mean Yes“ und „Oh“.

In Extremo / „40 wahre Lieder“ (Vertigo / Universal Music): Seit der Gründung 1995 ging die Berliner Band unbeirrt ihren Weg. Das eingeschworene Septett von der Spree machte den Mittelalterrock salonfähig. Sänger Micha Rhein und seine Kollegen setzten von Beginn an auf einen unverwechselbaren Sound. Mit ihrer sorfort wiedererkennbaren Mischung aus jahrhundertealten Instrumenten wie Marktsackpfeifen, exotischen Harmonien, teils lateinischen Lyrics und vor allem kraftvollen Heavy-Gitarren sind sie ganz klar die Pioniere dieses Genres. Erste Liga, was auch die mittlerweile 1,5 Millionen verkauften Tonträger dokumentieren. „40 wahre Lieder“ spannt den Bogen über 40 von der Band persönlich ausgesuchter Kultsongs aus jeder Schaffensperiode. „Viele Bands vergessen manchmal, ihrem Publikum für die Unterstützung zu danken. Mit ’40 wahre Lieder‘ widmen wir unseren Fans das fetteste und ehrlichste Dankeschön überhaupt“, sagt Micha „Das Letzte Einhorn“ Rhein. Das Dankeschön erscheint in den Formaten 2CD im Jewelcase und als limitierte Fanbox mit 2CD + 3DVD oder 2 BluRay inklusive Liveshows Loreley und WDR-Doku. Egal wie, es ist ein erstklassiges Best Of-Ding. Hier mal reinschauen/hören:

Chris Rea / „Road Songs For Lovers“ (BMG): Das wird die riesige Fanschar freuen – neues Material von Chris Rea. Bei den zwölf Songs und der knappen Stunde Spieldauer bleibt sich der bekennende Bluesliebhaber absolut treu. Genau diese locker-leichten Rockballaden sind es, die den charismatischen Künstler (Singer-Songwriter, Maler, Filmemacher, klassischer Komponist) so erfolgreich machten. Ob es sein bislang bestes Album ist, wie die Label-Presse behauptet, sei dahingestellt. Der Sound ist warm, Reas Stimme unverkennbar und viele Tracks wie gewohnt höchst eingängig – ein Album für ruhige Stunden. Wahrscheinlich weniger „auf der Straße“, dafür aber umso mehr für „Liebende“. Nach der Album-Veröffentlichung Ende des Monats geht Rea auf Deutschlandtournee und gastiert dabei auch in Hannover (28. Oktober im Kuppelsaal).

Madonna / „Rebel Heart Tour“ (Universal Music / Eagle Vision): Anlässlich ihres 59. Geburtstags am 16. August meldete Madonna Louise Veronica Ciccone den Vorverkauf ihres Konzertfilms von der Rebel Heart-Tour. Einmal mehr eine Tournee, bei der das „Material Girl“ sämtliche Rekorde purzeln ließ. Mit jetzt mehr als 1,31 Milliarden verkaufter Tickets im Laufe ihrer Karriere ist Madonna die erfolgreichste Livekünstlerin in der Geschichte von Billboard Boxscore. Quasi als nachträgliches Geburtstagsgeschenk an sich selbst und ihre Fans liegt nun alles vor: Der Film als Download, DVD und Blu-ray mit Bonusinhalten sowie als Livealbum mit 22 Songs von der Tour als Doppel-CD und Download. Außerdem werden DVD- und Blu-ray-Versionen mit einer Audio-CD mit Highlights von der gefeierten Tour erhältlich sein. Jede Wette, dass Madonna-Puristen über die Songauswahl herrlich streiten können. Klar, wer auf eine derartige Hitansammlung zurückblicken kann (seit 1983). Hörprobe hier:

Random Willson & Brokof / „Brother Equal“ (Goldrausch Records / Rough Trade): Dieses Teil ist ein prima Stück Americana und basiert auf der gelungenen Zusammenarbeit zwischen dem Poeten und Singer/Songwriter Random Wilson und der Berliner Band Prokof. Die Label-Presse spricht von einem fiktiven Treffen zwischen Tom Petty und den Rolling Stones – musikalisch gesehen. Stimmt! Man höre nur mal die erste Single „First To Know“. Insgesamt liefert diese transatlantische Kooperation zehn Songs bei einer Spieldauer von rund 38 Minuten, die phasenweise auch an die Waterboys und/oder America erinnern. Reinhören:

Odesza / „A Moment Apart“ (Counter Records / Rough Trade): Harrison Mills und Clayton Knight sind Odesza. Das Duo aus Seattle zählt zu den populärsten Gruppen im Bereich der elektronischen Musik. Die Erfolge sprechen für sich: Neben Goldenen Schallplatten in den USA und Australien für ihre Singles gab’s auch schon eine Grammy-Nominierung. Und bei Spotify und YouTube haben sich zusammen schon über eine halbe Milliarde Plays angehäuft sowie mehr als eine Milliarde auf dem Internetradio Pandora. Live hieß es in den Jahren 2015 und 2016: sold out! Das jetzt veröffentlichte dritte Studioalbum (16 Tracks bei einer Spieldauer von 60 Minuten) stellt abermals die typisch atmosphärische, filmische Musik in den Mittelpunkt. Namhafte Gäste auf dem Album sind unter anderen Leon Bridges, Regina Spektor, und RY X. Hörprobe zum Musikvideo „Line Of Sight“ (feat. WYNNE & Mansionair) hier:

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

weitere Artikel