Raus aus dem Winterschlaf: Neue Longplayer und Tourneen

Raus aus dem Winterschlaf: Neue Longplayer und Tourneen

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Raus aus dem Winterschlaf! Es scheint so, als ob auch das Musikbusiness den Frühling geradezu herbeisehnt und dies durch Neuerscheinungen beziehungsweise Tournee-Ankündigungen nachdrücklich untermauert. Dieser Tage erreichen neue Silberlinge überaus zahlreich unsere Ohren – eine kleine Auswahl von Mega-Acts über Trendsetter bis hin zu Debütanten.

Von Erk Bratke

Bilderbuch / „Magic Life“ (Maschin Records/Virgin Music): Die vier Österreicher zählten zu den Gewinnern des vergangenen Jahres. Der Longplayer „Schick Schock“ wurde geradezu abgefeiert, ebenso wie die ausverkaufte Tournee. Jetzt die Frage: Kann der Nachfolger das Niveau halten? Maurice, Peter, Mizzy und Pille würden dies freilich mit einem eindeutigen Ja beantworten.

Okay, „Magic Life“ zeigt eine neue Seite im Bilderbuch. Für die Band ist es der Sound der Zukunft – eine Reise durch Genres, Tempi und Sprachen. Na ja, fraglich, weil zumindest für Mainstream-Ohren arg gewöhnungsbedürftig. Auf ihrem vierten Album wollten sich Maurice Ernst, Philipp Scheibl, Peter Horazdovsky und Michael Krammer auf keinen Fall wiederholen. Das ist den Herren sicherlich gelungen – und schon wieder jubeln die Kritiker. Von Prince-Anleihen ist die Rede. Funky, groovig, mit Soul und nicht zuletzt höchst experimentierfreudig (natürlich auch textlich). Eine Abkehr vom Austropop? „Ja“, sagte die Band.

Schaun wir mal, was mit dem Drittling geht. Besonders gefallen können die Tracks „Bungalow“ und „Baba“. Live wird „Magic Life“ auch präsentiert – Hannover fehlt allerdings als Gastspielort. Fans müssen also reisen, vielleicht nach Leipzig (31. März) oder Hamburg (3. April). Hörprobe hier:

Dream Catcher / „Vagabonds“ (Jazzhaus Records / In-Akustik): Ob der Bandname nun auf den möglicherweise erwarteten musikalischen Weg hindeutet, sei mal dahingestellt. Die „Traumfänger“ bieten mit ihren zwölf Songs (plus einem Hidden-Track) ein durchaus breites Spektrum. Der Opener führt in Richtung des französischen Chansons, ohne dabei auf einen gewissen Ohrwurmcharakter zu verzichten. Nummer 2 sagt schon vom Titel her („Not To Old To Folk’n’Roll“), wo es eigentlich langgeht. Da ist die Ausgelassenheit und Rauheit des Pub-Folk-Athmosphäre à la Pogues hörbar. Damit es nicht allzu weit in die Celtic-Rock-Ecke abdriftet, werden stark melodiöse und teilweise hymnenhafte Pop-Balladen eingestreut. Insgesamt eine hoch interessante Mixtur mit natürlich passender Instrumentierung (Akkordeon, Fiddle, Banjo und so).

In ihrem Heimatland Luxemburg besitzt die Combo seit Jahren Kultstatus. Immerhin blickt man ja auch schon auf eine 18-jährige Bandhistorie zurück. Ihren Stellenwert erarbeitete sich die hart schuftende Tourband in Trio-, Quartett- oder voller Sextettbesetzung – vornehmlich durch Auftritte in kleineren Clubs. Aber auch auf großen Bühnen scheinen sich Dream Catcher zu Hause zu fühlen. Als Vorgruppe seien sie von namhaften Größen wie Sting, Alanis Morisette oder Bon Jovi begehrt, sagt das Label. Noch so ein Spannungsbogen – klingt gut!

Lustiges Sextett: Dream Catcher, die Traumfänger aus Luxemburg.

Marty McKay / „New York City Dreams“ (McKay Entertainment): So klingt es also, wenn aus Rap Rockmusik wird: Gut! 2014 veröffentlichte der aus Zürich stammende McKay sein Debütalbum „Sin’s Disciple“ inklusive des illustrierten Buches „Dante’s Disciple“. Während er sich auf dem Erstling hauptsächlich dem Rap widmete, geht er auf dem neuen Longplayer in eine ganz andere Richtung: Alle Texte sind gesungen. Vom Sound her ist die CD im Bereich des modernen American-Rock anzusiedeln – hier verzerrte Metal-Gitarren und dort melodiöse Balladen.

Zudem zeigt sich McKay nicht nur als Sänger, sondern obendrein als Konzeptkünstler. Die Idee lag nahe: Die Story des Albums dreht sich um die Stadt New York, den Traum als Musiker international erfolgreich zu sein und um eine verhängnisvolle Affäre. Während eines Aufenthaltes in Manhattan lernte McKay eine New Yorker Tänzerin kennen. Es knisterte und funkte. Nach einer wilden Zeit wird die junge Liebe aber auf eine Zerreißprobe gestellt: Aus geschäftlichen Gründen trennen sich die Wege. Die große Distanz zerstörte schließlich die Beziehung. Mit dem Album verarbeitet der Schweizer Sänger den Schmerz und die Wut und hofft, die Sache damit abzuschließen.

Für das Musikvideo des Eröffnungstracks „Escape“ gab Ex-Miss-Schweiz Kerstin Cook ihr Schauspieldebüt. Hier zu sehen und zu hören:

Eric Gales / „Middle Of The Road“ (Provogue / Mascot Label Group / Rough Trade): Sicherlich nicht von ungefähr, lässt die Labelpresse unter anderen drei namhafte Größen ihr Urteil über Mr. Gales fällen. So sagt Carlos Santana: „Er ist absolut unglaublich“. Joe Bonamassa schließt sich an: „Einer der besten, wenn nicht sogar der beste Gitarrist der Welt.“ Und Dave Navarro (Ex-Red Hot Chili Peppers) übt sich in Superlativen: „Warum Eric Gales nicht als der größte Rockgitarrist bezeichnet wird, ist mir ein absolutes Rätsel.“

Hm, freilich werden nicht alle Musikliebhaber diesen Worten folgen, aber das neue Werk des US-Bluesgitarristen kann sich allemal hören lassen. Indes hat Gales die Nummer 1 der US-iTunes-Blues-Charts erreicht. Außerdem kommt er zwischen dem 24. Mai und dem 10. Juni für mehrere Konzerte nach Europa. Auch in Deutschland wird er Shows spielen (Termine demnächst).

Eric Gales galt schon früh als Wunderkind und als die Wiedergeburt von Jimi Hendrix. Sein Debütalbum veröffentlichte er als 16-Jähriger 1991 unter dem Namen „The Eric Gales Band“; insgesamt erschienen bislang 14 Studioalben unter seinem Namen. Zudem arbeitete er mit zahlreichen weiteren Künstlern zusammen. Für die neue CD spielte das Naturtalent Gitarre und Bass selbst ein und steuerte auch den Leadgesang bei. „Das Album ist ein wunderschöner Schnappschuss meines jetzigen Lebens“, strahlt Gales und freut sich über die Lobeshymnen. Eher bescheiden fügt er hinzu: „Ich bin so dankbar für die Anerkennung meiner Arbeit und dafür, dass Gott mir eine zweite Chance gegeben hat. Er hat mir erlaubt, mich weiterzuentwickeln.“

Damit spielt er auf ein dunkles Kapitel seiner Vergangenheit an: 2009 saß Gales wegen Drogen- und Waffenbesitzes eine Gefängnisstrafe ab. „Während ich dort eingesperrt war, sagten die Aufseher zu mir ‚Bro, Du solltest nicht hier sein. Wenn Du hier rauskommst, pack‘ die Welt bei den Hörnern und reite auf Ihr davon.‘ Es hat einige Jahre gedauert, doch nun bin ich hier.“ Na bitte!

Einen Albumtrailer gibt’s hier:

Außerdem eine Hörprobe des Tracks „Carry Yourself“:

Emanuel Reiter / „Von Guten & Anderen Zeiten“ (Phonector Berlin / SpinUp): Egal, ob Schweiz oder Bayern – Hauptsache Berge. Nein, Spaß bei Seite. Der gute Emanuel wurde in Oberbayern geboren, zog mit 19 Jahren ins Land der Eidgenossen, wo der Singer/Songwriter auch heute noch beheimatet ist. In den letzten vier Jahren spielte er über 300 Konzerte in den drei deutschsprachigen Alpenländern. Seine Songs machten sich zudem im Radio breit.

Nach der ersten EP „Keine Zeit zu verlieren“ liegt nun das neue Album vor. Nach einer Reise durch gute, als auch andere Zeiten sind zwölf Songs über bleibende Freundschaft, tiefe Liebe und große Dankbarkeit entstanden. Im Mittelpunkt seiner Lieder stehen tiefgründige Texte, die das Herz berühren und zum Nachdenken bewegen. Authentizität sei ihm wichtig. Künstliche Soundeffekte sucht man in seiner Musik vergebens. Umso mehr kommen Akustik-Gitarren, warme E-Gitarrenlinien, Klavier und Streichinstrumente zum Einsatz.

Emanuel Reiter reiht sich in die aktuell angesagten Songpoeten der Bendzko-Poisel-Herre-Giesinger-Forster-Fraktion ein – mal mehr, mal weniger ähnlich. Verträumt und bodenständig zugleich. Hörprobe:

Fury In The Slaughterhouse / „30 – The Ultimate Best Of Collection“ (Starwatch / Sony Music): Tja, was soll man uns Hannoveranern noch viel über „Fury“ erzählen. Nichts. Songs wie „Won’t Forget These Days“ oder „Time To Wonder und viele weitere Kracher sagen eigentlich alles. Also vielleicht das noch: Ab dem 10. März ist die ultimative Best Of-Kollection im Handel – als Limited Deluxe Edition sowie als 3CD-Digipak.

Dem Anlass mehr als angemessen ist: Die „30 – The Ultimate Best of Collection“ ist eine liebevolle Zusammenstellung, die alles umfasst, was das Fury-Herz begehrt: Zwei CDs mit allen wichtigen Tracks und Hits von 1987 bis 2007 und eine CD mit sechs brandneuen Songs wie „Dance on the Frontline“ und „Last Order“ plus zwei Remixen. Zusätzlich bietet das hochwertig aufgemachte „Limited Deluxe Edition“-Earbook eine exklusive DVD mit Making-Of-Material, Interviews und dem „Rocking the Dunes“ (2008er Live + Acoustic Fankonzert auf Spiekeroog) sowie ein 60-seitiges Buch mit privaten Fotos und Kommentaren der Band sowie einem sehr persönlichen Vorwort von BAPs Wolfgang Niedecken. Wer sich auf die pure Musik beschränken möchte, kann sich auf die drei CDs des Digipak-Albums freuen.

Wolfgang Niedecken erinnerte sich zu Beginn dieses Jahres mit folgenden Worten: „Es muss Anfang der 90er gewesen sein, als mich dieser seltsame Bandname neugierig machte. Was ich dann hörte, stimmte mich hoffnungsvoll: keine an Radiotauglichkeit orientierte Popmucke, sondern handfester Rock’n’Roll ohne dämliches Gepose mit gut geschriebenen, nachvollziehbaren Songs und unverwechselbarer Stimme. Über die Jahre ist unsere Freundschaft nie eingeschlafen und ich bin hocherfreut, dass ihr euch für eine Tour zusammengerauft habt, um mit der angestauten Fury-Energie das Haus zum Rocken zu bringen. Schön, dass es euch gibt.“

Jep, die Tour steht an. Die 33.000 Tickets für die drei Shows in der TUI-Arena (10., 11. und 12. März) waren in kürzester Zeit ausverkauft, zwei davon binnen 24 Stunden. Daraufhin folgten weitere Termine für eine Open Air-Tour im kommenden Sommer, darunter zwei im Hamburger Stadtpark (14./15. Juli) sowie abschließend im Hamelner Weserberglandstadion (16. September).

Heimspiel: Dreimal ausverkaufte TUI-Arena – die Furys.

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