Gehrden wird immer älter: Siedlungsspuren aus dem Frühmittelalter

Gehrden wird immer älter: Siedlungsspuren aus dem Frühmittelalter

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Die Frühzeit des Ortes muss ins 10. Jahrhundert rückdatiert werden

Gehrden (red). „Die Siedlungsgeschichte Gehrdens ist deutlich älter als auf Papier dokumentiert“, zu diesem Schluss kommt die Kommunalarchäologin der Region Hannover, Ute Bartelt. Sie präsentierte gemeinsam mit Bürgermeister Cord Mittendorf vorläufige Ergebnisse einer archäologischen Grabung im historischen Ortskern.

Auf dem Grundstück eines 1743 erbauten und in diesem Jahr abgerissenen Fachwerkhauses an der heutigen Fußgängerzone haben wohl schon seit dem 10. Jahrhundert Menschen dauerhaft gelebt und gewirtschaftet. Bei den Untersuchungen auf der Parzelle wurden darüber hinaus Spuren einer noch weitaus älteren Besiedlung gesichert. Darunter Keramik aus der Zeit vor Christi Geburt und Feuersteinwerkzeuge, die mindestens aus der Bronzezeit (2200 bis 800 v. Chr) stammen, eventuell aber noch älter sind. Urkundlich erwähnt wurde Gehrden erstmals im Jahre 1298.

Die Adresse Steinweg 16 verbinden vielen Einwohnerinnen und Einwohnern Gehrdens mit der Bäckerei Gehrke. Die hatte dort seit 1921 ihren Sitz. Der auf dem Grundstück geplante Neubau einer Wohnanlage mit Tiefgarage machte die archäologischen Untersuchungen notwendig. Zu Tage traten dabei solide gemauerte Umfassungen von Brunnen aus der frühen Neuzeit und Neuzeit. Außerdem wurden tönerne Miniaturgefäße oder eine Vase mit Motiven der griechischen Mythologie gefunden. Auch die sehr gut erhaltenen Schalbretter eines „Entenfangs“ wurden freigelegt.

Der Teich wurde wiederum von einem Graben gespeist, der Wasser aus dem Brauereiteich der Stadt durch das Grundstück leitete. Auch dessen Verlauf konnte im Rahmen der Grabungen erfasst werden. „Die anstehenden Bauarbeiten haben es uns ermöglicht, die Geschichte Gehrdens ein gutes Stück weiter zu erforschen. Je tiefer die bauseits geplanten Erdeingriffe reichen, desto mehr interessante Befunde auch aus vorgeschichtlichen Zeiten können wir aufdecken“, so Fachfrau Bartelt. Ohne bauvorbereitende archäologische Untersuchung würden sämtliche Spuren früherer Siedlungstätigkeit undokumentiert beseitigt. Infos zum Thema archäologische Denkmalpflege unter www.hannover.de.

Historie

Urkundlich wird Gehrden erstmals 1298 erwähnt: Graf Adolph VI. von Schaumburg und Holstein verleiht dem Ort die Privilegien eines Fleckens (mit Marktprivileg, Befestigungsprivileg, persönliche Freiheit der Bewohnerinnen und Bewohner, Braugerechtigkeit und eigener Gerichtsbarkeit).

Auf der Verkopplungskarte der Stadt Gehrden von 1853 ist die älteste verlässliche Darstellung des Baugrundstücks Steinweg 16 inmitten des ehemals „umwehrten“ Siedlungsbereiches mit den seinerzeit existenten Gebäuden zu sehen: Es handelt sich um einen Vollmeierhof, als Bewirtschafter wird ab 1592 die Familie Hohemann/Homann genannt. Im Jahr 1865 wird der Hof in die Gartenstraße verlegt.

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