Bärenstark – die Entwicklung bei den „Calenberger Löwen“

Bärenstark – die Entwicklung bei den „Calenberger Löwen“

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Egestorf. Da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich. Nein, mit Erich Kästner (aus „Das fliegende Klassenzimmer“) hat der JFV Calenberger Land nichts am Hut. Aber das, was der junge Fußballclub mit Sitz in Langreder in den nur anderthalb Jahren seit seiner Gründung geleistet hat, ist… ja, erstaunlich oder einfach wunderbar. Also, nix wie hin zu einem Hausbesuch. Ach was, machen wir gleich zwei Besuche daraus…

Von Erk Bratke

Rückblick: Das ist neu, das ist geil – hurra, hurra die Schule brennt. Neu ist, dass eine Jugendmannschaft aus dem Barsinghäuser Stadtgebiet in der Regionalliga aufläuft – und das gab’s bislang im lokalen Nachwuchsfußball noch nie. Geil (oder anders gesagt: sensationell) ist es deshalb, weil es bereits der vierte Aufstieg in Folge war. Und für die Schule setzen wir in diesem Fall die Sportanlage an der Ammerke, wo die „Calenberger Löwen“ zumindest ein ums andere Mal ein sportliches Feuerwerk abbrannten.

Präsident und Vorsitzender: NFV-Boss Karl Rothmund und JFV-Chef Holger Giese.

Präsident und Vorsitzender: NFV-Boss Karl Rothmund und JFV-Chef Holger Giese.

Der erste Hausbesuch führte also nicht ohne Grund auf die Egestorfer Sportanlage. Zwar hatte das Flaggschiff des JFV CL den Meistertitel in der Niedersachsenliga längst vorzeitig eingetütet, dennoch war das vorletzte Punktspiel etwas Besonderes. Dazu hatte sich nämlich der Niedersächsische Fußball-Verband angekündigt, um die Meisterehrung vorzunehmen. Karl Rothmund, NFV-Präsident und bekanntermaßen Förderer des Egestorfer Fußballs, und Staffelleiter Heinz-Walter Lampe waren nicht mit leeren Händen gekommen. Sie überreichten die obligatorische Meisterschale sowie eine Medaille für jeden Spieler, Trainer und Betreuer.

Meisterehrung: Die Spieler Torben Engelking (links) und Christopher Kowoll-Buschner (rechts) mit NFV-Präsident Karl Rothmund.

Meisterehrung: Die Spieler Torben Engelking (links) und Christopher Kowoll-Buschner (rechts) mit NFV-Präsident Karl Rothmund.

Mit dem vierten Aufstieg in Serie haben sich die A-Junioren des JFV endgültig als dritte Kraft in der Region nach Hannover 96 und dem TSV Havelse etabliert. „Dass eine Fußballmannschaft aus dem Stadtgebiet Barsinghausen in der zweithöchsten deutschen Jugend-Spielklasse spielt, gab es noch nie. Dies erfüllt uns mit Stolz. Ich danke unseren Stammvereinen TV Jahn Leveste, TSV Goltern, 1. FC Wennigser Mark und Germania Egestorf/Langreder für die großartige Unterstützung“, erklärte Holger Giese, der 1. Vorsitzende des JFV Calenberger Land, anlässlich der Meisterschaftsehrung.

Dass das Team zwischenzeitlich auch auf eher ungewohntem Terrain – wie beispielsweise bei der Barsinghäuser Sportgala – eine gute Figur abgab…geschenkt! Dass das Team aber auch nach der Neubesetzung durch die altersgemäße Fluktuation rein sportlich erneut eine gute Rolle spielt, ist wiederum stark. Bärenstark! Aktuell belegt die Truppe um Trainer Tim Hoffmann nach sechs Spieltagen den 8. Platz. Verbucht wurde bis dato eine ausgeglichene Bilanz: Zwei Siege, zwei Unentschieden und zwei Niederlagen brachten acht Punkte mit einem Trefferverhältnis von 11:10 Toren.

Ortswechsel und Hausbesuch Nummer 2: Treffpunkt ist nun das Zuhause von Torsten Seebeck, Präsident des 1. FC Germania Egestorf/Langreder, wo auch JFV-Vorsitzender Holger Giese angetroffen wird. Gemeinsam arbeiten die beiden Protagonisten schon seit etlichen Jahren Hand in Hand, auch als es den JFV CL noch gar nicht gab (erst für den 1. FC Germania und danach für die JSG Egestorf/Langreder/Goltern – die Vorgänger des JFV).

Anzeige_Heuberg_620Zunächst wird die Frage nach der Namensgebung des Vereins geklärt, der im Mai 2014 gegründet wurde. Der Begriff „Calenberger Land“ lag nahe, weil sich mit dem TV Jahn Leveste und dem 1. FC Wennigser Mark zwei Club außerhalb des Barsinghäuser Stadtgebiet anschlossen und das vorherige Duo aus Egestorf/Langreder und Goltern zum Quartett komplettierten. JFV gleich Jugendförderverein – diesen unsäglichen und oft in die Irre führenden Begriff hat der NFV in seinen Statuten so vorgesehen. Passend sei das sicherlich nicht, aber man müsse damit leben, sagt Giese. Notwendig geworden war die JFV-Gründung vordergründig deshalb, weil eine JSG (Jugendspielgemeinschaft) nicht oberhalb der Landesliga kicken darf. So weit, so gut.

Der strukturelle Aufbau des JFV CL ist gewöhnlich. Giese besetzt den Vorstandsvorsitz; ihm zur Seite stehen drei Stellvertreter. Tilman Zychlinski (ebenfalls von Germania) sowie Wolfgang Grosam (TV Jahn Leveste), der sich um die Finanzen kümmert, und Christoph Sauer (TSV Goltern), der Öffentlichkeitsarbeit und Marketing betreibt. Beim NFV hat der JFV Calenberger Land eine eigene Vereinsnummer. Und Mitglieder? Alle Alt-Mitglieder werden von den Stammvereinen geführt. „Kommen neue Spieler hinzu, werden die Neulinge in der Regel gleichmäßig aufgeteilt“, erklärt Giese. Zu dem normalen Beitrag des Stammvereins zahlt der Nachwuchs 1 Euro für die Mitgliedschaft im JFV; den Rest zur Finanzierung trägt der jeweilige Stammverein – prozentual errechnet.

Ein Exkurs: Die Aufnahme des 1. FC Wennigser Mark (das FC steht für Futsal-Club) in den JFV darf als cleverer Schachzug bewertet werden. Insider wissen natürlich, dass dadurch vermeintlich höhere Ausbildungsentschädigungen (im Fachjargon Ablösesummen) vermieden werden können. Keineswegs eine neue Variante, denn auch andere Vereinskooperationen bedienen sich dieser Möglichkeit.

Germanen-Präsident: Torsten Seebeck.

Germanen-Präsident: Torsten Seebeck.

Schaut man also genauer hin, so hat der JFV CL eigentlich gar keine eigenen Mitglieder oder aber eben per Doppelmitgliedschaft. Egal, Hauptsache sie schießen Tore und verteidigen gut. Und das machen sie, die Jungs (und Mädchen). Derzeit sind bei den „Calenberger Löwen“ (so das Wappentier) rund 210 Kinder und Jugendliche in elf Mannschaften aktiv. Etwas über 50 Prozent des Nachwuchses stellt der 1. FC Germania. „Eine kostspielige Angelegenheit, die aber absolut Sinn macht“, stellt FC-Präsident Seebeck heraus, „denn schließlich verstehen wir den JFV als Ausbildungsverein.“ Sinn macht das aus seiner Sicht nicht nur wegen der Erfolge in den Jugendteams, sondern auch im Hinblick auf die Herrenmannschaften.

Recht hat er, der FC-Präses. Beim Blick auf die aktuellen Herrenkader von Germania (Oberliga und Bezirksliga) fällt die zuletzt so erfolgreiche Nachwuchsarbeit sofort ins Auge. Beim grandiosen Pokalerfolg über den SV Meppen (DJ berichtete) konnte der Jugendchef rund ein halbes Dutzend seiner ehemaligen Schützlinge beobachten. „Die Jungs legen eine enorme Qualität an den Tag“, bekräftigt Holger Giese. Dass dieses Bild bei den Partnern in Leveste und Goltern (beide Clubs stecken in der Kreisliga fest) aktuell noch nicht passt, könnte allerdings in der Zukunft gerade gerückt werden.

„Natürlich ist der Unterbau eine Fundgrube für uns. Den Pool an Eigengewächsen sehe ich absolut positiv“, bekräftigt Seebeck. Bislang habe es auch noch keine Beschwerden der Partner gegeben. „Und nochmal, wir sehen den JFV als echten Ausbildungsverein. Auch unter der Prämisse, dass ein von uns gemeinsam geförderter Jugendspieler später zu seinem Heimatverein zurückkehrt.“

JFV-Vorsitzender: Holger Giese. Fotos: Bratke

JFV-Vorsitzender: Holger Giese. Fotos: Bratke

Den dabei oftmals angebrachten Kritikpunkt, dass der JFV CL weitgehend mit „fremden Spielern“ kickt, entgegnet Vorsitzender Giese locker: „Das stimmt nicht. Für mich stellt sich die Frage: Was ist fremd? Sind Spieler aus Bad Nenndorf oder Wennigsen fremd? Für mich nicht“, betont Giese. Fakt ist, dass die Stadtgebiete Barsinghausen und Gehrden wohl kaum genügend Talente für Spielklassen oberhalb des Bezirks Hannover vorrätig hätten. Insofern ist das Konzept absolut stimmig.

Die zurückliegenden Erfolge untermauern dies. Neben dem Flaggschiff (A1 in der Regionalliga) brachten Aufstiege die JFV-Team in die Landesliga (B1 und C1), in die Bezirksliga (C2) und die Kreisliga (B2 und C3). Insgesamt eine nahezu perfekte Aufstellung. Dass dies gelungen sei, macht Giese in erster Linie an der herausragenden Qualifikation des Trainerstabs fest. Und dass dies auf derart breiter Front nicht mit vereinseigenen Kräften zu gewährleisten sei, verstehe sich von selbst. Allein die Trainer der Leistungsmannschaften (Tim Hoffmann, Matthias Scholz, Nico Mavrides und Christian Michalek) verfügen über A- beziehungsweise B-Lizenzen. Insgesamt arbeiten rund 20 Trainer und Co-Trainer für den JFV CL.

Relativ neu und nahezu einmalig ist die Hinzunahme eines sogenannten Talentteams, das von Paul Nieber (27) geleitet wird. „Damit wollen wir Verbindungen zwischen unserer U19, der U23 und der I. Herren schaffen. Die Spieler, die aufgrund von Verletzungen oder weniger Wettkampfpraxis hinten anstehen, erhalten ganz individuell eine extra Trainingseinheit“, verdeutlicht Giese. Diese Optimierung und Heranführung von jungen Spielern an den Seniorenbereich hat der 1. FC Germania installiert. Die Zusammensetzung des Talentteams geschehe in enger Abstimmung mit den Cheftrainern der jeweiligen Mannschaften.

FOTO 5: Talentteam: Paul Nieber (links) soll für Optimierung sorgen, unter anderen in enger Absprache mit dem U19-Chefcoach Tim Hoffmann (rechts). Foto: privat

Talentteam: Paul Nieber (links) soll für Optimierung sorgen, unter anderen in enger Absprache mit dem U19-Chefcoach Tim Hoffmann (rechts). Foto: privat

„Die Einführung des Germania-Talentteams ist der nächste logische Schritt, um das Potenzial von jungen, talentierten Spieler zur bestmöglichen Ausschöpfung zu bringen. Zudem können wir dadurch Spielern, die in ihren Mannschaften zeitweise nicht an jeder Einheit teilnehmen können, ein zusätzliches Training anbieten“, erklärte dazu auch Jan Zimmermann, Cheftrainer der Oberliga-Mannschaft. Paul Nieber, der zuletzt als erfolgreicher A-Jugendcoach beim FC Springe wirkte, ist Inhaber der DFB-Elite-Jugend-Lizenz. Er wird zudem als neuer Chefscout im Leistungsbereich des JFV Calenberger Land und des 1. FC Germania arbeiten.

Talentiert: Ist er der nächste Oberligaspieler aus der eigenen A-Jugend? Domenik Behnsen kam über Basche United und dem TSV Havelse zum JFV Calenberger Land. Foto: Bratke

Talentiert: Ist er der nächste Oberligaspieler aus der eigenen A-Jugend? Domenik Behnsen kam über Basche United und dem TSV Havelse zum JFV Calenberger Land. Foto: Bratke

Stellt sich die Frage nach der Kostenbewältigung. „So wie Spieler fragen auch Trainer mittlerweile bei uns an. Klar haben wir Beziehungen, mit denen wir Anreize schaffen können. Aber von dem, was alle sagen, stimmt noch nicht mal die Hälfte“, bekräftigt der JFV-Chef. Dabei verneint er die vielzitierte Nähe zum NFV keineswegs.

Und für die Zukunft? Das, was beim JFV Calenberger Land in nur anderthalb Jahren erreicht wurde, zeigt eine Entwicklung, die kaum hätte besser sein können. Diese soll nach Möglichkeit durch die entsprechenden Klassenerhalte gefestigt werden. „Das es so extrem nach oben geht, hätte ich nicht gedacht. Für die Zukunft wünsche ich mir, dass wir die Mitgliederzahlen zumindest konstant halten können. Gut wäre auch, wenn wir die teilweise noch große Spanne bei den A- und B-Junioren verringern könnten“, blickt Giese voraus.

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Die U19-Regionalligamannschaft des JFV Calenberger Land freut sich über neue Sporttaschen, die das Versicherungsbüro von Ralf Heuberg aus Barsinghausen spendiert hat. Spieler Marcel Littmann sagte dazu: „Es ist super, dass wir uns jetzt komplett einheitlich beim Training und bei den Spielen präsentieren können.“ Bereits im vergangenen Jahr zeigte sich Heuberg großzügig, indem er den schwarzen Präsentationsanzug sponserte. „Wir sind Herrn Heuberg für sein soziales Engagement sehr dankbar. Eine tolle Unterstützung, die uns hilft, das Calenberger Land in Norddeutschland zu repräsentieren.“

Neue Sporttaschen: Das Versicherungsbüro von Ralf Heuberg (Zweiter von links) spendierte den A-Junioren des JFV CL neue Sporttaschen. Foto: privat

Neue Sporttaschen: Das Versicherungsbüro von Ralf Heuberg (Zweiter von links) spendierte den A-Junioren des JFV CL neue Sporttaschen. Foto: privat

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