Wennigser Leichtathleten bringen Licht ins Dunkel

Wennigser Leichtathleten bringen Licht ins Dunkel

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Wennigsen. Erneuter Hausbesuch bei den Wennigser Leichtathleten, und dies freilich nicht ohne Grund: Eigeninitiativ hatte die TSV-Sparte gehandelt, um die Outdoor-Trainingsmöglichkeiten wesentlich zu verbessern. Nicht ohne Stolz präsentierte Abteilungschefin Heike Zündorf die neue Lichtanlage auf dem Sportgelände an der Argestorfer Straße.

Von Erk Bratke

Ortstermin an der Sophie-Scholl-Gesamtschule (SSGS) in Wennigsen: Die Dunkelheit hatte noch nicht ganz eingesetzt, dennoch war die Wirkung der neuen Lichtstrahler erkennbar. Und damit hellten sich zweifellos auch die Gesichtszüge der anwesenden Wennigser Vorstandsmannschaft auf. Mit der Installation der neuen Anlage wurde eine Optimierung in mehrfacher Hinsicht erreicht. Besseres Licht gleich häufiger und variabler Trainingseinheiten, gleichwohl Entzerrung der ungenügenden Hallenkapazitäten sowie helleres Licht gleich weniger Verletzungsgefahr.

Eine gute Entscheidung allemal. Die hatte der Leichtathletikvorstand beschlossen, nachdem er sowohl bei der Gemeinde als auch bei Sportstättenförderern wie dem Regionssportbund abgeblitzt war. „Von der Wennigser Verwaltung und auch von unserem TSV-Gesamtvorstand wurde uns mitgeteilt, dass wir keine Zuschüsse zu erwarten hätten“, informiert Abteilungschefin Heike Zündorf anlässlich des offiziellen Einweihungstermins.

Exkurs: Von Seiten der finanzschwachen Gemeinde sei diese freiwillige Leistung nicht zu vollbringen, hieß es einerseits. In Sachen „Sportstättenförderung“ sei andererseits kein Zuschuss möglich, weil die SSGS-Anlage eben kein Eigentum des Sportvereins ist. Letzteres ist zumindest fragwürdig, denn kaum ein Regionsverein verfügt wirklich über eine eigene Sportanlage – mit dem Unterschied, dass viele Sportanlagen durch die betroffenen Vereine „betreut“ werden. Meist regeln Übergabeverträge zwischen Kommune und Verein diese Übereinkunft. Pech also für die Wennigser Leichtathleten, die ihr Zuhause auf einer gemeindlichen Schulsportanlage haben und somit zweifellos schlechter gestellt sind als andere Sportlerinnen und Sportler.

Stolz auf die Eigeninitiative: Klaus Schwarzer, Heike Zündorf und Bodo Martin (von links).

Stolz auf die Eigeninitiative: Klaus Schwarzer, Heike Zündorf und Bodo Martin (von links).

Doch die Stärke der TSV-Leichtathleten zeigt sich eben nicht nur in sportlicher Hinsicht bei „Lauf, Sprung und Wurf“, sondern auch im ehrenamtlichen Engagement und Eigeninitiative. „So haben wir die Neuanschaffung eben selbst gewuppt“, sagt Heike Zündorf voller Stolz. Zu Recht, denn die vollzogene Maßnahme brachte im wahrsten Sinne des Wortes Licht ins vorherige Dunkel. Künftig sind auch Kurvenläufe und das Training auf der Gegengeraden möglich. „Vorher gab es hier schon einmal Unfälle, weil man nicht sehen konnte, was vor einem liegt“, beschreibt Zündorf die missliche Situation.

Circa 20 Jahre alt waren die beiden Halogenstrahler, die für eine recht spärliche Beleuchtung sorgten. In den Abendstunden war eine komplette Umrundung des Sportplatzes kaum möglich und obendrein eben nicht ungefährlich für die Athleten. Ersetzt wurden die alten 400-Watt-Strahler durch zwei etwa zwölf Meter hohe Masten mit aufgesetzten Halogenstrahlern, deren Leuchtkraft mit je 30.000 Lumen angegeben wurde. Und weil man schon mal dabei war, wurde ein dritter Mast installiert, der die benachbarte Sprung- und Wurfanlage beleuchten soll.

Auf der Suche nach Sponsoren wurden Zündorf und ihre Mitstreiter fündig. „Mit Unterstützung der Avacon und unseres Hauptvereins war es möglich, dass unsere Sparte die 7500 Euro teure neue Anlage durch das Überlandwerk Leinetal installieren konnte“, freut sich Zündorf. Schwamm drüber, dass dennoch rund 60 Prozent der Kosten von der Sparte selbst aufgebracht werden musste. „Diese Eigeninitiative war absolut notwendig“, bekräftigt die Spartenleiterin.

Wie schon mehrfach berichtet, sind die Leichtathleten vor allem auf die eigene Gemeinde nicht gut zu sprechen. Das Problem mit den keineswegs ausreichenden Hallenkapazitäten ist in Wennigsen seit geraumer Zeit bekannt. „Weil die zugewiesenen Hallenzeiten für unsere Trainingsgruppen nicht ausreichen, mussten wir für die Wintermonate vier Wochenstunden im Bundesleistungszentrum in Hannover anmieten. Das kostet uns immerhin 400 Euro Kosten“, ärgert sich die Spartenchefin. Nach Zündorfs Meinung behaupte der Arbeitskreis Sport (AKS) völlig zu Unrecht, dass es kein Problem mit den Hallenzeiten gebe. Auch eine Kostenerstattung der Gemeinde sei nicht in Sicht.

Als wenn dies nicht schon genug für Unmut sorgen würde, kommt ein weiteres Ärgernis noch hinzu. „Durch Vandalismus ist seit rund einem Jahr die Hochsprunganlage kaputt, weil der Zaun rund um die Anlage nicht geflickt wird“, erklärt Zündorf. Eindringlinge hatten die Abdeckung der Anlage zerstört, die dadurch unbrauchbar geworden sei. Die Neuanschaffung kostet den Verein 7000 Euro. „Wir wollen jetzt eine Metall-Abdeckung beschaffen, um den Schaden für die Zukunft möglichst auszuschließen.“ Auch hier hat die Vorsitzende kaum Hoffnung auf Mitfinanzierung durch die Gemeinde. Dass mit Jannik Boog ein überaus talentierter Hochspringer in den Reihen des TSV Wennigsen zu finden ist, der seit geraumer Zeit nicht umfassend im eigenen Verein trainieren kann, sei hier nur am Rande erwähnt.

Indes lässt sich die Funktionärsebene der Wennigser Leichtathleten nicht vom eingeschlagenen Weg abbringen. Die Erfolge als „kleiner Dorfverein mit ausnahmslos heimischen Akteuren“ geben Recht. Das wird sicherlich auch auf der in Kürze anstehenden Hauptversammlung zu hören sein. Das jährliche Mitgliedertreffen ist für Donnerstag, 17. März, vorgesehen und beginnt um 19 Uhr in der Wennigser Gaststätte „Pinkenburg“. Heike Zündorf und Klaus Schwarzer wollen dann auch einen neuen Vorstandskollegen wählen lassen: Bodo Martin soll das Amt des Stellvertretenden Spartenleiters übernehmen.

Zum Thema

Die Hallensaison der Leichtathleten gilt als beendet. Wie ist sie gelaufen? Diese Frage richteten wir an Trainer Ernest Radulian. Mit einem verschmitzten Lächeln antwortete der Chefscout: „Keine Titel auf Landes- und norddeutscher Ebene.“ Aber das sei nicht weiter schlimm, denn alle Akteure hätten sich leistungsmäßig verbessert. Mit Antonia Schiel und den Jungen der 4×200-Meter-Staffel hatten sich zudem TSV-Schützlinge für die Deutschen Meisterschaften qualifiziert. „Neben den zahlreichen Startgemeinschaften stellte der TSV damit die einzige reine Vereinsmannschaft Deutschlands“, erklärte Heike Zündorf. Alle Achtung!

Erfolgreiche Athleten des TSV Wennigsen: Die DM-Fahrer Jonas Kayser, Antonia Schiel und Leon Martin (vorn) sowie Rosana Wiens, Ira Rischkopf, Johanna Wistokat, Artur Stemwedel, Trainer Ernest Radulian und Henning Schiel (dahinter von rechts). Fotos: Bratke

Erfolgreiche Athleten des TSV Wennigsen: Die DM-Fahrer Jonas Kayser, Antonia Schiel und Leon Martin (vorn) sowie Rosana Wiens, Ira Rischkopf, Johanna Wistokat, Artur Stemwedel, Trainer Ernest Radulian und Henning Schiel (dahinter von rechts). Fotos: Bratke

Das Staffelquartett des TSV war bei der DM in Dortmund unter 46 Teams am Start. Die Qualifikation hatte der Vierer mit der Vereinsrekordzeit von 1:34,62 Minuten bei der norddeutschen
Meisterschaft und damit Rang 32 der bundesweiten Meldeliste geschafft. Ziel war es, die Bestzeit erneut zu unterbieten, was Jörn Kaiser, Konrad Weber, Denys Kravchenko und Jonas Kayser allerdings wegen unglücklicher Wechsel diesmal nicht gelang. Die Zeit von 1:35,44 Minute bedeutete am Ende Rang 31. Leon Martin und Leon Spitzenberg waren als Ersatzläufer mit von der Partie, weil sie sich das DM-Erlebnis verständlicherweise nicht entgehen lassen wollten.

Antonia Schiel lief die 1500 Meter bei der U20-DM in 4:50,25 Minuten und damit ihre zweitbeste Zeit bislang überhaupt. Rang 21 reichte schlussendlich nicht für den Finaleinzug. „Auch wenn wir eine etwas bessere Zeit anvisiert hatten, so sollten wir mit der gezeigten Leistung nicht unzufrieden sein, kommentierte Ernest Radulian.

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