• 17. November 2018
Barsinghausen ist kein Gau-Land

Barsinghausen ist kein Gau-Land

Barsinghausen (wk). Die Deisterstadt zeigt Flagge gegen Rechts. Mit zwei eindrucksvollen Demonstrationen haben die Barsinghäuser einmal mehr gezeigt, dass die AfD hier nicht willkommen ist. Und sie taten dies friedlich und besonnen.

„Wir können ein positives Fazit zum polizeilichen Einsatz im Rahmen des Bundeskongresses der Jungen Alternative mit zwei angemeldeten Gegenversammlungen ziehen“, bilanziert Polizeidirektor Ulrich Knappe, Leiter der Polizeiinspektion Garbsen.

Friedliche Demo: Rund 1.000 Menschen zeigten Flagge gegen die AfD. Fotos: Holger Bade

Friedliche Demo: Rund 1.000 Menschen zeigten Flagge gegen die AfD. Fotos: Holger Bade

Der Bundeskongress der Jungen Alternative war am Sonntag, 4. November 2018, in den Veranstaltungsräumlichkeiten „Zechensaal“ an der Hinterkampstraße abgehalten worden. Unter dem Motto „Verfassung und Vielfalt schützen – Barsinghausen nazifrei“ nahmen laut Polizeiangaben zirka 1.000 Teilnehmer an einer Gegenversammlung teil. Um 11:45 Uhr setzte sich der Aufzug am Bahnhof Barsinghausen über die Siegfried-Lehmann-Straße, die Hinterkampstraße sowie die Schulstraße, unweit des Veranstaltungsgeländes, in Bewegung. „Im weiteren Verlauf führte die friedliche Versammlung über die Deisterstraße, Bergamtstraße zum Mont-Saint-Aignan-Platz. Dort fand gegen 12:30 Uhr die Abschlusskundgebung statt. Im Anschluss daran wurde die Versammlung für beendet erklärt“, so Knappe.

Polizei bedankt sich bei Gegendemonstranten

Eine zweite Kundgebung unter dem Namen „Rassismus und Spaltung sind keine Alternativen – Kein Raum für rechte Propaganda in unserer Region“ wurde ab 13 Uhr in der Spitze mit 80 Teilnehmern an der Egestorfer Straße, im Bereich des Conrad-Bühre-Wegs, abgehalten. Die Versammlung entschloss sich nicht – wie zunächst angezeigt – stationär zu bleiben, sondern setzte sich als Aufzug über die Egestorfer Straße und Berliner Straße zum Bahnhof Barsinghausen in Bewegung. Der Verlauf war friedlich. Gegen 14:30 Uhr wurde die Versammlung am Bahnhof Barsinghausen beendet.

„Unser polizeiliches Einsatzkonzept ist voll und ganz aufgegangen. Es kam zu keinen nennenswerten Vorkommnissen. Ich bedanke mich auch bei allen Versammlungsteilnehmern für den friedlichen Verlauf der Gegenversammlungen“, sagte Einsatzleiter Ulrich Knappe.

Klare Botschaft: Keine Chance für Nazis.

Klare Botschaft: Keine Chance für Nazis.

Ein starkes Bündnis

Das Bündnis „Barsinghausen ist bunt“ hatte anlässlich des Bundeskongresses der Jungen Alternative dazu aufgerufen, „ein klares Zeichen gegen Rechtsextremismus und für eine offene Gesellschaft zu setzen“, so die Sprecherin Sybille Bruchmann-Busse. Sie nahm kein Blatt vor den Mund: „Auf dem letzten Bundeskongress der Jungen Alternative (JA) verhöhnte der AfD-Vorsitzende Gauland 50 Millionen Kriegstote und die Opfer des Holocaust, indem er die Naziherrschaft als ‚Vogelschiss in der 1000-jährigen Geschichte Deutschlands‘ bezeichnete. Der Kongress endete mit dem Grölen der ersten Strophe des Deutschlandliedes. Die JA ist der Brückenkopf der AfD zur verfassungsfeindlichen Identitären Bewegung und zur Neuen Rechten. Neben völkisch-nationalen Burschenschaftlern sind auch frühere Mitglieder der Jugendorganisation der NPD dort aktiv. In Niedersachsen und Bremen stehen zwei Landesverbände der JA bereits unter Beobachtung des Verfassungsschutzes. Der Bundesverband möchte sich nun dieser Beobachtung entziehen, in dem er diese beiden Landesverbände auflöst, obwohl andere Landesverbände nicht weniger rechtsradikal sind“, so Bruchmann-Busse.

Buntes Barsinghausen: Keine Chance für AfD und Co.!

Buntes Barsinghausen: Keine Chance für AfD und Co.!

„Der Ruf unserer Stadt und insbesondere der Alten Zeche gGmbH leidet unter den geplanten Veranstaltungen der rechtsextremen AfD. Selbst wenn die Alte Zeche GmbH keine rechtlichen Möglichkeiten haben sollte, sich gegen die Anmietung zu wehren, wäre eine deutliche Distanzierung von den rechtsextremen Gästen möglich gewesen“, kritisiert Sybille Bruchmann-Busse das Verhalten der Verantwortlichen seitens der Alte Zeche gGmbH.

Geplant war, den „platten völkischen-nationalen Parolen“ eine große, bunte, vielfältige Demonstration und ein entschlossenes Eintreten für die Werte unseres Grundgesetzes entgegenzusetzen. Der Plan ist aufgegangen. Im Sinne von #Wirsindmehr und #unteilbar wurde klar gestellt, dass Barsinghausen kein „Gau-Land“ ist.

Kommentar

Wolf Kasse

Wolf Kasse

Der örtliche AfD-Vorsitzende ist mit dem Versuch, in Kirchdorfs altehrwürdiger Emma-Quelle ein nationales Tagungszentrum für seine Gesinnungsgenossen einzurichten, kläglich gescheitert. Das ist gut so. Dass die Vertreter dieser antidemokratischen Bewegung sich jetzt im nicht minder ehrwürdigen Zechensaal treffen können, das ist nicht gut. Da dreht sich mir der Magen um. Viele Menschen, die ich zeitlebens kenne – allen voran unser Ehrenbürger Dieter Lohmann – haben unglaublich viel Zeit, eigenes Geld und Energie investiert, um dieses Zeitzeugnis des Bergbaus mit neuem Leben zu füllen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie damit glücklich sind, wenn sie sehen müssen, wer sich jetzt dort breit macht. Ich bin es jedenfalls nicht.

Man konnte in den letzten Tagen lesen, dass man ja für eine Auslastung der Gastronomie im Zechensaal sorgen müsse. Sorry, was für ein dämliches Argument. Erst kürzlich feierte der Arbeiter-Samariter-Bund sein 50-jähriges Jubiläum im Zechensaal. Ich habe einen kleinen Teil zur Chronik beigetragen, die Wilhelm Müller hervorragend verfasst hat. Dort ist nachzulesen, wie der ASB in der NS-Zeit ausgehebelt und schließlich verboten wurde. Und jetzt tagt an gleicher Stelle die AfD?

Ich würde mir wünschen, dass die Verantwortlichen in der Stadtverwaltung jetzt endlich einmal aufwachen und in sich gehen. Vielleicht hilft ein Blick nach Bad Nenndorf, dort wurde der Widerstand gegen Rechts auf höchster Ebene gelobt und belohnt. Und gibt es da nicht auch ein Aufsichtsratsgremium für das Besucherbergwerk Barsinghausen? Vielleicht hilft ja mal ein Gespräch, um der Geschäftsführung den Rücken zu stärken, damit sie künftig solche „Anfragen“ getrost ablehnen kann. Das wäre gut.

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