• 10. Dezember 2018
Bürgerinitiative gegen geplante Flüchtlingsunterkunft gegründet

Bürgerinitiative gegen geplante Flüchtlingsunterkunft gegründet

Barsinghausen (wk). Es gibt Widerstand gegen die Planung einer Flüchtlingsunterkunft auf der „Pferdewiese“ an der Einsteinstraße in Kirchdorf. Die neu gegründete Bürgerinitiative „Gemeinsam in Barsinghausen“ hat die auf das Bau- und Planungsrecht spezialisierte Kanzlei „Rechtsanwälte Klemm & Partner“ beauftragt, für ihre Interessen einzutreten und ihre Forderungen gegenüber Politik und Verwaltung durchzusetzen.

„Gemeinsam in Barsinghausen“ ist nach eigenem Bekunden eine Initiative von Anwohnern, die in der Nähe der geplanten Flüchtlingsunterkunft lebt. „Unser Ziel ist es, mit unseren Forderungen zu einem langfristigen Gelingen der Flüchtlings-Integration in Barsinghausen beizutragen. Das von Politik und Verwaltung bisher vorgelebte Vorgehen halten wir nicht nur für undemokratisch, sondern sogar für schädlich, um eine vernünftige und belastbare Integration der verfolgten und zum Teil schwer traumatisierten Menschen in unserer schönen Stadt Barsinghausen zu ermöglichen. Wir wollen ein intensives und gelungenes Miteinander“, schreiben Renata-Anna Wacławski, Dr. Kathrin Hänsel und Ingo Heßner im Namen der Bürgerinitiative. Sie stellen fünf Forderungen auf:

Bürger einbeziehen: „Wir fordern eine Einbeziehung der Bürger während der Planung und Umsetzung des Vorhabens sowie eine transparente Informationspolitik. Bürger und Verwaltung müssen das Standortkonzept gemeinsam entwickeln. Die Flüchtlingsunterkunft muss mit der Struktur der Stadt Barsinghausen sozial vereinbar und gebietsverträglich sein. Dabei müssen neben den Belangen der Flüchtlinge auch die Belange der Anwohner und Familien in der Nachbarschaft Berücksichtigung finden“.

Reduzierung der Flüchtlingszahl: „Die vorgesehene Dimension der geplanten Flüchtlingsunterkunft mit bis zu zwei Etagen und 328 Flüchtlingen in Doppelbelegung führt zu einer zu starken Belastung des betroffenen Gebiets. Zum Vergleich: Im unmittelbar angrenzenden Neubaugebiet Am Buchenkampe leben gerade mal 60 Personen. Die Unterkunft würde in der vorgesehenen Größe eine unzumutbare Belastung für die unmittelbaren Anwohner aber auch für die Bewohner der Flüchtlingsunterkunft darstellen. Wir sprechen uns für eine dezentrale Unterbringung in kleinen, gebietsverträglichen und eine Integration ermöglichenden Einheiten aus“.

Entwicklung eines Integrationskonzepts: „Die Flüchtlinge müssen in einen intakten Stadtteil für naturnahes und familienorientiertes Wohnen integriert werden. Um dies zu gewährleisten, wollen wir sicherstellen, dass Hilfsbereitschaft gefördert und langfristig erhalten bleibt. Dazu müssen Politik und Verwaltung im Dialog mit den Bürgern ein Integrationskonzept für die Flüchtlinge entwickeln, das von den beteiligten Gruppen vor Ort getragen wird und Ansprechpartner auf allen Seiten benennt. Hierfür muss die Stadt Mittel bereitstellen. Zu einem solchen Integrationskonzept gehört auch, dass die gleichmäßige Verteilung der Flüchtlinge aufs Stadtgebiet ehrlich von Seiten der Stadt betrieben wird“.

Ausreichend Sozial- und Gemeinschaftsflächen: „Um Ghetto-Bildung zu vermeiden und die Lebensqualität der Bewohner zu gewährleisten, ist nicht nur eine Reduzierung der Flüchtlingszahl notwendig. Die Anlage muss eine lockere Struktur sowie ausreichende Sozial- und Gemeinschaftsflächen (für Sprachkurse und andere integrative Tätigkeiten) aufweisen. Unabdingbar ist ein gutes Quartiers-Management und eine ausreichende Anzahl an Sozialarbeitern, -pädagogen und sonstigen Betreuern vor Ort“.

Zeitliche Befristung und Plan zur Nachnutzung: „Schnelle Hilfe aufgrund der akuten Notlage ist für uns alle selbstverständlich. Die mittelfristige Nutzung muss jedoch auch die nachbarschaftlichen Belange berücksichtigen. Die langfristige Nutzung der geplanten Unterkunft muss unter Berücksichtigung der Bürgerrechte und Beteiligung der Bürger ermittelt werden. Wir verlangen eine klare Perspektive mit einer zeitlichen Befristung der Grundstücksnutzung als Flüchtlingsunterkunft. Außerdem fordern wir einen verbindlichen Plan zur Nachnutzung, der unter Einbeziehung der Bürger entwickelt wird“.

Abschließend erklären Renata-Anna Wacławski, Dr. Kathrin Hänsel und Ingo Heßner: „Wir treten dafür ein, dass unser Stadtteil für naturnahes, familienorientiertes Wohnen erhalten und behutsam entwickelt wird. Unser Ziel ist es, die Politik und Verwaltung bei der Findung integrationspolitisch sinnvoller und nachhaltiger sowie für die Nachbarschaft verträglicher Maßnahmen zur Flüchtlingsunterbringung zu unterstützen“.

B-Plan-Luftbild

Sammelunterkunft Einsteinstraße: Eine neue Bürgerinitiative will die Planung von Fachanwälten überprüfen lassen.

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