• 17. November 2018
Dr. Konstantin von Notz: „Snowden hatte Recht“

Dr. Konstantin von Notz: „Snowden hatte Recht“

Rotary-von-Notz

Dr. Konstantin von Notz: „Der Zug rollt und die Technik ist unaufhaltsam“.

Barsinghausen. George Orwells Roman-Vision einen Überwachungsstaates im Jahr „1984“ war eine Assoziation, an die sich Mitglieder und Gäste des Rotary-Clubs Bad Nenndorf erinnerten. Doch die technischen Möglichkeiten überträfen heute seine Ideen um Längen, meinte Dr. Konstantin von Notz in der Diskussion. Heute könne ein „guter Algorithmus“ so unglaublich viele Daten miteinander verbinden und entsprechend würden diese Daten genutzt.

Von Sabine Freitag

Der Bundestagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen und deren netzpolitischer Sprecher im Parlament war am Montag zu Gast als Redner des Rotary-Clubs im Sporthotel Fuchsbachtal und zeichnete zum einen die privatwirtschaftlichen Aspekte, aber auch die politischen Dimensionen der zunehmenden Digitalisierung nach. Mit dem Smartphone in der Tasche trage jeder und jede gleichzeitig auch eine Wanze mit sich herum – mit der ein komplettes Bewegungsprofil des Nutzers, der Nutzerin, erstellt werden könne. „Wie er zur Arbeit kommt, wo der Lebensmittelpunkt ist, wo er übernachtet und seine Freizeit verbringt. Wo ist der Nutzer, wo sind vielleicht andere mit ihm auf einer Veranstaltung, wie hier heute, wer geht mit wem nach Hause, all das kann nachvollzogen werden“, zeichnete er die „dunkle Seite“ der digitalen Welt nach.

Datenspuren, die jeder hinterlasse, werden zum Beispiel für gezielte Werbung genutzt. Mittlerweile könne die Kreditwürdigkeit eines Nutzers aufgrund seiner Freunde auf Facebook genauer ermittelt werden, als durch eine sogenannte Schufa-Auskunft. Neben diesen privatwirtschaftlichen Aspekten gäbe es die Diskussion um staatliche Überwachung. Er könne sich noch gut an eine Veranstaltung im Jahr 2011 erinnern, als ein Teilnehmer aufstand und Geschichten erzählte, die sich wie paranoide Verschwörungstheorien anhörten: Die Datenströme in Glasfaserkabeln im Atlantik würden von Atom-U-Booten der USA abgezapft. „Heute wissen wir – leider ist es so!“, erklärte von Notz. Edward Snowden habe diese Abhörmethoden enthüllt, damals mitten im Bundestagswahlkampf, als das Problem von der Bundesregierung eher „abmoderiert“ wurde. Konstantin von Notz sorgte seinerzeit dafür, dass dies der Bundesregierung möglichst schwer gemacht wurde.

Spannendes Thema: Interessiert und konzentriert hörten sich die Rotarier an, was Dr. Konstantin von Tnotz zum Thema Digitale Datenflut zu berichten hatte.

Spannendes Thema: Interessiert und konzentriert hörten sich die Rotarier an, was Dr. Konstantin von Notz zum Thema Digitale Datenflut zu berichten hatte.

Mittlerweile sei klar, dass Snowden Recht hatte und dass schon seit 2003 das Wissen vorhanden war über das Agieren der USA. Als Politiker gehe er pragmatisch an das Thema heran. „Von einer Verzichtsdiskussion rate ich ab. Der Zug rollt und die Technik ist unaufhaltsam. Aber wichtig ist eine Regulation und dass sich Bürgerinnen und Bürger und die Politik in einem gesellschaftlichen Konsens damit auseinandersetzen“, merkte er an. Es dürfe nicht sein, dass das Kommunikationsverhalten eingeschränkt werde, weil schon vor einer E-Mail zum Beispiel überlegt werde, wer diese vielleicht mitliest. „Wenn keine Regulierung kommt, dann geht die Freiheit verloren“, sagte er in seinem gut halbstündigen Vortrag, an den sich eine rege Diskussion anschloss. Von Notz war erstmals in Barsinghausen zu Gast – die Einladung an den Deister kam aufgrund einer Bekanntschaft mit Rotary-Mitglied Felix von Hantelmann zustande.

Der Rotary-Club Bad Nenndorf hat rund 50 Mitglieder im Einzugsgebiet zwischen dem Schaumburgischen und dem Calenberger Land. Präsident ist derzeit Heinz-Gerhard Wente.

Prominenter Gast beim Rotary Club Bad Nenndorf in Barsinghausen: Von links Felix von Hantelmann mit Dr. Konstantin von Notz und Rotary-Präsdient Heinz-Gerhard Wente. Fotos: Freitag

Prominenter Gast beim Rotary-Club Bad Nenndorf in Barsinghausen: Von links Felix von Hantelmann mit Dr. Konstantin von Notz und Rotary-Präsdient Heinz-Gerhard Wente. Fotos: Freitag

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