• 11. Dezember 2018
Guter Zweck: Schiffsverkauf soll Geld fürs Freibad bringen

Guter Zweck: Schiffsverkauf soll Geld fürs Freibad bringen

Großgoltern. Es war einmal… – so beginnen Märchen.  Oder aber Geschichten, die frühere Ereignisse erklären und neu aufrollen. Begründet durch erneute Aktualität. In diesem Fall geht es um ein weltweit bekanntes Schiffsmodell, das Ende der 1990er Jahre in Barsinghausen für Furore sorgte. Am 1. Mai 1999 feierte der Fischkutter „Cevic“ seine Taufe. Später galt das Schiff quasi als verschollen, jetzt steht es in einer Vitrine im Freibad Goltern.

Von Erk Bratke

Also, es war einmal ein örtlicher Verein, der sich mit dem Modellbau von Schiffen und U-Booten beschäftigte. Ebenso: Es war einmal das Freibad an der Wilhelm-Heß-Straße, wo eben jener „Schiffsmodellbau-Club Barsinghausen e.V.“ alljährlich zum internationalen U-Boot-Treffen einlud. Ein Event, das nicht nur das Interesse einheimischer Besucher auf sich zog, sondern auch überregional auf die Deisterstadt aufmerksam machte. Und es war einmal, genauer gesagt im Herbst 1993, als Eitel-Heinz Neumann aus Großgoltern anlässlich einer Modellbau-Präsentation auf Lothar Klebb traf. Das eher zufällige Treffen sollte weitreichende Züge annehmen.

Erste Präsentation: Eitel-Heinz Neumann und Lothar Klebb (vorn von rechts) hatten die Idee zum Nachbau der „Cevic“.

Erste Präsentation: Eitel-Heinz Neumann und Lothar Klebb (vorn von rechts) hatten die Idee zum Nachbau der „Cevic“.

Klebb war langjähriger Vorsitzender der hiesigen Schiffsmodellbauer und Neumann hauptberuflich im Außendienst bei einem weltweit agierenden Lifestyle-Pastillen-Produzenten mit Hauptsitz im mittelenglischen Fleetwood tätig. „Fisherman’s Friend wurde gelutscht und eine Idee geboren“, sagte Neumann seinerzeit. Mit der Idee war der Nachbau des legendären FF-Trawlers „Cevic“ gemeint, der plakativ die Bonbon-Tütchen des britischen Unternehmens zierte.

Eine Idee war geboren

Eine langwierige und phasenweise nervenaufreibende Planungsarbeit begann. „In vielen Wochen und Monaten wurden die Baupläne des FF-Logos besorgt. Die Marketingabteilung Deutschland und Europa-Manager David Body engagierten sich sehr und schalteten sogar die Inhaber-Familie ein“, erinnert sich Neumann. In natura gab es eine Serie der Fisherman’s-Schiffe, 15 Stück insgesamt. „Entstanden waren sie wohl um die Jahrhundertwende von 1900. Als wir die Idee zum Nachbau hatten, gab es aus Altersgründen kein Schiff mehr. Das letzte war irgendwo bei Argentinien untergegangen“, erzählt der ehemalige FF-Vertriebsleiter, der in der Deisterstadt vor allem auch als Förderer des Tennis- und Boule-Sports bekannt ist.

In Deutschland wurde durch Experten die Statik vervollständigt und um ein Vielfaches vergrößert, damit die Barsinghäuser Modellbauer maßstabsgerecht nachbauen konnten. „Die Idealisten gingen ans Werk, nicht ein einzelner, sondern eigentlich war der gesamte Verein beteiligt“, resümiert Neumann.

Das Heck: Die Namensgeber sind deutlich sichtbar.

Das Heck: Die Namensgeber sind deutlich sichtbar.

Große Mühe bereitete der Bau des Schiffsrumpfes, der zu seiner Zeit eine besondere Forma hatte und später so nicht wieder konstruiert wurde. Großes handwerkliches Geschick und langjährige Bootsbau-Erfahrung waren gefordert, um das ambitionierte Vorhaben zu bewerkstelligen. „3000 Stunden waren geplant, Pläne geschmiedet – auch nach der Fertigstellung, vom Stapellauf, der Abnahme des Hochsee-Schifffahrtspatent, Ausstellungen, praktische Demonstrationen in der Öffentlichkeit und dergleichen mehr“, bilanziert Neumann. Anfang 1995 war des Skelett des Rumpfes fertig gestellt.

Im Jahr 1996 nahm die „Cevic“ Formen an und ist wasserdicht. Im Maßstab 1:18,5 stellte sich ein stattliches Boot vor – Länge 2,09 Meter, Breite 40 Zentimeter, Gewicht 80 Kilogramm. Drei Autobatterien sollen für den Antrieb und den Sound sorgen, der einen Fischkutter nun mal umgibt (inklusive Motorgeräusche, Meeresrauschen und Möwengeschrei). Die örtlichen Medien begleiteten das Unternehmen von Beginn an. Eine erste Vorstellung sorgte auch für überregionales Interesse.

Vereinsinterne Streitigkeiten einerseits sowie die aufwendigen Detailarbeiten andererseits brachten den Terminplan arg durcheinander. Die handwerklichen Arbeiten für Aufbauten und Elektronik waren höchst aufwendig und zeitraubend. Über die geplanten 3000 Stunden sprach zu diesem Zeitpunkt niemand mehr. Ist es zu scharf, bist du zu schwach – passt da vielleicht ein Werbeslogan des größten englischen Bonbon-Exporteurs? Neumann erinnert sich: „1998 fast Stillstand in der Bauphase. Neue Motivation musste aufgetankt werden. Ende des Jahres kam wieder frischer Wind in das Projekt.“

Vielbeachteter Stapellauf

Abtauchen: Beim traditionellen U-Boot-Treffen der Barsinghäuser Schiffsmodellbauer war der FF-Trawler eher ein Exot.

Abtauchen: Beim traditionellen U-Boot-Treffen der Barsinghäuser Schiffsmodellbauer war der FF-Trawler eher ein Exot.

Am 1. Mai 1999 war es dann soweit: Anlässlich des 7. Internationalen U-Boot-Treffens des SMCB im ehemaligen Barsinghäuser Freibad wurde der über zwei Meter lang Trawler getauft und zu Wasser gelassen. Unter den 130 Ausstellern aus Holland, Belgien, Dänemark, Frankreich und dem gesamten Bundesgebiet ist die „Cevic“ ein Exot, aber der Blickfang schlechthin. Die heimische Presse tituliert damals wie folgt: „Fischkutter sticht nach vier Jahren Bauzeit in See“ oder „Cevic-Modell mit Champagner getauft“ oder „Vielbeachteter Stapellauf des Fischkutters Cevic“.

Bis ins Jahr 2002 reicht die Recherche von Eitel-Heinz Neumann zurück. Der Trawler sei damals ziemlich komplett gewesen. Beim zehnjährigen U-Boot-Treffen ist der FF-Trawler wieder am Start und sorgt abermals für besondere Aufmerksamkeit. Bis dato damals: Fast 3.850 Arbeitsstunden und Materialkosten in Höhe von fast 6.400 Euro. Mittlerweile war auch ein schwerer Acryl-Schaukasten angeschafft worden.

Rückblickend sagt Eitel-Heinz Neumann: „Das Ganze ist eine einmalige Geschichte, eine Sensation.“ Auffällig dabei: Die Eigentumsfrage sei laut Neumann nie so richtig geklärt worden. Bemerkenswert ist zudem die Folgezeit, in der die „Cevic“ so gut wie verschollen galt. „Eigentlich hat sich niemand mehr so recht drum gekümmert“, sagt Neumann heute.

Vor einigen Jahren führte wiederum ein zufälliges Treffen dazu, dass der Fischkutter wieder Land sah. Das Freibad an der Wilhelm-Heß-Straße war mittlerweile Geschichte. Der ehemalige Schwimmmeister Gustav Ricke (†) hatte den Trawler im eigenen Keller gelagert und traf auf Otto Thüler, Betriebsleiter beim Förderverein Freibad Goltern.

Im Freibad Goltern ausgestellt

Aktiov für das Freibad: Eitel-Heinz Neumann (links) und Otto Thüler bemühen sich um die Vermarktung der „Cevic“.

Aktiv für das Freibad: Eitel-Heinz Neumann (links) und Otto Thüler bemühen sich um die Vermarktung der „Cevic“.

Auf kurzem Dienstweg fand die „Cevic“ eine neue Heimat im Golterner Freibad, ausgestellt in der Acryl-Vitrine direkt am Eingang. Das liegt schon wieder einige Jahre zurück. „Aktiv war der Fischkutter noch einmal im Jahr 2013 bei einem Treffen von Schiffsmodellbauern bei uns im Bad“, erinnert sich Thüler. Besonders Kinder seien von dem ausgestellten Schiff begeistert, weiß der Betriebsleiter. Zwischenzeitlich habe sich ein Besucher aus Sachsen für den Kauf der „Cevic“ interessiert und 15.000 Euro geboten. „Ich war nicht vor Ort, aber das hat man mir jedenfalls erzählt“, sagt Otto Thüler.

Seemannsgarn? „Egal“, sagt Eitel-Heinz Neumann, „wichtig wäre doch, das Schiff zu vermarkten oder gegebenenfalls zu verkaufen.“ Dafür will er sich einsetzen. „Es ist doch bekannt, dass das Freibad in Goltern jeden Euro gebrauchen kann.“ Derzeit ist der ehemalige Vertriebsleiter auf der Suche nach einem geeigneten Weg der Vermarktung für den guten Zweck.

In natura: Der Fischkutter „Cevic“ auf hoher See. Der Nachbau aus Barsinghausen soll zugunsten des Freibades in Goltern vermarktet werden. Fotos: Bratke/privat

In natura: Der Fischkutter „Cevic“ auf hoher See. Der Nachbau aus Barsinghausen soll zugunsten des Freibades in Goltern vermarktet werden. Fotos: Bratke/privat

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