• 22. November 2018
Stadtmarketing 2015 – wohin führt der Weg?

Stadtmarketing 2015 – wohin führt der Weg?

Barsinghausen. Auf Einladung der Stadt Barsinghausen haben der Verein Unser Barsinghausen und die CIMA Beratung & Management GmbH aus Lübeck erste Ergebnisse der Bürgerumfrage und des neuen Einzelhandelskonzeptes vorgestellt. Rund 20 Geschäftsleute waren der Einladung in den ASB-Bahnhof gefolgt.

Von Wolf Kasse

Annette Stang vom Fachdienst Planen und Bauen ist in der Stadtverwaltung auch für den Einzelhandel zuständig. Sie begrüßte die Gäste und gab das Wort an Thomas Böhm, der im Auftrag des Vereins Unser Barsinghausen im Frühjahr die große Bürgerumfrage des Vereins auf den Weg gebracht hat. Böhm berichtete von einer positiven Teilnehmerresonanz. 1.310 Bürgerinnen und Bürger machten bei der Umfrage mit, immerhin 1.100 beantworteten alle Fragen. „Das entspricht einer Quote von 4,5 bis 5 Prozent, damit können wir sehr zufrieden sein“, sagte Böhm. Er stellte einige Ergebnisse aus der Umfrage vor, so verwies er beispielsweise darauf, dass sich insbesondere bei der jüngeren Generation das Internet als bevorzugte Informationsquelle darstellt. „53 Prozent der Befragten informieren sich online, unter anderem über soziale Medien“, stellte Böhm fest. Während sich die Befragten mit der Parkplatzsituation grundsätzlich zufrieden zeigten, wurde in der Diskussion einmal mehr ein besseres Parkleitsystem gefordert. Das sei vor allem für auswärtige Besucher der Stadt wichtig, hieß es.

Die Komplettsanierung der Fußgängerzone hat nicht zu einer höheren Zufriedenheit geführt. 45 Prozent der Umfrageteilnehmer bemängelten die Einkaufsatmosphäre. Netter, bunter und gemütlicher, so lauteten die Wünsche. Als Beispiel wurde vielfach die Wunstorfer Innenstadt angeführt. Auch die Identität sei nicht ausreichend definiert. Die Barsinghäuser Fußgängerzone unterscheide sich nach dem Umbau nicht sehr von vielen anderen. „Wir müssen mehr praktischen und emotionalen Nutzen schaffen“, schlussfolgerte Böhm.

Als negativ empfanden viele Umfrageteilnehmer den Leerstand und vor allem das City-Center. Hier rief Böhm dazu auf, ein effektives Leerstandsmanagement zu schaffen. Schlechte Noten gab es auch für die zur Verfügung stehende Produktauswahl. 60 Prozent der Befragten vergaben hier die Schulnote „4“ und schlechter. Am meisten vermisst werden Haushaltswaren, Bekleidung und Elektroartikel in ansprechender Auswahl. Zudem wünschen sich viele Barsinghäuser wieder „mehr Geschäfte mit Persönlichkeit“ – als Beispiele wurden Frehe Haushaltswaren (Geschäftsaufgabe) und Kason Geschenkartikel (nach Wennigsen abgewandert) genannt. Gewünscht werden aber auf der anderen Seite auch mehr moderne Läden wie etwa H & M im Bekleidungsbereich oder Mediamarkt/Saturn im Bereich Elektro/Unterhaltung.

Auf der Wunschliste stehen – wie schon seit vielen Jahren – einheitliche Öffnungszeiten, gerne am Samstag auch länger. Bei rund 8.000 Auspendlern, die nicht in Barsinghausen arbeiten, verwundert dies wenig. Nach den Erhebungen des Vereins Unser Barsinghausen kommt Barsinghausen aktuell auf eine Kaufkraft von 71,6 Prozent. Wennigsen landet demnach bei 64,9 Prozent, Wunstorf hingegen bei stolzen 101,9 Prozent.

Böhm rief dazu auf, eine neue Arbeitsgruppe zum Thema City-Management zu gründen. Interessierte können sich per E-Mail an koordination@unser-barsinghausen.de wenden.

Das Einzelhandelskonzept

Eine Vielzahl an Daten haben die Mitarbeiter der CIMA Beratung & Management GmbH im Auftrag der Stadt Barsinghausen erhoben, um das zuletzt 2008 erstellte Einzelhandelskonzept auf den neuesten Stand zu bringen. CIMA-Mitarbeiter Jan Weckenbrock nannte wesentliche Daten. So komme Barsinghausen mit einem ermittelten Kaufkraftindex von 101,3 lediglich auf einen Platz im unteren Bereich des Umlandes und der Region Hannover. Aktuell gibt es 184 Einzelhandelsbetriebe im Stadtgebiet. Die machen auf einer Verkaufsfläche von 55.065 Quadratmetern einen Umsatz von 180,9 Millionen Euro im Jahr. Allerdings machen die Statistiker bei den 33.875 Einwohnerinnen und Einwohnern ein Nachfragepotenzial von zusätzlichen 194,4 Millionen Euro aus. Umsatz, der im Zweifelsfall woanders ausgegeben wird. Ein sehr hoher Kaufkraftabfluss wird für den Bereich Elektroartikel/Unterhaltungselektronik diagnostiziert.

Die CIMA-Fachleute ziehen ein Fazit, das zu denken gibt: „Die Stadt Barsinghausen kann ihrer Versorgungsaufgabe als Mittelzentrum nicht in allen Bereichen nachkommen“. Hier gilt es also anzusetzen. „Mit der Gründung des Vereins Unser Barsinghausen wurde die Grundlage für ein Stadtmarketing geschaffen“, sagt Tobias Fischer, Fachbereichsleiter Bau der Stadtverwaltung. Jetzt gilt es, Ideen zu sammeln und ein umsetzbares Konzept zu erstellen. Hendrik Mordfeld, 1. Vorsitzender des Vereins Unser Barsinghausen, sagt dazu: „Die Ergebnisse der Umfrage sind bestens geeignet als Grundlage und Auftrag für die künftige Arbeit unseres Vereins. Dabei liegt unser Augenmerk besonders auf den Verbesserungshinweisen, um eventuelle Schwächen zu erkennen und zu verbessern. Für die Marketingarbeit sind aber die positiven Anmerkungen ebenso wertvoll, damit die Stärken Barsinghausens künftig offensiver vermarktet werden können“.

Mordfeld kündigte an, dass es in Kürze weitere Daten aus der Befragung geben werde, so auch zu den „besonders positiven Ergebnissen aus den Gewerbegebieten“ und zur speziellen Situation der Ortsteile. Außerdem sei die Auswertung zum Image von Barsinghausen als Wohnstandort gerade in der letzten Phase.

weitere Artikel