• 19. Juni 2018
Stadtsparkasse hält im Zinstief den Kopf oben

Stadtsparkasse hält im Zinstief den Kopf oben

Barsinghausen. Was fängt man an mit bescheidenen 33 Talern und 15 Groschen Preußische Courant? Man kann damit zum Beispiel eine Sparkasse gründen. So geschehen Anno 1866, als Rektor Wilhelm Stedler am 23. Juli erstmals die Tür zum „Geschäfts-Local der Spar-Casse“ in der Landgemeinde Barsinghausen aufschloss. Da war gerade der Kanonendonner auf dem Schlachtfeld von Langensalza verstummt. Seine erste Kundin ließ nicht lange auf sich warten, so erhielt Adele Culemann im Sparbuch Nr. 1 einen Taler gutgeschrieben. Was vor nunmehr 149 Jahren begann, das hat sich bis heute bewährt. Zwei Weltkriege und ungezählte wirtschaftliche Auf- und Abschwünge sind vergangen, doch das heute als Stadtsparkasse Barsinghausen firmierende Geldinstitut – übriges vor Bad Sachsa die zweitkleinste niedersächsische Sparkasse – konnte sich behaupten. Aus dem kleinen Anfangskapital sind rund 26 Millionen Euro bilanzielles Eigenkapital geworden. Die Bilanzsumme für 2014 beläuft sich auf rund 325 Millionen Euro.

Von Wolf Kasse

Aktuell sehen sich die Sparkassen ebenso wie die Volks- und Raiffeisenbanken vor großen Herausforderungen. „Wenn Sparkassen ums Überleben kämpfen“, titelte Anfang der Woche der Stern mit Blick auf die anhaltend niedrigen Zinsen. Die Rede ist von zu teuren Filialnetzen und erhöhtem Druck durch die neue Konkurrenz aus dem Internet. Auch die FAZ schreibt von mageren Zinsen, vorgegeben durch die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Anders als beispielsweise die Deutsche Bank hätten die Sparkassen mit ihren regionalen Kreditinstituten keine weiteren Einnahmen durch andere Geschäftsbereiche, um Ausfälle zu kompensieren. Bis zu 80 Prozent würden die Sparkassen vom sogenannten Zinsüberschuss abhängen – das seien die Einnahmen, die beispielsweise durch Kredite in die Kassen fließen. Doch diese Einnahmen würden schrumpfen, so die FAZ. „Die kippen nicht gleich um wie die Fliegen. Aber von 2018 an wird es ganz massive Probleme geben“, zitiert die FAZ den Stuttgarter Bankenprofessor Hans-Peter Burghof. Indes sagt Georg Fahrenschon, Präsident des Sparkassen- und Giroverbandes: „Wir stehen sicher und stabil in den einzelnen Märkten“.

Vorstandstrio: Von links Uwe Borsum, Britta A. Sander und Vorsitzender Reinhard Meyer. foto:kasse

Vorstandstrio: Von links Uwe Borsum, Britta A. Sander und Vorsitzender Reinhard Meyer. foto:kasse

Und wie sieht das nun in der Stadtsparkasse Barsinghausen aus? „Angesichts der Niedrigzinsphase und den stetig steigenden Regulierungsauflagen haben wir uns für ein Haus unserer Größe beachtlich geschlagen“, fasst Vorstandsvorsitzender Reinhard Meyer die Bilanz des Jahres 2014 zusammen. Wobei die Wortwahl „geschlagen“ schon deutlich darauf hindeutet, dass die Zeiten nicht leicht sind. Den Erfolg, der in einen Jahresüberschuss von 400.000 Euro mündet, schreiben Meyer und seine Vorstandskollegen Britta A. Sander und Uwe Borsum den rund 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadtsparkasse zu, die sich mitunter weit über das normale Maß hinaus engagiert haben.

Ständig neue Regularien

„Es gibt ständig neue Meldevorschriften“, berichtet Britta A. Sander. Um diese zu erfüllen, müssen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Mehrarbeit bewältigen, denn freigestellt wird dafür niemand. Erschwerend kommt hinzu, dass mittlerweile nahezu alles auf Englisch abläuft. „Das macht es nicht einfacher, viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bilden sich privat entsprechend fort, um den Anforderungen gerecht zu werden“, so Sander. Hinzu kommt noch, dass oftmals Änderungen buchstäblich in letzter Minute kommen – da ist Stress vorprogrammiert. Und ein Ende der Regulierungswut auf europäischer Ebene ist derzeit nicht abzusehen. „Diese vielen Regularien binden viel Mitarbeiterzeit und damit auch Geld, und das wird auch künftig so sein“, sagt Reinhard Meyer.

Neue Kontomodelle werden eingeführt

Neben der normalen täglichen Arbeit hat die Einführung neuer Kontomodelle die Sparkassenmitarbeiter auf Trab gehalten. In diesen Tagen bekommen alle Kunden des Geldinstituts Post. Bis zum 1. April sollen alle Privat- und Geschäftskonten auf die neuen Modelle umgeleitet werden. Zuletzt wurden die Kontomodelle 1993 (Geschäftskonten) beziehungsweise 2001 verändert, seither hat sich einiges getan. „Vor dem Hintergrund der vielen Neuerungen haben wir unsere Kontomodelle dem veränderten Nutzungsverhalten unserer Kunden angepasst“, sagt Reinhard Meyer. Bei den Geschäftskonten werden die Preise gerundet, um von den Cent-Beträgen wegzukommen. Wesentliche Veränderungen gibt es indes bei den privaten Girokonten. Hier können die Kunden unter drei verschiedenen Modellen wählen, das günstigste Giro Flex startet bereits bei 1 Euro Kontoführungsgebühr, das Basis-Modell gibt es ab 6 Euro monatlich und das Giro Premium – eine Art Flatrate-Konto, beinhaltet für 10 Euro im Monat praktisch alles inklusive. Speziell für junge Menschen bis 18 Jahre gibt es das Giro Start zum Nulltarif. Schüler, Azubis, Studenten sowie Wehr- und Zivildienstleistende können das kostenlose Konto sogar bis zum 27. Geburtstag nutzen.

Hauptstelle: Modernisierung wird fortgeführt

 

Modernisierung nach rund 30 Jahren: Die Hauptstelle wird punktuell aufgerüstet.

Modernisierung nach rund 30 Jahren: Die Hauptstelle wird punktuell aufgerüstet.

An die Handwerker im Haus mussten sich die Mitarbeiter in der Hauptstelle Deisterstraße 1a in den letzten Monaten gewöhnen. Sanitäranlagen, der Sitzungsbereich und die Tagungstechnik wurden erneuert. Immerhin knapp 30 Jahre lang hat die Infrastruktur gute Dienste geleistet, doch nun wurde es Zeit für punktuelle Modernisierungen. Die sind noch nicht abgeschlossen und werden in diesem Jahr fortgesetzt. Gemäß ihres ureigenen Auftrags, nämlich die Unterstützung der heimischen Wirtschaft, sollen dabei wieder vorzugsweise örtliche Firmen von der Auftragsvergabe profitieren.

Ertragslage leidet unter rückläufiger Zinsmarge

Wenn das Vorstandstrio der Stadtsparkasse von einem stabilen Wachstum trotz anhaltender Niedrigzinsphase spricht, dann ist damit gemeint, dass der Vorjahresüberschuss von 400.000 Euro auch im letzten Jahr erzielt werden konnte. „Darüber sind wir stolz und zufrieden“, sagt Vorstandsmitglied Britta A. Sander. Dass der Gewinn trotz eines stabilen Wachstums in fast allen Geschäftsbereichen nicht höher ausgefallen ist, führt Sander hauptsächlich auf zwei Punkte zurück. Einerseits habe das anhaltend niedrige Zinsniveau zu einem Rückgang des Zinsüberschusses von 9 Prozent auf 8,5 Millionen Euro geführt – das sind immerhin 765.000 Euro weniger -,  andererseits mussten die allgemeinen Preissteigerungen, zum Beispiel die Tariferhöhungen im Personalkostenbereich, aufgefangen werden. „Auch eine kaufmännisch vorsichtige und vorausschauende Kreditpolitik gewinnt vor diesem Hintergrund an Bedeutung“, so Sander. Der Vorstand der Stadtsparkasse wird, auch mit Blick auf die gestiegenen Anforderungen an die Eigenkapitalausstattung der Kreditinstitute, dem Verwaltungsrat vorschlagen, den Jahresüberschuss komplett in das Eigenkapital einfließen zu lassen. Die endgültige Bilanz soll dem Verwaltungsrat am 31. März vorgelegt werden.

Während die Bilanzsumme, die 2014 um 1,9 Prozent auf 325 Millionen Euro gesteigert werden konnte, relativ wenig aussagt, ist die Summe des bilanziellen Eigenkapitals eine wichtige Kenngröße. Für 2014 gibt die Stadtsparkasse ein Eigenkapital von rund 26 Millionen Euro an. Da dieses Polster entscheidend ist für die Höhe, in der Kredite vergeben werden dürfen, stärkt jede Aufstockung auch die Möglichkeiten, neue Geschäfte zu machen.

Firmen haben investiert

Das Kreditvolumen der Stadtsparkasse ist im letzten Jahr um 0,3 Prozent (-741.000 Euro) auf 247 Millionen Euro geschrumpft. Uwe Borsum, Vorstandsmitglied und Chef der Unternehmens- und Firmenkundenbetreuung der Stadtsparkasse, spricht von einer lebhaften Kreditnachfrage, die das Jahr 2014 geprägt habe. So seien die Darlehenszusagen um 38 Prozent auf 16,8 Millionen Euro gestiegen. Schwerpunkte waren der private Wohnungsbau mit 6,5 Millionen Euro und die gewerblichen Kredite mit 8,2 Millionen Euro. „Die Barsinghäuser Firmenkunden und Unternehmen haben das Zinsniveau für Investitionen genutzt. Andererseits hat die gute Liquiditätslage zu vermehrten Sondertilgungen geführt“, stellt Borsum fest. In der Summe sei der Gesamtbestand der Kredite mit 247 Millionen Euro „nahezu gleich“ geblieben.

Seit 2011 arbeitet die Stadtsparkasse mit dem externen Partner S-Kredit zusammen. Die GmbH, eine Tochtergesellschaft der Sparkassen, ist spezialisiert auf Konsumgüter- und Kfz-Finanzierungen. Vielen Kunden sei gar nicht bewusst gewesen, dass die Stadtsparkasse auch Kraftfahrzeuge finanziere, so Vorstandschef Reinhard Meyer. Mit dem Vermittlungsvolumen von rund 2,4 Millionen Euro über die S-Kredit sei man sehr zufrieden. „In den vergangenen Jahren vor 2011 ist dieses Geschäft zu großen Teilen an uns vorbei gegangen“, meint Meyer.

Einlagegeschäft legt zu – Absage an Negativzinsen

Das Einlagevolumen der Stadtsparkasse ist um 2,3 Prozent auf 253 Millionen Euro gestiegen, das ist ein Plus von 5,819 Millionen Euro. Der Zuwachs kommt fast ausschließlich aus dem Tagesgeldgeschäft. „Angesichts der Zinssituation nicht verwunderlich“, so Reinhard Meyer. „Aber wir sehen das als großen Vertrauensbeweis unserer Kunden. Daher kommt es für uns auch nicht in Frage, Negativzinsen zu berechnen“, sagt Meyer mit Blick auf die Zinsentwicklung. Längerfristige Anlagen haben im Moment eher schlechte Karten, so fand etwa ein SAparkassenbrief, der im letzten Jahr mit immerhin 2 Prozent Zinsen aufgelegt wurde, nur eine „sehr überschaubare Nachfrage“. Gleichwohl verweist Meyer auf die wachsende Notwendigkeit der privaten Altersvorsorge. Sie sei das Fundament für eine gute Zukunft – ungeachtet der niedrigen Zinsen. Als Alternativanlage empfiehlt das Vorstandstrio unisonen eine Geldanlage in Wertpapiere oder Investmentfonds.

Verbund bringt Gewinn

Während die Zusammenarbeit mit der S-Kreditpartner GmbH noch relativ jung ist, arbeitet die Stadtsparkasse bereits seit vielen Jahren eng mit der DEKA, der LBS und der VGH zusammen. Das ermöglicht einen ganzheitlichen Beratungsansatz, von dem die Kunden profitieren können. Dieser Verbundgedanke funktioniert, so konnte beispielsweise im letzten Jahr die Summe der vermittelten LBS-Bausparverträge auf 9,1 Millionen Euro fast verdoppelt werden. „Der Bauspargedanke lebt auch in Zeiten niedriger Zinsen“, stellt Britta A. Sander fest. Dabei habe das Riester-Bausparen einen hohen Anteil. Auch die Zusammenarbeit mit der VGH zahlt sich für die Stadtsparkasse aus. Mehr als 2.500 Kunden sichern ihre Lebensrisiken mit VGH-Produkten ab. Im Schnitt habe jeder Kunde zwei Versicherungen. „Mit unserer eigenen VGH-Agentur sind wir für nahezu alle Fragen der erste Ansprechpartner unserer Kunden. Für Fragen, die wir nicht sofort klären können, stehen uns die Experten der VGH-Regionaldirektion zur Verfügung“, ergänzt Uwe Borsum. Positiv entwickelt hat sich zudem der Investmentbereich. Sparkassenkunden haben ein Volumen von rund 35 Millionen Euro bei der DEKA angelegt. Das entspricht einem Zuwachs von 7,6 Prozent (2,5 Millionen Euro).

Engagierte Förderung des Gemeinwohls

Vom ersten Tag an war und ist das Geschäftsmodell der Stadtsparkasse auf das Gemeinwohl ausgerichtet. Daran hat sich seit 1866 nichts geändert. Auch wenn der Jahresüberschuss von 400.000 Euro in die Rücklage einfließen soll, heißt das nicht, dass das schon alles war. Denn die Stadtsparkasse ist der größte Förderer im sozialen, kulturellen und sportlichen Bereich in der Deisterstadt. So wurden durch die Stadtsparkasse beziehungsweise die hauseigene Stiftung im letzten Jahr knapp 134.000 Euro an Spenden und Sponsorengelder ausgezahlt beziehungsweise zugesagt.

Unterstützung für das Freibad Goltern: 10.000 Euro spendierte die Stadtsparkasse für die neue Filteranlage.

Unterstützung für das Freibad Goltern: 10.000 Euro spendierte die Stadtsparkasse für die neue Filteranlage.

Das Freibad Goltern wurde beispielsweise mit 10.000 Euro für einen neue Filteranlage unterstützt. Zwei Spielplätze erhielten 7.000 Euro für neue Spielgeräte. 5.000 Euro investierte die Stadtsparkasse in die Digitalisierung des historischen Archivs der eingestellten Deister-Leine-Zeitung. Der Verein Calenberger Cultour & Co. erhielt 4.000 Euro für die Restaurierung eines Steinway-Flügels. Unterm Strich profitierten 69 verschiedene Empfänger von der Förderung der Stadtsparkasse (51.240 Euro für Soziales, 32.806 Euro für den Sport, 29.753 Euro für Kunst und Kultur sowie 19.779 Euro für Sonstiges). Auch in diesem Jahr werden wieder viele Institutionen auf eine Förderung durch die Stadtsparkasse bauen können.

Keine große Feier zum 150. Geburtstag

Bis zum 150. Geburtstag der Stadtsparkasse ist es noch knapp eineinhalb Jahre hin. „Wir haben mit der Umstellung unserer Konten und den vielen Bauarbeiten bislang gut zu tun gehabt“, sagt Marketingleiter Martin Wildhagen. Detailplanungen zum Jubiläumsjahr gibt es deshalb noch nicht. In den nächsten Wochen und Monaten wird sich ein Organisationsteam mit dem Thema befassen. Eine große Feier sei bislang allerdings nicht geplant, so Wildhagen.

SSK-Bilanz-8-Buchcover1966, zum 100-jährigen Bestehen der „Gemeindesparkasse zu Barsinghausen“, gaben die seinerzeit Verantwortlichen ein Buch heraus, das die Geschichte der ersten 100 Jahre dokumentierte. „Die Geschichte der Gemeindesparkasse zu Barsinghausen ist mit der Geschichte der Gemeinde Barsinghausen eng verbunden“, schrieb damals Bürgermeister Walter Theil ins Vorwort zu dem von Hans-Helmut Marquardt verfassten Werk. 25 Jahre später erschien im November 1991 eine komprimierte Neuauflage unter dem Titel „Sparkassengeschichte ist auch Stadtgeschichte“, verfasst von Andreas Kannegießer, Helmut Steinert und dem Autor dieser Zeilen. Darüber hinaus machte die Stadtsparkasse Barsinghausen der Stadt Barsinghausen ein besonderes Geschenk. Sie beauftragte die Fachleute der Nord / LB damit, ein Wirtschaftsgutachten für Barsinghausen zu erstellen. Auf 188 Seiten erstellten Projektleiter Dr. Sonning Bredemeier und Dipl.-Ökonom Arno Brandt eine umfassende Analyse.

Geburtstagsgeschenk: Vorstellung des Wirtschaftsgutachtens 1991. foto:kasse

Geburtstagsgeschenk: Vorstellung des Wirtschaftsgutachtens 1991. foto:kasse

 

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