• 23. Oktober 2018

Schwimmen mit Elefanten von Yoko Ogawa (Liebeskind 2014)

Nachdem die Autorin Yoko Ogawa in ihrem Roman „Das Geheimnis der Eulerschen Formel“ eine wunderschöne Geschichte um das Kernthema Zahlen und Mathematik herum erzählte, dreht sich hier alles um den Zauber des Schachspiels.

Von Regine Hahne

Schwimmen-mit-ElefantenEin kleiner japanischer Junge, der mit seinem Bruder bei den Großeltern aufwächst, ist die Hauptperson des Romans. Der Junge, der einsam ist und durch eine frühe Lippenoperation leicht entstellt, lernt einen ehemaligen Busfahrer kennen, der in einem ausrangierten Bus lebt. Dieser Mann wird sein erster lebender Freund und weiht ihn in die Geheimnisse des Schachs ein – und entdeckt sofort das außergewöhnliche Talent des Jungen. Nicht nur, dass er sehr schnell die Regeln begreift, sondern er ist auch zugänglich für den Zauber dieses Spiels. „Für ihn ging es nie darum, den König des Gegners in die Enge zu treiben, sondern die Schönheit des Spiels zu genießen. Denn die Gabe, in einzelnen Schachzügen die Klangfarbe einer Violine zu erkennen oder das Spektrum des Regenbogens (…) ist etwas anderes, als bloß eine Partie zu gewinnen.“ (S. 39 f.)

Es ist kaum möglich, den Inhalt des Buches kurz und knapp wiederzugeben, ohne den Roman skurril wirken zu lassen. Zum Beispiel spielt der Junge am Besten, wenn er unter einem Tisch sitzt. Er wird daher viele Jahre in einem Schachautomaten im Kellergeschoss eines Hotels verbringen und die Spielzüge der Gegner nur am Geräusch der Figuren auf dem Schachbrett erkennen. Dabei wird er unterstützt von einem Mädchen, dem eine Taube auf der Schulter sitzt und die er aus einem Häuserspalt zu kennen glaubt, in dem sie bis dahin lebte…
Ich empfehle jedem Leser von etwas außergewöhnlichen und stilleren Romanen, sich auf dieses Taschenbuch einzulassen – es lohnt sich!

ISBN 9783746630809, Preis: 19,80 €

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