VHS-Calenberger-Land
  • 25. Februar 2018
Debütanten, alte Hasen und Ikonen: Neue Silberlinge im Januar/Febuar

Debütanten, alte Hasen und Ikonen: Neue Silberlinge im Januar/Febuar

Nach der schon typischen Veröffentlichungsflut zum Weihnachtsfest kommt das neue Jahr in Sachen CD-Neuerscheinungen eher mäßig in Schwung. Aber das ist aus den Vorjahren ja bekannt und dürfte zweifellos etwas mit Verkaufsstrategien zu tun haben. Dennoch wird man auf der Suche nach einigen Tipps für neue Silberlinge im Zeitraum Ende Januar/Anfang Februar fündig.

Von Erk Bratke

Honeytruck / „Decision“ (oomoxx media): Debütanten – immer gern genommen. Noch besser, wenn die Protagonisten aus Niedersachsen kommen. Also…die Female-Fronted-Rockband (Titelfoto oben) kommt aus Wildeshausen/Landkreis Oldenburg und steht nach eigenen Angaben für einen groovenden Mix aus Hardrock, Punk und Metal. Ganz klar, Mucke für die härtere Fraktion. Vier Jungs und ein Mädchen, die sich durch Bands wie Alter Bridge und Rise Against beeinflusst sehen.

An den Saiteninstrumenten liefern die Gitarristen Immanuel Schulze und Sebastian Twele mal melodiöse, mal rifflastige Klänge. Hinzu kommt Bassist Burn Hard (Bernd Spille), der sowohl harten als auch soften Groove drauf hat. Am Schlagzeug wechselt Niko Klerings zwischen Brachialgewalt und Begleitung. Im Vordergrund steht zweifellos das kräftige und rauchige Organ von Angelika Stelter, das an die Stimmgewalt ähnlicher Acts wie besispielsweise Guano Apes oder Die Happy erinnert und für gefühlsvolle Härte sorgt.

Ihre erste EP „Strong“ brachten die „Honneytrucks“ 2015 heraus, ein Jahr später folgten die Online-Singles „Hallucination“ und „Safe, Sane, Consensual“, die jetzt auch auf dem am 23. Februar erscheinenden Debut-Album „Decision“ zu hören sein werden. Nach einem atmosphärischen Intro folgen 13 Tracks, die druckvoll geradeaus gehen. Als kleine Verschnaufpause gibt’s zwischendurch die Heavy-Ballade „Lost In Memories“. Nach mehr als 40 Konzerten in Clubs und auf Festivals im Bereich Niedersachsen, Hamburg und Bremen nimmt sich die Band quasi einen ihrer Songs als Motto für 2018: Frei nach dem Titel „On The Fast Lane“ will die Band auf der Überholspur fahren, sich einen Namen machen und aus unserem Bundesland heraus ganz Deutschland erobern. Warum nicht? Daumen drücken!

Am 24. Februar gibt’s im heimischen Wildeshausen (Kayserhaus) die CD-Release Party. Im Rahmen der anschließenden Tour steht auch ein Gastspiel in Hannover an, und zwar 7. April im Musiktheater Bad. Hier gibt’s schon mal ein erstes Video:

Leyya / „Sauna“ (Las Vegas Records / Universal Music): Der Albumtitel macht neugierig, kann aber nach dem einmaligen Durchlauf im CD-Player nicht konkret erklärt werden. Sauna – Musik für das Wellnessdate? Hm, mag sein, kann aber nur subjektiv beurteilt werden. Leyya ist ein Musikerduo, bestehend aus Sophie Lindinger (Gesang, Syntheziser, Samples) und Marco Kleebauer (Gitarre, Syntheziser). Beide haben ihre Wurzeln in einer ländlich gelegenen oberösterreichischen Kleinstadt namens Elferding. Dort gab’s natürlich nicht die geeigneten Entwicklungschancen für moderne Musik. Ergo erfolgte 2013 der Umzug nach Wien, um den Traum einer Musikerkarriere zu verwirklichen.

Vom Land in die Stadt: Sophie Lindinger und Marco Kleebauer sind Leyya und angesagte Newcomer. Foto: Meyrem-Bulucek

Vom Land in die Stadt: Sophie Lindinger und Marco Kleebauer sind Leyya und angesagte Newcomer. Foto: Meyrem-Bulucek

Der 23-jährige Kleebauer stieg tief in die Welt der Trommeln, skurrilen Geräusche, Effekte und Produktion ein (ohne dabei seine frühe Faszination für die Beatles zu vergessen) und kann gar einen Abschluss am Wiener Konservatorium vorzeigen. Lindinger (25) ergatterte einen der begehrten Plätze im Red Bull Music Academy Bass Camp (Wien 2015), perfektionierte ihre Schreib- und Gesangskunst sowie Producing-Fähigkeiten. Frühe Demos brachten den Beiden die gewünschte Aufmerksamkeit. Gelegen war ihnen an einem „einzigartigen Sound am Rande des Zeitgeistes“. International wurde es im Frühjahr 2015 mit dem Release von „Superego“ – die Folgen: europaweite Radioplays, Blog-Hype und die Platzierung der Musik im TV, Film und der Werbung, was wiederum Einladungen zu großen europäischen Festivals nach sich zog.

Zwei weitere Veröffentlichungen folgten. Leyya avancierten zu gefragten Newcomern und heimsten Preise ein. 2017 wurde das Duo dann mit dem „Radio FM4 Award“ bei den Amadeus Austrian Music Awards ausgezeichnet. Leyyas Musik klingt spährisch, elektronisch, erfinderisch und dürfte sich sicherlich nicht in jedermanns Ohr einnisten. Wer sich live ein Urteil bilden will, dem käme die anstehenden Tournee vielleicht gerade recht. Über Passau, München und Darmstadt sowie Abstecher nach Belgien und Holland kommen Leyya im Feburar auch in den Norden – am 21. Februar in Göttingen (Freihafen) und am 22. Februar in Hamburg (Häkken).

Hart & Bonamassa / „Black Coffee“ (Provogue / Mascot Label Group / Rough Trade): Bereits vier Jahre liegt das letzte gemeinsame Album der Bluesrock-Röhre Beth Hart und Gitarren-Ikone Joe Bonamassa inzwischen zurück. „Seesaw“ (2013) wurde seinerzeit von Kritikern hoch gelobt, führte die Spitze der Billboard Blues Charts an und war gar für einen Grammy nominiert. Danach widmeten sich die beiden Protagonisten zunächst wieder ihren Soloprojekten. Jetzt sind sie als Duo zurück. Für „Black Coffee“ wurden gemeinsam zehn Soul-Juwelen ausgesucht und neu interpretiert. Darunter befinden sich Songs von Edgar Winter, Ray Charles, Etta James, Steve Marriott, Ella Fitzgerald, Lucinda Williams und anderen.

Bemerkenswert: Das Album wurde im August 2016 innerhalb von nur fünf Tagen im At The Palms-Studio in Las Vegas aufgenommen. Alte Bekannte wie Anton Fig (Schlagzeug/Percussion), Ron Dziubla (Saxophon) und Lee Thornburg (Bläser Arrangements/Trompete/Posaune) sind wieder zu hören. Doch auch neue Gesichter wie Reese Wynans (Keyboards), Michael Rhodes (Bass), Rob McNelley (Rhythmusgitarre), Paulie Cerra (Saxophon), Mahalia Barnes, Jade Macrae und Juanita Tippins (Background Gesang) wurden diesmal willkommen geheißen. Mit an Bord war erneut Produzent Kevin Shirley (Joe Bonamassa, Led Zeppelin, Black Crowes, Aerosmith, Iron Maiden, Rush).

Meister Shirley erklärt die Herangehensweise an das neue Album so: „Wir wollten nicht nur einfach alte Klassiker neu aufnehmen, wie unzählige Künstler vor uns, sondern den Songs unsere eigene Identität geben. Wir suchten gerade nicht nach den Hits, sondern wollten den Menschen unbekanntere Perlen zurück ins Gedächtnis bringen. Als es schließlich auf die Aufnahmen zuging, fragten wir uns, wohin wir mit den Stücken gehen und was wir damit erreichen wollten. Wir hatten etwa 25 bis 30 Songs auf der Liste und wählten unter diesen dann weiter nach Tempo und Arrangements aus. Das war nicht ganz einfach, doch wir wollten in einem bereits etablierten Genre etwas Anderes und Neues versuchen. Wenn man schließlich sieht, dass es funktioniert, ist das unglaublich befriedigend.“

Indes bekräftigt Ausnahmegitarrist Bonamassa: „Es hängt wirklich alles vom Gesang ab. Wir können diese Musik nicht ohne Beth machen. Sie ist der Kitt, der uns zusammenhält und unser Antrieb, 110 Prozent zu geben. Würden wir den Gesang erst später aufnehmen, wäre diese Magie nicht da.“ Beide Statements kann man zweifellos so stehen lassen. Den Druck, den die Klassemusiker mit ihren Insturmenten aufbauen, kann die gute Beth mühelos halten, wenn nicht sogar noch auf höhere Ebenen bringen. Und was sagt Frau Hart selbst dazu: „Kevin hat es wirklich drauf. Es war seine Idee, das Album auf die altmodische Art aufzunehmen. Früher hatten die Musiker und Sänger nur ein paar Stunden Zeit, um ein komplettes Album im Studio einzuspielen. Sie gingen einfach rein, spielten und gaben alles, was sie nur konnten. Das macht ein gutes Album aus, damals wie heute.“ Stimmt! Fazit: Eine Dreiviertelstunde lang ein wahrer Hörgenuss.

Das erste offizielle Video Beth Hart & Joe Bonamassa:

Für das Frühjahr wird „The Guitar Event Of The Year“ angekündigt. Dann kommt Joe Bonamassa für acht Gastspiele in sechs deutsche Städte. Start ist am 20. und 21. März in Frankfurt. Über Chemnitz (25.3.), Nürnberg (26.3.), Köln (28.3.) und Berlin (30./31.3.) endet die Reise am 2. April in Kiel – das Ganze allerdings ohne Beth Hart. Schade!

Vanderline / „Live Trails“ (Snakebite Records / Bertus): Nach fünf regulären Studioalben und der sich anschließenden Best Of-Doppel-CD „Devil’s Trails“ (2017) folgt nun das Live-Album „Live Trails“. Durchaus eine sinnvolle Veröffentlichung, die die niederländische Americana- und Rock-Kombo in die Regale stellt – allein deshalb, weil ein Livekonzertmitschnitt in der Diskografie noch fehlte. Vanderlinde tourten in Deutschland unter anderen mit Bobby Kimball, Fish und Doc Holliday und spielten im Sommer 2016 einige Festivals. Durch diese zahlreichen Shows und die bisherigen Longplayer konnte sich die Band eine solide Fanbase erspielen. Zu Recht!

Arjan Vanderlinde, der Namensgeber, Bassist, Gitarrist und Sänger ist auch der Songschreiber. Er umgibt sich mit exzellenten Musikern, die seine Songs zum Leben erwecken, im Studio und auf der Bühne: Wietze Koning (Gitarre), Bart Schwertmann (Gitarre und Gesang) und Mark Eshuis (Schlagzeug); der fünfte Mann ist ihr Live Mischer Taco Amsing. Dabei bleibt die Formation stets authentisch. Glattpolierter Schnickschnack ist nicht ihr Ding. Das ist auch auf dem Livedokument so geblieben. Dabei mixen Vanderline & Co. ganz locker diverse Genre auf eine vielschichtige Art und Weise – Americana, Folk, Country, Soft-Pop und Rock. Einflussgeber könnten vor allem die Eagles, aber auch die Beatles (Melodieführung), Crosby, Stills, Nash & Young sowie bei den ruhigeren Stücken Simon & Garfunkel gewesen sein. Hehre Vergleiche, die aber durchaus Stand halten können.
Bemerkenswert auch: Die Einnahmen aus dem Verkauf des Albums spenden Vanderlinde und ihr Produzent Erwin Musper (der bereits fürr Van Halen, David Bowie, Mick Jagger, Elton John, Scorpions, Chicago und Metallica an den Reglern saß) an ein Waisenhaus in Olon/Ecuador. Dort arbeitet Produzent Musper, nachdem er sein Studio verkauft hatte und umgezogen ist, als Freiwilliger Helfer. Hier gibt’s eine Hörprobe – „Spending it all Jack“ von „Live Trails“:

Simple Minds / „Walk Between Worlds“ (BMG / Warner Music / ADA): 40 Jahre Bandgeschichte liegen mittlerweile hinter den Simple Minds, die in den 80ern Postpunk mit furiosen Refrains und keltischem Ambiente mischten. Höhepunkte waren zweifellos die Mega-Hymnen „Don’t You (Forget About Me)“ und „Alive And Kicking“. Derartige Erfolge gelingen freilich nicht alle Tage, was auch die Schotten (Gründung 1978 in Glasgow) einsehen mussten. Weitere Studioalben gab es zwar, aber der große Hype war vorüber. Dann folgte „Simple Minds Acoustic“, wobei Frontmann Jim Kerr und Gitarrist Charlie Burchill ihre größten Hits in ein neues musikalisches Gewand steckten. Das überragende Echo ließ die beiden Protagnisten ihr Schaffen überdenken.

Die Akustiktour habe den Schaffensprozess maßgeblich beeinflusst, betonen die beiden kreativen Köpfe. Jim Kerr: „Ich bemerkte bei Charlie einen wirklichen Unterschied. Er war schon immer ein Gitarrenheld wider Willen – wegen der Effekte, die er nutzt, denken bis heute viele Menschen, dass seine Parts von einem Keyboard stammen“. Hört man genau hin, klingt die Aussage tatsächlich stimmig, was auch auf dem neuen Output deutlich zu Tage tritt. Das Album enthält insgesamt acht Songs bei einer Spieldauer von rund 42 Minuten. Es ist in zwei eindeutige Seiten aufgeteilt – quasi wie früher, als es noch zwei LP-Seiten gab.

Die erste Seite widmet sich eher den New Wave-Grooves der Post-Punk-Ära. Stellvertretend dafür seien die erste Single „Magic“ und der Track „Summer“ genannt. Der zweite Teil mit dem ganz dicht an David Bowie liegenden „Barrowland Star“ (wurde übrigens in Londons berühmten Abbey Road Studios eingespielt) und dem überragenden Titelsong „Walk Between Worlds“ geht in Richtung eines opulenten Filmsoundtracks, verfügt aber auch über den bekannten Ohrwurmcharakter. Besonders eingefleischte Fans werden sich sofort zu Hause fühlen. Hier gibt’s den Clip zu „Magic“:

Mit dem neuen Longplayer im Gepäck kehren die Simple Minds plus Gefolge in diesem Jahr auch auf die Bühne zurück. Sänger Jim Kerr sieht die Band inzwischen mehr wie Sly & The Family Sonte als eine traditionelle Rockband bestehend aus ausnahmslos männlichen Mitgliedern. Auf Tour werden Jim & Charlie zusätzlich von Percussionist Cherisse Osei und Backgroundsängerin Catherine AD begleitet. Zur CD-Besetzung gehören ferner Bassist Ged Grimes, Multiinstrumentalist Gordy Goudi, Sängerin Sarah Brown (Lead- und Backing-Vocals) und Drummer Mel Gaynor.

Vorausschauend kündigt die Label-Presse für den August und September dieses Jahres die nächste Sensation an: Während der Konzerte (unter anderen in fünf deutschen Städten) werden die Simple Minds auf der „Grandslam 2018“-Tour zu sehen sein, bei der die Schotten von niemand Geringeren als The Pretenders verstärkt werden – das allererste Mal seit dem legendären Live Aid-Konzert Mitte der 1980er Jahre, dass beide Bands gemeinsam zu erleben sind. Als zusätzlicher Special-Guest ist außerdem die schottische Singer/Songwriterin KT Tunstall mit von der Partie.

Starke Besetzung: Jim Kerr (hockend) und Charlie Burchill (rechts daben stehend) fühlen sich wie „Sly & The Family Stone“. Foto: Dean Chalkley

Starke Besetzung: Jim Kerr (hockend) und Charlie Burchill (rechts daben stehend) fühlen sich wie „Sly & The Family Stone“. Foto: Dean Chalkley

Craig David / „The Time Is Now“ (Sony Music): Tanzmäuse aufgepasst! Craig David meldet sich mit einem neuen Album zurück. Es ist bereits das siebte Studiowerk seiner Karriere, gleichzeitig der Follow-Up zum Nummer-Eins-Longplayer „Following My Intuition“, mit dem der britische Superstar im vergangenen Jahr ein spektakuläres Comeback (inklusive europaweiter Single-Hits) gefeiert hatte. „Heartline“ hieß die die erste Single-Auskopplung, die bis auf Platz 24 der britischen Charts kletterte und 15 Millionen Spotify-Streams verzeichnete.

Insgesamt gibt’s zwölf Songs mit einer Spieldauer von knapp 39 Minuten. Ganz nett, aber nix Herausragendes. Allzu oft hören sich die Melodieführungen eben wie schon 1000-fach gehört an – inklusive Kinderlieder-Sing-Sang (wie bei „Heartline“). Wer auf derartige Sounds steht, kann bedenkenlos zugreifen. Wer allerdings echte Drums und/oder handgespielte Gitarren favorisiert, der sollte einen großen Bogen um die CD machen. Das gibt’s nämlich nicht.

Bliebe noch ein Highlight zu erwähnen: Als zweite Single erschien mit „I Know You“ seine Zusammenarbeit mit Bastille – und der Track sticht eindeutig heraus. Mr. David sagt dazu: „Ich bin schon seit einiger Zeit Bastille-Fan und wir haben eigentlich nur auf den richtigen Moment gewartet, um endlich etwas zusammen zu machen. Dans Stimme auf einem solchen Song zu hören, ist für mich ein ganz besonderer Moment – wenn wir damit zusammen auftreten, wird es so richtig abgehen. Ich kann es kaum erwarten.“ Bastille bedanken sich artig. „Wir waren schon immer Riesenfans von Craigs Musik und haben uns in den vergangenen Jahren richtig angefreundet, nachdem wir bei ein paar Shows zusammen aufgetreten sind“, erklärt Dan Smith von Bastille. Neben „I Know You“ mit Bastille enthält das Album weitere Features, unter anderen mit JP Cooper, AJ Tracey, Ella Mai, Kaytranada und Goldlink.

Hier gibt’s den Anspieltipp David Craig featuring Bastille: http://smarturl.it/IKYVIDEO

Das Pack / „Intelligentes Leben“ (OMN Label Services): Ist das die Neue Deutsche Härte? Erzählt wird – da war einmal eine Band, die sich vor gut zehn Jahren im kühlen Norden aufmachte, der übrigen Welt mit Liedern wie „Heavy Metal Kind“ oder „Mein Schwan“ etwas Pfiff zu verleihen. Die flotte Truppe passierte schmale Brücken und tiefe Täler, überwand so manche Schlucht. Mit dem Antrieb der zweiten Platte kamen immer mehr Weggefährten und Freunde dazu, sodass bald eine fahrende Dorfgemeinschaft entstand. Jetzt gibt‘ Longplayer Nummer 4, der auf diese ja doch schon einzigartige Mixtur aus Trash, Punk, Metal und Popmelodien (!) setzt.

Dem brettharten Einstieg („Bessere Zeiten“) folgt ein trashiger Après-Ski-Schlager („Creme dich ein“), dem sich wiederum eine Quasi-Motörhead-Hommage („Ohne Gefühl“) anschließt. Song Nummer 4 (Stöckelschuh“) – unbeschreiblich. Und so geht’s weiter. Nun ja, Abwechslung wird bei den insgesamt zehn neuen Tracks in rund 33 Minuten en masse geboten. Klaro, für die Label-Presse steht fest: „Es ist jetzt schon das absolut beste Album des Jahres 2018. Ein Geballer sondergleichen gepaart mit Herz und Fortune.“ Ui, ein großes Ziel und sicherlich mit einem Augenzwinkern gemeint. Ob die Ankündigung allerdings eintritt, scheint doch höchst fraglich – weil: wie immer doch Geschmacksache.

Im März wird erstmal ausgiebig getourt. Live kann man Das Pack auch in Hannover erleben, und zwar am 10. März im Lux. Einen Vorgeschmack liefert der Videoclip „Hartgekochtes Herz“:

Johannes Falk / „Von Mücken und Elefanten“ (Columbia / Sony Music): Noch was Deutsches, und zwar ’ne ganze Menge. Neben einem Intro liefert Johannes Falk auf seinem Longplayer immerhin 17 Songs, darunter die drei Bonsutracks „Blauer Planet“, „Leuchtraketen“ und „Ich zieh dich“, mit einer Gesamtspieldauer von über 65 Minuten. Man hört, dass der Darmstädter nicht erst seit gestern Musik macht. Geboren 1977 wuchs er als jüngster Bruder von zwölf Geschwistern einer Aussiedlerfamilie aus Russland auf. Mit 13 Jahren gründete er mit drei Brüdern seine erste Band; später war er Frontmann der der Rockband „On A Mission“. Mitte der Nuller Jahre wrude er an der Pop-Akademie Baden Württemberg zum Studiengang Popmusikdesign mit dem Schwerpunkt Singer-Songwriter zugelassen und entschloss sich, seinen Beruf als Chemikant zugunsten seiner Leidenschaft Musik aufzugeben. Ein guter Entschluss.

„Von Mücken und Elefanten“ ist bereits Falks drittes Album. Es ist ein sehr persönliches Werk, das Johannes wie folgt beschreibt: „Ich habe während der Arbeit an diesen Songs an mir selbst und den Menchen um mich herum beobachtet, wie schwierig die Dinge werden können. Beziehungen gehen kaputt, Lebensentscheidungen erweisen sich als problematisch – ich wollte das alles genau ansehen und verstehen.“ Ein ehrlicher Blick, der textlich sowohl Poesie als auch Entschlossenheit zu Tage brachte.

Okay, musikalisch gibt es eine gewisse Nähe zu ähnlich gearteten Künstlern wie Bosse, Clueso, Laith Al-Deen und Philip Poisel bis hin zu den Söhnen Mannheims und sogar Udo Lindenberg („Kino“) – aber das ist ja nicht unbedingt schlecht. Und wenn dann dabei so schöne Zeilen wie „Lass uns aus Elefanten lieber Mücken machen“ in dem tanzbaren Ohrwurm „Elefanten“ herauskommen, dann könnte das bei individuellen Problemen durchaus helfen, mal einen anderen Blickwinkel auszutesten. Auch der rhythmusstarke Song „Keine Heimat“ könnte zum Nachdenken anregen…

Hörprobe ist das Video zur Single „Dein Herz“. Das Album dazu erscheint am 16. Februar:

Toto / „40 Trips Around The Sun“ (Columbia Sony Music): Den Abschluss dieser kleinen Auswahl bildet eine der wohl radiotauglichsten Bands überhaupt. Nicht ohne Grund stellt die legendäre Stadion-Rockband aus LA/California ein neues Greatest Hits-Album in die Regale, denn Toto feiern ihr 40-jähriges Bandjubiläum – und dies mit der größten Tour, die die Formation in den letzten Jahren absolviert hat. Zweilfellos gibt es nur ganz wenige Bands in der Musikgeschichte, die einen derart großen Einfluss auf die Popkultur hatten. Toto-Mitglieder sind auf rund 5000 Alben zu hören, die eine halbe Milliarde Mal verkauft wurden und 200 Grammy-Nominierungen verbuchen konnten – schier unfassbare Zahlen! Toto-Songs wurden über 400 Millionen Mal auf Spotify gestreamt und auf Youtube deutlich mehr als 500 Millionen Mal aufgerufen. Klarer Fall von „Stempel aufgedrückt“! Das gilt beispielsweise auch für das meistverkaufte Album der Geschichte, Michael Jacksons „Thriller“, an dessen Entstehung gleich vier Bandmitglieder beteiligt waren.

Unter dem Titel „40 Trips Around The Sun“ erscheint dieser Tage ein neues Best Of-Album. Es umfasst 17 Tracks, darunter die bislang unveröffentlichten Stücke „Spanish Sea“, „Alone“ und „Struck By Lightning“. Die übrigen Songs des Albums, allesamt Klassiker aus dem Toto-Repertoire, wurden remastered. Mit Steve Lukather, David Paich, Steve Porcaro und Joseph Williams kam der Kern der Band wieder im Studio zusammen, um an dem neuen Release zu arbeiten. Dabei wurden in den Archiven von Sony Music verschiedene unvollendete Tracks entdeckt, auf denen noch die mittlerweile verstorbenen Bandmitglieder Jeff und Mike Porcaro zu hören waren. Einer dieser Tracks ist „Spanish Sea“. Der Song stamme ursprünglich aus den Sessions zum „Isolation“-Longplayer. „Er hat es damals nicht auf die LP geschafft, also haben wir ihn umgeschrieben und ihm einen neuen Refrain verpasst. Dank moderner Studiotechnik konnten wir nicht nur mit einer jüngeren Ausgabe von uns selbst musizieren, sondern auch mit Jeff und Mike Porcaro. Hier trifft alt auf neu“, kommentiert Gitarrist Steve Lukather die Wiederentdeckung.

Möglicherweise werden eingefleischte Toto-Fans immer noch über die bessere Wahl des Leadsängers streiten. Aber egal, ob Bobby Kimball oder Joseph Williams – zeitlos stark bleiben alle Klassiker dieser Band. Am 11. Februar startet in Helsinki die erste Etappe der „40 Trips Around The Sun-Welttournee“, mit der Toto ihr 40-Jähriges gebührend feiern und auf der sie das Album vorstellen werden. Für Europa wurden bislang insgesamt 36 Shows angekündigt, darunter sieben Gastpiele in unserer Republik. Der nahe gelegendste Auftrittsort ist Hamburg, wo am 19. Februar der Auftakt zur Deutschland-Tour ansteht.

Hier ist die Hörprobe der angesprochenen Neuerscheinung, die aktuelle Single „Spanish Sea“:

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