• 21. Juni 2018
Authentisch und abwechslungsreich: Die Haudegen in der Sumpfblume

Authentisch und abwechslungsreich: Die Haudegen in der Sumpfblume

Hameln (eb). Sind sie noch ein Geheimtipp oder doch schon eine der erfolgreichsten deutschsprachigen Rockbands dieser Zeit? Eigentlich egal, gemeint sind jedenfalls die Haudegen, die Band um Berlins Charaktermusiker Hagen Stoll und seinem Kumpel Sven Gillert. Nachdem die Herbsttour 2017 prächtig gelaufen war, steht aufgrund der großen Nachfrage jetzt der Nachschlag unmittelbar bevor. Die Tour-Verlängerung startet am Donnerstag, 15. März, in der Hamelner Sumpfblume.

Hannover im November des vergangenen Jahres: Das Musikzentrum in der Emil-Meyer-Straße ist pickepackevoll. Das Publikum ist bunt gemsicht. Mit Spannung erwartet: die Haudegen. Immerhin will die Fan-Gemeinde das neue Album endlich live hören…

„Blut, Schweiß und Tränen“ – so heißt das Dreifach-Werk, das die Berliner erst ein Vierteljahr zuvor auf den Markt brachten. Der Titel sei ebenso plakativ wie autobiografisch, ließen sich die Kerls dazu entlocken. „Ein Haudegen ist einfach ein Typ, den du kennenlernen musst“, sagen die Musiker über ihren Bandnamen. „Und eine Seite zu kennen, reicht da einfach nicht aus. Deswegen auch die Dreifach-Platte. Wir wollen über Blut reden, über Schweiß reden, über Tränen reden. Diese drei Worte haben unser Leben geprägt.“

Als Mitglied einer bekannten Graffiti-Crew erlebte Hagen Stoll – auch unter seinem Künstlernamen Joe Rilla bekannt – Ende der 80er die Wende in Berlin-Marzahn. In den kommenden Jahren schloss er sich der Rap- und HipHop-Szene an und tourte unter anderem mit Joy Denalane durch Deutschland. Ab 2006 tat er sich als Produzent für das Label Aggro Berlin hervor. Seit 2010 verschreibt er sich der Rockmusik und seiner Band Haudegen. Seine ostdeutsche Herkunft thematisiert er in vielen seiner Songs. Bandkollege Sven Gillert kennt ihn bereits aus Jugendzeiten und aus deren gemeinsamer früherer Tätigkeit als Türsteher. Unter dem Künstlernamen Tyron Berlin trat der ebenfalls in Berlin-Marzahn aufgewachsene Gillert einige Jahre als Rapper auf, bevor er sich mit Haudegen ebenfalls der Rockmusik verschrieb. Gillert wuchs Marzahn-typisch in einem Plattenbau auf. Stoll lernte er als Jugendlicher beim Floßfahren auf einem Baggersee kennen.

Erschienen die ersten drei Outputs der Band noch bei Warner Music, so trennten sich die Haudegen in der Folge vom Major-Label und veröffentlichen mit „Blut, Schweiß und Tränen“ ihr erstes Album in Eigenregie auf ihrem gleichnamigen Label. Damit haben sich die beiden Protagonisten auch davon gelöst, sich auf eine Stilrichtung festlegen zu müssen. „Ein Major-Label hätte uns dieses Album nie machen lassen. Aber jetzt sind wir zum Glück unabhängig davon und können zeigen, wie wir wirklich sind.“ So erschien das Werk auch gleich in Form einer Dreifach-CD.

„Wir manifestieren mit den drei Alben, wofür ein Haudegen steht.“ Dieser Kosmos beinhalte es laut zu sein, berührend zu sein und herzlich zu sein. Ihren Stil bezeichnen die Musiker als „Gossenpoesie“. Als musikalische Vorbilder nennen die Berliner sowohl Pantera und Everlost als auch Billy Idol und den deutschen Liedermacher Klaus Lage. Markantes Element von Haudegens Musik ist zweifellos Stolls raue und kratzige Stimme. Inhaltlich beschreiben die Songs soziale Probleme der heutigen Arbeiterschicht Deutschlands und ermutigen, sich auf die alten Werte neu zu besinnen. Ehrliche Arbeit, Kameradschaft und Liebe sind immer wiederkehrende Themenkreise.

Echte Haudegen: Hagen Stoll und Sven Gillert gastieren am 15. März in Hameln. Foto: Hotze

Echte Haudegen: Hagen Stoll und Sven Gillert gastieren am 15. März in Hameln. Foto: Hotze

Ob hart und rifflastig, hymnisch und herzlich oder tief emotional – Haudegen sind authentisch und abwechslungsreich. „Dieses Mal kriegen alle alles!“ lautete das Motto schon zur CD-Veröffentlichung und jetzt erst Recht zur Tour-Verlängerung. Nach dem Auftakt am Donnerstag, 15. März in Hameln (Sumpfblume, Einlass 19 Uhr, Beginn 20 Uhr) geht’s weiter nach Plauen, Burg und Braunschweig (31. März, Jolly Time), ehe es im April in südlichere Regionen sowie zurück in den Osten nach Erfurt und Berlin geht.

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