• 15. Dezember 2018
Deep Purple: Prächtige Mitschnitte und Tour im Herbst

Deep Purple: Prächtige Mitschnitte und Tour im Herbst

Nun ja, viel über die legendären „Deep Purple“ zu erzählen, hieße freilich Eulen nach Athen tragen. Und dennoch: Es gibt Neuigkeiten, denn die britische Hardrockband bringt zwei brandneue Live-Performances an den Start. Die zahlreichen „Die-Hard-Fans“ der Gruppe werden sich über die Konzertmitschnitte aus Wacken und Tokyo zweifellos freuen.

Von Erk Bratke

Deep-Purple_From-The-Setting-SunDeep Purple / „From The Setting Sun…“ und „…To The Rising Sun“ (ear Music / Edel): Kann die heutige Besetzung ihre eigene Live-Legende „Made in Japan“ (1972) schlagen? Wohl kaum, aber das waren ja auch ganz andere Zeiten. Als der damalige Doppel-Longplayer auf dem Markt erschien, war er für lange Zeit das Nonplusultra dieser Sparte (ist er möglicherweise sogar heute noch). Wer „Made in Japan“ hat, der braucht nichts anderes? Sicherlich eine fragwürdige These.

Natürlich werden die alten Klassiker interpretiert, aber es gibt auch etliche neue Songs – also jene, die nach den glorreichen Siebzigern erst erschienen sind. Natürlich hat sich die Formation im Line Up gewandelt. Das Unterfangen der beiden Neuveröffentlichungen stellt sich sicherlich schwierig, aber dennoch nicht sinn- und kopflos.

„From The Setting Sun…(in Wacken)“ führt vom Sonnenuntergang des Wacken Open Airs 2013 ins Land der aufgehenden Sonne – nämlich „…To The Rising Sun (in Tokyo)“, wo im April 2014 mitgeschnitten wurde. Die Audioaufnahmen beider Shows wurden von Eike Freese und Alex Dietz (Heaven Shall Burn) unter der Leitung von Roger Glover in Hamburg abgemischt.

Deep-Purple_to-the-rising-sunPurple-Bassist Glover schrieb dazu Folgendes: „Eine Band, zwei Menschenmassen, zwei Länder – in der Tat eine Geschichte aus zwei Städten. Es geht von dem Wacken Open Air-Festival in Deutschland, einem der größten Metal-Festivals weltweit und eine eigene, in sich geschlossen Stadt, nach Japan in die stattliche Nippon Budokan, die am meisten verehrte Konzertstätte Tokyos. Zwei Orte, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Wacken ist eine Erfolgsgeschichte ohnegleichen. Von zwei Freunden auf einem Feld im ländlichen Norddeutschland gegründet, entwickelte es sich zu einem der am besten organisierten und meistbesuchten Metal-Festivals überhaupt. Wir waren von dem Standort, der Sicherheit, dem Backstage-Bereich und der Camping-Fläche unglaublich beeindruckt. In der Tat war auch die gesamte Produktion mehr als superb. Ebenso das Publikum, das, als wir diesen unfassbaren Anblick von der Bühne aus in uns aufnahmen, etwas in uns wach rief. Während die Sonne unterging, empfing uns ein Meer aus Tattoos und schwarzem Leder.

Das Publikum bei Festivals ist immer besonders, da es den meisten Besuchern mehr um den Anlass an sich, als um eine bestimmte Band geht. Für uns stellt dies jedes Mal eine willkommene Herausforderung dar, und auch eine Chance, all jene zu erreichen, die uns bisher nicht kannten. Aber die echten Stars finden sich sowieso immer im Publikum. Vielen Dank, Wacken.

Im starken Kontrast stand dazu die Atmosphäre in Budokan, die der eines Friedentempels gleicht – mit Ausnahme des berüchtigten Ereignisses, bei dem der Innenraum der Halle zerstört wurde. ‚Made In Japan‘ wurde zu großen Teilen dort aufgenommen und seitdem performten wir dort viele weitere Male. Für so eine große Halle ist die Akustik exzellent; die Konzertstätte beeindruckt uns jedes Mal aufs Neue. An dem besagten Abend betraten wir die Halle durch den Hintereingang, erklommen die kühlen Marmorstufen und fanden uns in den uns wohl bekannten Backstage-Räumen wieder. Wir fühlten uns, als wären wir die einzigen Menschen im Gebäude; wir konnten uns nicht vorstellen, dass vor der Bühne ein Publikum auf uns wartet. Aber es war natürlich da, jung und alt geduldig wartend oder leise miteinander sprechend – der Inbegriff von Höflichkeit. Es wirkt das respektvolle Schweigen in einer Kathedrale. Aber das Publikum ist da, um zu rocken. Und wie sie das tun. Während des Wartens mag es zwar ruhig sein, aber während der Show ist es weit davon entfernt, als schüchtern zu gelten. Die Menschen sorgten für einen unvergesslichen Abend. Vielen Dank, Tokyo.“

Die beiden Live-Erzeugnisse werden sind als 2CD+DVD, DVD, Blu-ray (Performance in Tokyo), Blu-ray 3D (Performance in Wacken) sowie 3LP-Gatefold erhältlich. Zusätzlich wurden noch zwei Facebook-Videos hochgeladen, die extrem erfolgreich waren: Innerhalb von nur zwei Tagen gab es über 150.000 Views. Das Video springt zwischen beiden Performances aus Tokyo und Wacken hin und her – hier die Hörprobe:

Bliebe noch ein weiteres Mal die gute Nachricht vom Gastspiel in Hannover zu erwähnen. Anlässlich ihrer „Live in concert“-Tour sind Deep Purple am 18. November in der Swiss Life Hall zu erleben. Ticket-Infos gibt’s unter www.hannover-concerts.de.

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