• 17. November 2018
Sechserpack – Klangfarben aus Japan, Spanien und Deutschland

Sechserpack – Klangfarben aus Japan, Spanien und Deutschland

Hotei – wer? Moop Mama, Alvaro Soler, Teesy, Waldeck oder Einhorn – allesamt mehr oder weniger (noch) unbeschriebene Blätter. Und die haben eins gemeinsam: aktuell oder in Kürze neue musikalische Outputs am Start. Ein Sechserpack von eher unbekannten Namen aus verschiedenen Stilrichtungen, welches das DEISTER JOURNAL zur Vorstellung bringt. Vielleicht ist ja die passende CD für die Reisezeit oder Sommerparty dabei…

Von Erk Bratke

Cover-1---HoteiHotei / „Strangers“ (Universal Music): Tomoyasu Hotei ist Japaner und gilt in seiner Heimat schon seit den 1980er Jahren als Ikone. Jetzt packt der gefeierte Gitarrist, Komponist, Sänger und Produzent den weltweiten Durchbruch an. Sein gefeiertes internationales Debütalbums „Strangers“ gibt es auch in einer Special Edition – mit vier exklusiven Bonustracks, darunter die neuen Songs „Power“, „Black Ships“ und „Trick Attack“. Das Album präsentiert hochkarätige Albumgäste wie unter anderen Punk-Legende Iggy Pop (auf zwei Tracks), Richard Z. Kruspe von Rammstein, Matt Tuck von Bullet For My Valentine, Noko von den Electro-Pionieren Apollo 440 und die aus Texas stammende Sängerin Shea Seger.

Während er in seiner Heimat schon mehr als 40 Millionen Alben verkauft hat, ist Hotei in anderen Teilen der Welt vor allem für seinen Song „Battle Without Honor Or Humanity“ bekannt, den Quentin Tarantino zum Titelsong von „Kill Bill“ machte und der auf dem Longplayer ebenfalls als Abschlusstrack vertreten ist. Auf „Strangers“ demonstriert Hotei eindrucksvoll, wie facettenreich sein Ansatz als Songwriter und Gitarrenvirtuose ist, wenn er epische Instrumentalstücke mit zeitgenössischen Kompositionen kombiniert. Die Mucke? Viel, viel Soundtrack-Charakter gepaart mit diversen Genre-Einflüssen – von Pop über Rock bis hin zu Blues und auch Electro-Tunes.

Eine Hörprobe „Move it“ feat. Richard Z. Kruspe gibt’s hier:

 

Cover-2---MoopMamaMoop Mama / „M.O.O.P.topia“ (Mutterkomplex / Soulfood-Finetunes): Moop Mama sind kurios und freilich nicht jedermanns Sache. Die Wurzeln der Band liegen im Sound der Marching Bands aus dem amerikanischen Süden: Funk, Soul, Jazz. Diesmal hört man auch die Energie von Techno sowie Referenzen von Blues bis Old-School-Rap heraus.

Seit mittlerweile sieben Jahren verbindet das Ensemble die Kunst des Geschichtenerzählens mit einem einzigartigen Sound aus Bläsern, Beats und Rap. Dabei erspielten sie sich den Ruf „eines wahren Bühnenspektakels“. Ihre Fans reichen von Jan Delay, Deichkind, Fettes Brot und Blumentopf. Mit zehn Mann auf der Bühne verwandelt die Band auch neugierige Novizen in überzeugte Fans, heißt es. „Live sind wir ein Brett“, sagt Saxofonist Marcus Kesselbauer. „Wenn wir alle auf der selben Welle reiten, dann gibt es kein Halten.“

Auf ihrem dritten Album „M.O.O.P.topia“ geht es in 14 Songs um die feinen Schattierungen des Mensch-Seins ebenso wie die großen Kontraste unserer Zeit. Das Album ist voll von amüsanten Alltagsbeobachtungen. Dabei sind neben Texter, Rapper und Sänger Keno Langbein erstmals in der Bandgeschichte auch klassische Feature-Gäste zu hören – mal sehen, wer sie erkennt.

Die Band hat zwei coole Videos gedreht. Die Hörproben gibt’s hier: „Lösch das Internet“:

und „Die Erfindung des Rades“:

Cover-3---Alvaro-SolerAlvaro Soler / „Eterno Agosto“ (Electrola / Universal Music): Als Sohn einer Spanierin und eines Deutschen ist der 25-jährige Alvaro in Barcelona und Tokio mehrsprachig aufgewachsen und hat schon früh angefangen, mit seinem Bruder Musik zu machen. Seit knapp zwei Jahren lebt er in Berlin. Vergangenes Jahr wurde er international von Universal unter Vertrag genommen; seitdem geht es quasi von heute auf morgen steil bergauf. Vor allem in Italien gilt er als waschechter Superstar – die Mädels fallen reihenweise um.

Latino-Boy: Mädchenschwarm Alvaro Soler.

Latino-Boy: Mädchenschwarm Alvaro Soler.

Sein Weg führte ihn nach Deutschland, wo er auf ein Berliner Produzentenduo stieß. Spanisches Temperament trifft auf Berlins urbanen Flair – Spanischer Pop mit Latino-Einflüssen trifft auf die Moderne. Aus Experimenten und gemeinsamen Jam-Sessions entstanden erste Songideen. Nun liegt das Debüt auch in Deutschland. Darauf vereint Alvaro spanische Texte mit frischen, folkloristischen Melodien. Die Einflüsse, die er auf der ganzen Welt sammelte, sind deutlich zu spüren. „Eterno Agosto“ wurde in Berlin, Miami, Los Angeles und Barcelona aufgenommen, was dem Ganzen den letzten Schliff verleiht.

Spricht man über die Hits des Jahres 2015, so kommt man an dem Song „El Mismo Sol“ nicht vorbei. Ein ein mitreißender, leichtfüßiger Song, der Internationalität und Spaß versprüht. Weltweit millionenfach geklickt und gestreamt. „Sofia“, die zweite Single, geht ähnlich ab. Noch ein paar Fakten: Alvaro Soler hat kaum noch freie Tage, permanente Reise innerhalb Europas, aber auch in die USA, featuring seines Hits „El Mismo Sol“ mit Jennifer Lopez und einem gemeinsamen Videodreh in New York City sowie gemeinsame Auftritte in den USA vor einem Millionenpublikum, X-Factor-Jurymitglied in Italien und seit Wochen in den Charts. Ein Tausendsassa – wesentlich lockerer als Spaniens Auftritt bei der Euro 2016.

Cover-4---TeesyTeesy / „Wünsch Dir Was“ (Chimperator / Groove Attack): Der 25-jährige Teesy heißt eigentlich Toni Mudrack, stammt aus Berlin und ist Sänger, Songwriter und Rapper. Seit seinem Debütalbum „Glücksrezepte“war er konstant unterwegs. Seine erste Tournee war im Nu ausverkauft, es folgte ein dritter Platz beim Bundesvision Song Contest und jetzt – zwei Jahre nach dem Erstling – das Nachfolgewerk „Wünsch Dir Was“.

Starker Genremix: Toni Mudrack alias Teesy. Foto: eyecandy

Starker Genremix: Toni Mudrack alias Teesy. Foto: eyecandy

Musikalisch sei er erwachsener und reifer geworden, ohne dabei etwas von seinem jugendlichen Charme einzubüßen, so heißt es. Dies dokumentieren Fragmente vom schwarzen Blues, R’n’B, Funk und anderen eigentlich US-typischen Einflüssen. Das Ganze ist „fett“ produziert. Teesy gibt sich emotional – er singt, rapt, schreit, leidet. „Jackpot“ heißt die erste Single des Albums, die er mit dem Labelkollegen und Kumpel Cro in einer „magischen Studio-Session“ produziert hat. Textlich geht’s vor allem um die alltäglichen Herz-Schmerz-Geschichten mit der vermeintlich besseren Hälfte – hin und wieder ganz schön schräg und traurig. Nix für einsame Nächte – oder vielleicht gerade doch?

Cover-5---WaldeckWaldeck / Gran Paradiso (Dope Noir Records / Soulfood): Der Wiener Elektronikmusiker Klaus Waldeck hatte lange auf einen Nachfolger für sein Album „Ballroom Stories“ (2007) warten lassen und überrascht jetzt gleich in mehrfacher Hinsicht. Einerseits rücken die elektronischen Soundtüfteleien eher in den Hintergrund, andererseits wurden sämtliche Titel auf italienisch eingesungen. Letzteres vollbrachte eine Neuentdeckung: Die Wiener Sängerin Heidi Moussa-Benammar ergänzt mit ihrer höchst erotischen Stimmfarbe das Musikalische trefflich passen.

Der Albumtitel ist ein Wink mit dem Zaunpfahl. Waldeck selbst möchte sein Werk als eine Art „Spaghetti & Western“-Produktion bezeichnet wissen: „Gran Paradiso, das ist einerseits eine Hommage an den legendären Sound des Italo-Westerns und andererseits spürt es auch den sentimentalen Klängen des italienischen Canzone nach – jedoch stets mit der nötigen ironischen Distanz.“ Italienisch sei für ihn eine Sprache, die schon nach Musik klingt. So hat man italienische Musik bisher nur selten gehört hat. Enrico Morricone, aber auch Quentin Tarantino hätten bestimmt ihre Freude daran.

Soundtüftler: Klaus Waldeck aus Wien. Foto: Thürringer

Soundtüftler: Klaus Waldeck aus Wien. Foto: Thürringer

Der Sound des Albums trägt Waldecks unverkennbare Handschrift; gelegentliche Einsprengsel von Tango, Dub und Reggae inklusive. Der Longplayer ist nun nicht der Megaburner, um die Sommerparty schmissig auf Touren zu bringen. Aber wenn sich die Nacht dem Ende nähert und der letzte Cocktail serviert wird, dann könnte es der passende Rausschmeißer für den Nachhauseweg sein.

Cover-6---EinhornEinhorn / „Galactica“ (Las Vegas Records / Universal Music): Ihr erstes Lebenszeichen gab die Band im November 2015 mit der EP „Schöner als Berlin“ ab. Die Szene feierte. In Kürze (22. Juli) veröffentlichen die vier Burgenländer mit dem eher untypischen Namen ihr offizielles Debütalbum. Als Vorbote schickten die vier Nerds schon mal den Song „Tuxedo Mask“ ins Rennen. Das Urteil der Labelpresse: „Der nach einem japanischen Anime benannte Track kommt genauso daher wie die ganze Band – laut, frech, grundsympathisch und mit jeder Menge Augenzwinkern.“

Synthie-Boys: Die vier Jungs nennen sich „Einhorn“ und wollen mit ihrem Debüt vor allem eins: Spaß machen.

Synthie-Boys: Die vier Jungs nennen sich „Einhorn“ und wollen mit ihrem Debüt vor allem eins: Spaß machen.

Mit Textzeilen wie „Sie sagen du tanzt wie ein Einhorn“ oder dem Track „Battlestar Galactica“ wären die Verbindung zu Artist & Albumtitel schon mal hergestellt. Im Mittelpunkt stehen pointierte Texte und durchaus eingängige Synthie-Hooks. Inhaltlich dreht es sich bei vielen Songs um Themen wie Computerspiele, Comics oder Sciencefiction-Serien. Daran hat die Generation „Twenty-Something“ doch ihren Spaß, oder? Musikalisch könnte die Mischung aus Funk, HipHop, Indie und Electronic-Sounds jedenfalls in den Strand-Discos bestens funktionieren.

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