• 11. Dezember 2018
Sport als verbindendes Element

Sport als verbindendes Element

Kirchdorf (eb/ps). Komplett falsch lagen die Pessimisten, die mit erheblich weniger Teilnehmerinnen gerechnet hatten. Überaus optimistisch lasen sich dagegen die vorherigen Anmeldezahlen, die allerdings aufgrund des schlechten Wetters keine Bestätigung erhielten. Schlussendlich war der Interkulturelle Frauensporttag in Kirchdorf mit 50 Teilnehmerinnen eine Premiere, auf die sich aufbauen lässt.

Regionsweit war es insgesamt die dritte Auflage des Frauensporttags in dieser Form. Neben den 50 Frauen – mit und ohne Migrationshintergrund – hoffen sowohl der gastgebende TSV Kirchdorf als auch die Organisatoren vom Regionssportbund (RSB) Hannover darauf, dass eine mögliche Wiederholung einen ähnlichen Effekt wie beim Heesseler SV erziele. Die Erfahrung zeige jedenfalls, dass sich die guten Erfahrungen verbreiten und die Teilnahmezahlen weiter steigern lassen“, teilte RSB-Pressesprecher Philipp Seidel mit.

Die Frauen, die das Angebot im Schulzentrum am Spalterhals annahmen, kamen freilich nicht nur aus Barsinghausen. Auch aus Gehrden, Neustadt, Ronnenberg, Seelze und Hanover waren Teilnehmerinnen dabei. Sogar der Landkreis Schaumburg war vertreten. Gut fünf Stunden lang konnten bis zu vier Sportarten ausprobiert werden.

Egal ob klassisch oder modern, einzel- oder gruppendynamisch, entspannt oder voller Power – für jeden war etwas dabei. Und so liest sich auch das Angebot: Tischtennis, Indoor-Boule, Wushu (Kung Fu), Badminton, Fechten, Rückengymnastik und klassische Gymnastik, Pilates, Step Aerobic und Drums Alive. Das Besondere: Sämtliche Kurse wurden von vereinseigenen Übungsleitern durchgeführt. Für Rückfragen waren also bereits die richtigen Ansprechpartner direkt vor Ort.

Die offizielle Begrüßung hatte der 1. Stadtrat Dr. Georg Robra vorgenommen. In seinen Willkommensworten beglückwünschte er die Teilnehmerinnen und ihre Kindern dafür, dass sie trotz des heftigen Regens den Weg ins Barsinghäuser Schulzentrum gefunden hatten. Miteinander im Gespräch sein und Dinge gemeinsam erleben sei die Basis vom gesellschaftlichen Miteinander. „Ich finde es ganz toll, dass es solche Veranstaltungen gibt. Aus dem einfachen Grund, dass Sport tatsächlich etwas Verbindendes hat“, sagte Robra. Unabhängig von Kultur, Geschlecht oder Alter sei der Sport ein gutes Medium, um miteinander ins Gespräch zu kommen und Erlebnisse zu teilen.

Der Vorsitzende des TSV Kirchdorf, Horst Fabisch, hieß die Frauen als Gastgeber willkommen. Verständlicherweise würde er sich freuen, wenn die Erlebnisse des Tages mit Freunden und Verwandten geteilt und der Spaßfunke überspringen würde. Im Sportverein zu sein, sei keine Pflicht, sondern pures Vergnügen. „Wir erhoffen uns, dass mit den Teilnehmerinnen eine Streuung einsetzt und künftig durch persönliche Erfahrungsberichte und Empfehlungen mehr Frauen mit Migrationshintergrund aus Barsinghausen und Umgebung den Weg in unseren Verein finden, um das breitgefächerte Angebot nutzen“, so Fabisch. Viel Spaß wünschte auch stellvertretende Vorsitzende des Regionssportbundes, Dagmar Ernst.

Gemeinsames Ziel: Spaß und gute Laune für die Teilnehmerinnen wünschten Horst Fabisch (TSV Kirchdorf), Dagmar Ernst (RSB Hannover) und Georg Robra (Stadt Barsinghausen, von links). Fotos: Seidel.

Gemeinsames Ziel: Spaß und gute Laune für die Teilnehmerinnen wünschten Horst Fabisch (TSV Kirchdorf), Dagmar Ernst (RSB Hannover) und Georg Robra (Stadt Barsinghausen, von links). Fotos: Seidel.

Unterstützt wurde das RSB-Projekt vom TSV Kirchdorf, der neben sämtlichen Übungsleitern ein kostenloses Angebot zur Kinderbetreuung zur Verfügung stellte. Zudem gab es für alle Teilnehmerinnen während der Veranstaltung kostenfreies Wasser. Frauen, die für sich an diesem Tag ein attraktives Angebot entdeckten, profitierten sogar sofort, denn der TSV Kirchdorf beschenkte die Teilnehmerinnen mit drei Gutscheinen für Kurse aus dem aktuellen Vereinsangebot. Ansonsten stand das Team des RSB helfend zur Seite und informierte auch mithilfe seiner Online-Sportangebotssuche „Sportmodul“ über die Möglichkeiten im eigenen Wohnumfeld.

RSB-Geschäftsführerin Anna-Janina Niebuhr zeigte sich zufrieden: „Die Rückmeldungen aus dem Teilnehmerfeld waren durchweg positiv. Viele blieben bei den Angeboten länger als angedacht und führten Gespräche mit den Kursleiterinnen. Die Zusammenarbeit mit dem TSV Kirchdorf war sehr angenehm und das Engagement vorbildlich. Wir hoffen für den TSV Kirchdorf, dass die Maßnahme in naher Zukunft Wirkung zeigt.“

Und was sagte die Aktiven? Maria-Luisa Knieling (72) aus Barsinghausen mit spanischen Wurzeln resümierte: „Ich habe Zumba, Rückengymnastik und Drums Alive ausprobiert. Ganz toll! Vor allem Zumba. Auf die Veranstaltung wurde ich durch das internationale Frauenfrühstück in Barsinghausen aufmerksam und kann es nur weiterempfehlen.“

Auch Meike Sprengel (46) aus Barsinghausen war begeistert: „Ich betreibe in meiner Freizeit regelmäßig Step Aerobic. Heute habe ich Drums Alive für mich entdeckt und könnte mir gut vorstellen, das demnächst im Verein auszuprobieren. Das Tolle: Man ist die ganze Zeit in Bewegung denkt aber nicht darüber nach und dadurch kommt es einem nicht so anstrengend vor.“

Wassilar Ladhar war aus Ricklingen angereist. Die 53-jährige Frau mit tunesischen Wurzeln hatte eine Gruppe von zehn Frauen mit Kindern für die Teilnahme begeistert. Ladbar engagiert sich seit etlichen Jahren als Integrationslotsin und kümmert sich darum, dass die Frauen am gesellschaftlichen Leben teilhaben, und dies nicht nur im Sport. Voller Begeisterung sagte sie: „Ich find‘ das super hier! Spannung, Spaß und Spiel für Groß und Klein. Gerade zum Reinschnuppern in verschiedene Kurse für Frauen, die noch keinen Sport im Verein betreiben. Und davon hab ich ein paar im Gepäck. Meine Begleiterinnen trauen sich zwar noch nicht allein, aber die begleiten mich und tauen langsam auf.“ Ausschlaggebend für die Teilnahme sei im Übrigen für die meisten Frauen das Angebot einer Kinderbetreuung gewesen.

Zum Thema

Der Interkulturelle Frauensporttag ist ein Projekt des Regionssportbundes Hannover innerhalb des Bundesprogrammes „Integration durch Sport“ des Landessportbundes Niedersachsen. Unterstützt wurde das Projekt beim TSV Kirchdorf von der Stadt Barsinghausen, die die Sporthallen zur Verfügung stellte, von der Stadtsparkasse Barsinghausen, der Hannoverschen Volksbank sowie dem Landessportbund Niedersachsen.

Der RSB möchte mit dieser Maßnahme seine Vereine vor allem bei der Gewinnung neuer Mitglieder unterstützen. Das Projekt soll als Chance verstanden werden, sich und sein Angebot zu präsentieren und sich für neue Zielgruppen zu empfehlen. Erklärtes Ziel ist es, dass sich aus dem Angebot eine regelmäßige lokale Veranstaltung entwickelt, die die Vereine in den Folgejahren eigenverantwortlich durchführen.

Der TSV Kirchdorf hat sich nach dem Heesseler SV als zweiter Verein für eine Durchführung eines interkulturellen Frauensporttags beworben. Nach 2013 und 2014 wird die Veranstaltung im nächsten Frühjahr (10. April) in Heessel bereits zum dritten Mal durchgeführt. Der Verein registriert ein wachsendes Interesse in der lokalen Bevölkerung und konnte bereits einige Mitglieder durch diese Maßnahme generieren. Interessierte Vereine, die sich über das Thema informieren und sich für eine Durchführung in 2016 oder 2017 bewerben möchten, melden sich unter: info@rsbhannover.de, Stichwort „Interkultureller Frauensporttag“.

Auf der Homepage des Regionssportbundes gibt es weitere Informationen, unter anderen auch umfangreiches Bildmaterial vom Event beim TSV Kirchdorf sowie weitere Stimmen von Teilnehmerinnen (www.rsbhannover.de).

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