
Barsinghausen. Wenn die Temperaturen steigen und Regen einsetzt, beginnt in Barsinghausen alljährlich ein besonderes Naturschauspiel: die Amphibienwanderung. Seit dem 22. Februar sind wieder zahlreiche Ehrenamtliche im Einsatz, um Frösche, Kröten und Molche sicher über die Straßen zu bringen – und damit einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz zu leisten.
Im Bereich zwischen der Kreuzung Einsteinstraße/Max-Planck-Straße und der Schranke an der Straße erstreckt sich auf rund 1,5 Kilometern eine besonders stark frequentierte Wander-strecke. Hier queren die Tiere auf dem Weg zu ihren Laichgewässern die Straße – ein gefährlicher Abschnitt, der ohne Unterstützung für viele Amphibien tödlich enden würde. Zäune entlang der Strecke sowie tägliche Kontrollen helfen, die Tiere in Eimern zu sammeln und sicher auf die andere Straßenseite zu bringen.
„Das ehrenamtliche Engagement in Barsinghausen ist beeindruckend und unverzichtbar für den Schutz unserer heimischen Arten. Mein großer Dank gilt allen Helferinnen und Helfern, die bei Wind und Wetter unterwegs sind, um diese wichtige Arbeit zu leisten“, betont Bürger-meister Henning Schünhof.
Bis zu acht Ehrenamtliche sind jeden Abend im Einsatz, besonders an Tagen mit Temperaturen über 10 Grad und Regen – denn die feuchte Witterung ist entscheidend für die Wanderung der Tiere. Unterstützt werden die Kontrollen morgens unter der Woche auch von Schülerinnen und Schülern des Schulzentrums am Spalterhals, die sich aktiv beteiligen und so Umweltbildung direkt erlebbar machen.
Organisiert wird ein Großteil der Einsätze vom NABU, unterstützt von weiteren engagierten Bürgerinnen und Bürgern. Insgesamt sind derzeit rund 18 Ehrenamtliche beteiligt, darunter viele, die sich seit Jahren einsetzen. So betreuen einige Engagierte den Bereich an den Schranken bereits seit über 20 Jahren.
Die Zahlen verdeutlichen den Erfolg des Engagements: Während im vergangenen Jahr rund 1.024 Tiere gerettet wurden, konnten in dieser Saison bereits 2.960 Amphibien gezählt wer-den. Allein an den Tagen vom 11. und 12. März wurden rund 1.300 Tiere gesammelt. An besonders intensiven Abenden sind bis zu 500 Tiere unterwegs – Einsätze, die mit acht Helfenden rund zweieinhalb Stunden dauern. Das Gebiet gilt als Hotspot für Amphibien, nicht zuletzt aufgrund der zahlreichen Teiche. Die Tiere kehren dabei stets zu ihren Geburtsstätten zurück, um sich fortzupflanzen.
Ein Grasfrosch Weibchen kann pro Laichballen bis zu 4.000 Eier ablegen – doch nur unter ein Prozent der Jungtiere erreichen später die Geschlechtsreife, der Rest dient als Nahrung für andere Tierarten. Umso wichtiger ist der Schutz jedes einzelnen Tieres.
Die Initiative zur verstärkten Sicherung der Wanderwege entstand vor drei bis vier Jahren, nachdem besonders viele tote Tiere auf den Straßen gefunden wurden. Ein Schulprojekt am Spalterhals gab damals den Anstoß für die heutigen Maßnahmen. Seither werden auch Tiere aus Gullis gerettet und in sichere Bereiche wie das Hochwasserbecken am Spalterhals gebracht.







