
Barsinghausen. Ein opulentes, genreübergreifendes Werk auf einer eher kleinen Bühne – wenn das klappt, dann könnte das nächste Konzert im ASB-Bahnhof Basche zu einem ganz außergewöhnlichen Live-Erlebnis werden. Gemeint ist die Umsetzung von „Inphantasia“, dem zweiten offiziellen Longplayer der Bremer Band „Eyevory“. Hingehen lohnt sich.
Von Erk Bratke
Seit Anfang November ist das Quartett aus der Stadtmusikantenstadt auf Tour, um ihr märchenhaftes Konzeptalbum live zu präsentieren. Das Heimspiel im Bremer Kulturbahnhof Vegesack ist bereits absolviert – prächtig. Jetzt ist Barsinghausen dran, und zwar am 2. Dezember um 21 Uhr (Einlass 20 Uhr). Wer’s zeitlich nicht packt, der hätte tags darauf eine weitere Chance. Dann gastieren Eyevory im Hamelner Mad Music Club. So viel zu den Terminen.
Musikalisch hat sich die Band selbst in die Schublade des sogenannten Progressive Rock gesteckt. Nach den beiden EPs „The True Bequest“ (2012) und „Hope“ (2014), dem Livealbum „A Symphonic Night Of Prog Rock“ (2014), dem offiziellen Debütalbum „Euphobia“ (2013) liegt nun also das eigentliche Zweitlingswerk vor. Dabei bietet „Inphantasia“ weit mehr als den Prog Rock der Siebziger Jahre. Vielmehr ist es eine Verschmelzung diverser Stilrichtungen.
Durch die Instrumentierung, einem komplexen Rhythmusgefüge mit unvorhersehbaren Taktwechseln und harmonischen Gesangsparts kombiniert die Formation verspielte Folk-Klänge im Mittelalterstil mit gemäßigten Metal-Passagen und klassischen Hardrocksounds; aber auch süßliche Pop-Klänge sind zu finden – eine höchst interessante Mixtur. Mit ihren zwei Leadsängerinnen, einer klassischen Querflöte – im Gegensatz zu Jethro Tull nicht ausschließlich als virtuoses Solo-, sondern auch als liedhaftes Melodieinstrument eingesetzt – und der starken Leadgitarre heben sich Eyevory durchaus von anderen Rockgruppen ab.
Eyevory gingen 2012 an den Start. In der Folge hatte das Quartett auch mit Umbesetzungen – vornehmlich auf der Schlagzeugerposition – zu kämpfen. Motor der Band ist Sängerin und Bassistin Jana Frank, auf deren Gespür für starke Melodien und poetische Texte die meisten Songs basieren. Ihr zur Seite steht Kaja Fischer, die sich auf Gesang, Flöte und Keyboards versteht. Gitarrist der Band ist David Merz, der zusammen mit Jana den Großteil der Songs schreibt. Er steuert auf der Bühne auch (ähnlich wie Geddy Lee von Rush) viele Keyboard-Sequenzen mit Orgel-Pedalen bei. Vierter im Bunde ist Schlagzeuger Arne Suter, der das rockige Fundament baut.
Die Live-Historie der Band ist beachtlich. Als Support waren Eyevory unter anderen schon bei Shows von Saga, für Ray Wilson (Ex-Genesis), Doro Pesch und Manfred Mann‘s Earth Band zu hören. Obendrein wurde die Band zwei Jahre infolge mit dem „Deutschen Rock & Pop Preis“ als „Beste Progressive Band“ ausgezeichnet.
„Inphantasia“ (Artist Station Records / Soul Food) ist ein märchenhaftes Konzeptalbum, dessen Geschichte von einer Fantasiewelt erzählt, in der man eine Reise durch die eigene Kindheit unternimmt. Für das Album kamen rund ein Dutzend Gastmusiker an teilweise exotischen Instrumenten sowie ein Kinderchor zum Einsatz. Wie gesagt: Wenn die Umsetzung klappt, dann steht Barsinghausen ein großes Konzerterlebnis bevor. Der Eintritt kostet 8 Euro im Vorverkauf sowie 10 Euro an der Abendkasse. Tickets gibt es im ASB-Bahnhof, im Bücherhaus am Thie und im Touristoffice in der Osterstraße.
Hörproben:
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