
Niedersachsen. Anlässlich der aktuellen Debatte der EU-Kommission zu einem Verbot der Plattform „TikTok“ und der Meldung von Kinderärzten, dass bereits Kleinkinder zu häufig Medien und insbesondere Internet konsumieren, warnt der Niedersächsische Familien- und Gesundheitsminister und diesjähriger Vorsitzender der Gesundheitsministerkonferenz, Dr. Andreas Philippi, vor den Folgen von Mediensucht bei Kindern und Jugendlichen:
„Die Debatte um den ungesunden Medien- und Onlinekonsum von Kindern und Jugendlichen ist nicht neu. Was aber neu ist, ist die Dimension, die mittlerweile erreicht ist. Die aktuellsten Zahlen der Drogenaffinitätsstudie des Bundesinstituts für öffentliche Gesundheit zeigt, dass rund 96 Prozent der Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren täglich das Internet nutzen, vor allem für digitale Kommunikations- und Unterhaltungsangebote. Gleichzeitig steigt die durchschnittliche wöchentliche Nutzungsdauer digitaler Medien in diesem Alter sowohl bei Mädchen als auch bei Jungen von etwa 23 Stunden in 2019 auf rund 26 Stunden in 2023 an.
Die Folgeschäden von Online- und Mediensucht lassen die Kinderärzte nun bereits bei Kleinkindern Alarm schlagen. Dieses Suchtverhalten von Kindern und Jugendlichen darf Politik nicht einfach hinnehmen. Es schadet den Kindern und es schadet der Gesellschaft durch die Langfristfolgen von Suchtverhalten.
Es wäre aus meiner Sicht sinnvoll, im Bund ein Maßnahmenpaket zu schnüren, um den Kindern und Jugendlichen zu helfen. Die Datenbasis der Drogenaffinitätsstudie des Bundes muss erweitert werden. Leider sehen wir, dass bereits Kleinstkinder von Mediensucht betroffen sind. Wir brauchen auch für das Alter unter 12 eine valide Datenbasis, um das Problem klar benennen zu können. Zudem wäre ein Social Media-Verbot für unter 16-jährige sinnvoll, wie es z.B. im vergangenen Jahr in Australien eingeführt wurde. Drittens braucht es mehr Aufklärung der Eltern. Es muss Erwachsenen verdeutlicht werden, dass Medienkonsum ein hohes Suchtpotential hat und sozialen Rückzug und Isolation sowie verminderte Auseinander-setzung mit Hobbies und Aktivitäten zur Folge haben. Kinder müssen von uns geschützt werden, da ihnen die weitreichenden Folgen des Medienkonsums noch gar nicht bewusst sein können.“







