Der Audienz beim Papst folgt auch ein Gastspiel im Fuchsbachtal

Barsinghausen. Auswärtsspiel – erst beim Papst und dann bei Barsinghausens Ehrenbürger Karl Rothmund. Blöder Vergleich, oder? Bezogen auf DFB-Chefcoach Jogi Löw trifft dieser aber zu, wenngleich das Gastspiel des Bundestrainers in Barsinghausen wohl keiner Audienz gleich kommt. Diese wird noch in diesem Monat im Vatikan stattfinden. Fakt ist aber auch, dass Löw im Februar 2017 am Deister erwartet wird, und zwar als Stargast beim 6. Krombacher Neujahrstreffen.

Von Erk Bratke

Kürzlich, als die Fußball-Nationalmannschaft in Hannover ihr WM-Qualifikationsspiel gegen Nordirland (2:0) absolvierte, gab es kein Stelldichein des amtierenden Weltmeister in der Deisterstadt. Nach den Ereignissen um das abgesagte Holland-Länderspiel vor rund einem Jahr hatte der DFB-Tross das ansonsten gern gebuchte Sporthotel im Fuchsbachtal nicht als Quartier gewählt. Soll aber eine Ausnahme gewesen sein, sagte Team-Manager Oliver Bierhoff.

Während der Jogi üblicherweise in Barsinghausen seinem Job als Chefcoach der Deutschen Nationalmannschaft nachkommt, „kommt der Weltmeistertrainer nun als Privatmann an den Deister“, schreibt die NFV-Presse. Und weiter: „Der Niedersächsische Fußballverband ist stolz und glücklich, mit Bundestrainer Joachim Löw am Dienstag, 7. Februar 2017, einen hochkarätigen Stargast beim Neujahrstreffen präsentieren zu können.“ Eine Talkrunde mit dem populären Süd-Badener wird von Gerhard Delling geleitet. Auch der beliebte TV-Moderator war schon häufiger zu Gast im Fuchsbachtal.

Vermittelt habe den Auftritt Löws dessen Berater Harun Arslan, zu dem NFV-Präsident Karl Rothmund seit vielen Jahren eine freundschaftliche Verbindung pflegt. Rothmund habe Arslan während dessen Vorstandstätigkeit für den hannoverschen Verein SV Damla Genc kennen und schätzen gelernt. Der Deutsch-Türke habe in den vergangenen Jahren wiederholt Trainingslager von türkischen Mannschaften für das Sporthotel Fuchsbachtal vermittelt. „In meinem letzten Jahr als NFV-Präsident wird der Besuch von Joachim Löw ein absolutes Highlight für mich darstellen. Ich bin Harun dankbar, dass er diesen lang gehegten Wunsch von mir realisieren konnte“, freut sich Barsinghausens Ehrenbürger schon heute auf den kommenden Februar.

Rothmund selbst war es, der aus dem einstigen (kleineren) „Neujahrstreffen für Niedersachsens Sportjournalisten“ das jetzige (größere) „Krombacher Neujahrstreffen“ machte. Ein Event, das sich seit seinen Anfängen stark gewandelt hat. Stand einst die schreibende und fotografierende Zunft im Mittelpunkt des geselligen Treffens, so stehen nunmehr hochrangige Gäste alljährlich im Blickpunkt.

Gastgeber: NFV-Präsident Karl Rothmund mit Dieter Hecking (links) und Tayfun Korkut (rechts), dem Star-Gast-Duo aus dem Jahr 2015. Foto: Bratke
Gastgeber: NFV-Präsident Karl Rothmund mit Dieter Hecking (links) und Tayfun Korkut (rechts), dem Star-Gast-Duo aus dem Jahr 2015. Foto: Bratke

Kinder, wie die Zeit vergeht – ein Rückblick: Geladene Gäste im Fuchsbachtal, das war schon immer so. Als Bernd Jankowski (ehemaliger Redakteur beim „kicker“) zu Beginn der 1990er Jahre seine Idee des NFV-Neujahrstreffens für Sportjournalisten initiierte, genügte zumeist ein kurzer Anruf in der Verbandspressestelle, um die Teilnahme bestätigen zu lassen. Neben den Medienvertretern wurden seinerzeit auch immer wieder interessierte Vereinsvertreter gesichtet – und dies nicht ohne Grund, ging es doch stets um aktuelle Themen des Amateur- und Profifußballs.

Indes mussten die Journalisten ihre Teilnahme durchaus akribisch planen, denn in seinen Anfängen war das Neujahrstreffen auf die Dauer von drei Tagen angelegt. Urlaub, freie Tage oder aber während der Veranstaltung Bericht erstatten. Sogar an Sportkleidung musste damals gedacht werden, denn zum Abschluss des Events sollten sich die Journalisten im Wettstreit messen. Möglicher Hintergedanke: Wer das Spiel beherrscht, über das er berichtet, dem fällt die Schreibe leichter.

So kam es nach der sprichwörtlichen 3. Halbzeit des Vorabends, die ausdrücklich der launigen Kontaktpflege und des Gedankenaustauschs diente, tags darauf zum Wettkampf. Körperliche Ertüchtigung: Unter den Augen der Verbandssportlehrer wurden seinerzeit das DFB-Fußballabzeichen abgelegt, teilweise technische Kabinettstückchen ausprobiert, aber auch journalistische Doppelpässe geübt. Selbstverständlich durfte letztendlich ein Abschlussspiel nicht fehlen. Sogar an einen Pokal für den punktbesten Teilnehmer hatte Pressemann Jankowski gedacht. Übrigens: Die Erstausgabe dieser Trophäe aus dem Jahr 1991 steht heute noch in Barsinghausen.

Da die Liste mit prominenten Gästen im Laufe der Jahre stetig populärer wurde, wuchs verständlicherweise auch die Zahl der Interessenten. Reichten zu Beginn noch verschiedene Seminarräume des Sporthotels aus, so vollzog sich der Wechsel in den großen Saal Niedersachsen quasi im Alleingang. Das NFV-Neujahrstreffen erreichte überregionalen Bekanntheitsgrad und die Stadt Barsinghausen erlebte nicht selten den oft zitierten „großen Bahnhof“.

In der Folge gastierte nahezu die komplette DFB-Funktionärselite beim Sportjournalistentreffen. Von Egidius Braun über Gerhard Mayer-Vorfelder und Theo Zwanziger bis hin zu Wolfgang Niersbach – um nur einige zu nennen. Auch Spitzenmanager, -trainer und -schiedsrichter fungierten reihenweise als Ehrengäste. Nach und nach gerieten die Themen des Amateurfußballs in den Hintergrund.

Nach dem „9. Neujahrstreffen des NFV mit Sportjournalisten“ (so der damalige offizielle Titel) im Jahre 1999, bei dem DFB-Teamchef Erich Ribbeck und DFB-Trainer Dietrich Weise im Fuchsbachtal logierten, schien der Höhepunkt des öffentlichen Interesses erreicht. Weit gefehlt, denn schon zwei Jahre später wurde das Event bei seiner elften Auflage mit dem Hauptthema „Die Nationalmannschaft auf dem Weg zur WM 2002“ getoppt. Prominenteste Gäste der nun zweitägigen Veranstaltung waren Weltmeister Rudi Völler als DFB-Teamchef und Trainer Michael Skibbe als sportlicher Direktor. Die Talk-Runden wurden mittlerweile nicht nur von den Printmedien begleitet, sondern auch von zahlreichen Rundfunk- und Fernsehanstalten übertragen.

Audienz beim Kaiser: Für das Neujahrstreffen (2002) mit Franz Beckenbauer musste in die Karl-Laue-Halle umgezogen werden. Foto: Bratke
Audienz beim Kaiser: Für das Neujahrstreffen (2002) mit Franz Beckenbauer musste in die Karl-Laue-Halle umgezogen werden. Foto: Bratke

Wiederum nur ein Jahr später (2002) wurde auch dieser Höhepunkt in den Schatten gestellt: Franz Beckenbauer gastierte in Basche. Verständlicherweise war nun auch der Saal Niedersachsen zu klein geworden – die Karl-Laue-Halle musste für das Neujahrstreffen Nummer 12 herhalten, und selbst die große Sporthalle drohte seinerzeit aus allen Nähten zu platzen. Klar doch, mehr als „der Kaiser“ ging nicht. Ob das wohl heute noch so wäre?

In den Folgejahren veränderte die Veranstaltung ihr Gesicht. Seit dem 1. Januar 2010 ist die Krombacher Brauerei Premiumpartner des Niedersächsischen Fußballverbandes und des Sporthotels Fuchsbachtal. Das „Krombacher Neujahrstreffen“ bietet nun alljährlich persönlich eingeladenen Gästen aus Sport, Politik und Wirtschaft einen unterhaltsamen Abend.

Feinster Talk: Unterhaltsamer als Günter Netzer (links) und Gerhard Delling geht’s wohl kaum. Foto: Bratke
Feinster Talk: Unterhaltsamer als Günter Netzer (links) und Gerhard Delling geht’s wohl kaum. Foto: Bratke

Wer dabei war, muss feststellen, dass das Fußballgeschäft ein besonders kurzfristiges sein kann – sowohl beim Deutschen Fußball Bund als auch bei den Proficlubs. 2013 waren Generalsekretär Helmut Sandrock und Sportdirektor Robin Dutt zu Gast; beide besetzen heute bekanntermaßen nicht mehr ihre Ämter beim DFB. Zwei Jahre später (2015) bildeten Dieter Hecking und Tayfun Korkut ein Star-Gast-Duo; auch die beiden Trainer stehen nicht mehr in den Diensten ihrer damaligen Clubs aus Wolfsburg beziehungsweise Hannover. Dazwischen (2104) sorgte das TV-Kult-Duo Netzer & Delling für den wohl bislang unterhaltsamsten Talk in der Historie der Neujahrstreffen. Fraglich, ob Jogi Löw und Gerhard Delling das toppen können. Kann sein, muss ja aber auch nicht…

Zum Thema

Nochmal Jogi Löw: Der Bundestrainer bleibt dem deutschen Nationalteam erhalten. Wie der DFB mitteilte, verlängert Löw seinen Vertrag vorzeitig um weitere zwei Jahre bis 2020. DFB-Präsident Reinhard Grindel und Generalsekretär Dr. Friedrich Curtius verkündeten am Montag in einer Pressekonferenz in Frankfurt die Vertragsverlängerung mit dem DFB-Trainer. Grindel hatte bereits im Vorfeld gesagt: „„Ich habe immer gesagt, dass Joachim Löw der beste Trainer ist, den wir uns vorstellen können.“

Löw arbeitet mittlerweile seit 2004 beim DFB mit dem Nationalteam, zunächst als Assistent von Jürgen Klinsmann und seit 2006 als verantwortlicher Bundestrainer. Die bisherige Krönung erlebte Löw zweifellos mit seinem Team beim WM-Titelgewinn 2014 in Brasilien – und der soll verteidigt werden. Die Worte Löws zur Vertragsverlängerung hielt der DFB im Video fest: www.dfb.de

Mit Bus in Barsinghausens Fußgängerzone: Bundestrainer Jogi Löw. Foto: Bochers
Mit Bus in Barsinghausens Fußgängerzone: Bundestrainer Jogi Löw. Foto: Borchers