
Farmerin oder Rockstar – zwei Berufswünsche aus Kindertagen von Heidi Solheim. Die Norwegerin entschied sich für die Musikbranche. Nicht nur wegen wegen des brandneuen Albums ihrer Band „Pristine“ war es eine gute Wahl. Andernfalls wäre eine derartige Klasse-Stimme wohl gänzlich verborgen geblieben.
Von Erk Bratke
Pristine / „Reboot“ (Pristine Music Production/Cargo): Das Sextett aus Tromsö im Norden Norwegen gilt als einer der interessantesten Newcomer des noch jungen Jahres. Grob gesagt spielt die Band härteren Bluesrock. Sängerin Solheim ist in ihrem Heimatland als Solokünstlerin durchaus schon sehr bekannt und kann auf eine umfangreiche Discographie blicken. 2013 nahm sie bei der norwegischen Variante von „The Voice“ teil.
Dass das dritte Album von Pristine – zugleich das erste, das außerhalb Norwegens erscheint – so nachdrücklich nach den Siebzigern klingt, kommt nicht von ungefähr. Heidi Solheim, die rothaarige Frontfrau, alleinige Songschreiberin und Chef-Organisatorin der Band, wuchs damit auf, unzählige Stunden Aretha Franklin, die Eagles und die Beatles aus der Plattensammlung ihres Vaters zu hören. Keine ganz so schlechte Wahl. Später kamen Led Zeppelin und Grand Funk Railroad hinzu – eine noch bessere Wahl, oder?

Dieser musikalische Einfluss traf auf ein Klima extremer Gegensätze, was Frau Solheim folgendermaßen beschreibt: „Der Winter ist lang mit tagelanger kompletter Dunkelheit. Der Sommer ist kurz mit Mitternachtssonne und 24 Stunden Tageslicht. Es kann so kalt werden, dass man Eiszapfen an den Augenbrauen hat, oder so heiß, dass man kaum atmen kann. Die Natur ist wild mit hohen Bergen und unberührten Wäldern, schön und eindringlich zugleich. Aus dieser Erfahrung lässt sich eine Menge Inspiration ableiten“. Aha!
Gemeinsam mit Espen Elverum Jakobsen (Guitar), Åsmund Wilter Eriksson (Bass), Kim Karlsen (Drums), Anders Oskal (Organ/Keys) und Benjamin Mørk (Organ/keys) entführt uns die Sängerin eine Dreiviertelstunde lang mit zehn Songs auf einen psychedelischen Rock-Trip, der in erster Linie an die großen Led Zep erinnert.
Alle Basic Tracks von „Reboot“ entstanden 100-prozentig live, und hinzugefügt wurde nur eine Handvoll Overdubs. Das Album lebt neben seinem Songwriting auch von einem ungewöhnlichen Sound, der sich bewusst von vielen der zahl- und auch leblosen „copy & paste“-Produktionen unterscheidet. Keinerlei Produktionsfirlefanz. Leidenschaft und Energie zeichnen die Band aus. Ihre Mitmusiker betrachtet die Rockröhre als Brüder.
Nach einer Jimmy Page-Hommage als Opener folgt mit „All Of My Love“ ein schneller Retro-Rocker, dem man sich nur schwer entziehen kann und der gleichzeitig die erste Single darstellt. Nach Club-Gigs, Festivalauftritten und Auszeichnungen wie „Winner of the Norwegian Blues Cup“ stehen Pristine in den Startlöchern, um auch außerhalb ihrer Heimat durchzustarten. Hoffentlich mit Erfolg, denn „Reboot“ ist ein cooles Album.
Hier der Videoclip zur ersten Single “All of my Love”:
[youtube youtubeurl=“JaaGOPJJGGE“ ][/youtube]






