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  • 17. Juli 2018
DFB-Preis für TSV-Kicker und ihr integratives Engagement

DFB-Preis für TSV-Kicker und ihr integratives Engagement

Barsinghausen (eb). „Nun ja, aktuell kommt es vor, dass mehrmals in der Woche das Telefon klingelt oder Emails in unserem Postfach eingehen“, sagt Ulla Völkner. Dann gilt es Informationen zu sammeln und weiter zu geben. Für sie geht es dabei um interessierte Fußballkinder, die als Flüchtlinge in der Deisterstadt zu Hause sind – „und eben bei uns Fußball spielen möchten“, verdeutlicht die Integrationsbeauftragte.

Klares Statement am Stadioneingang: Bei den Barsinghäuser TSV-Fußballern gibt es keinen Platz für Ausländerfeindlichkeit – ganz im Gegenteil: Integrationsarbeit wird groß geschrieben.

Klares Statement am Stadioneingang: Bei den Barsinghäuser TSV-Fußballern gibt es keinen Platz für Ausländerfeindlichkeit – ganz im Gegenteil: Integrationsarbeit wird groß geschrieben.

Seit der jüngsten Jahreshauptversammlung ist Ulla Völkner Vorstandsmitglied in der Fußballsparte des TSV Barsinghausen. Neuland einerseits, aber auch altbekanntes Terrain andererseits. Routiniers der TSVer nennen ihre neue Mitstreiterin „eine Zugereiste“, was zweifellos liebevoll gemeint ist. „Wir sind sehr froh darüber, dass wir Ulla für unsere Sache gewinnen konnten“, urteilt beispielsweise Dennis Völkers. Der stellvertretende Abteilungsleiter der TSV-Kicker spricht – wie seine Kollegen auch – voll des Lobes über das Engagement von Ulla Völkner.

Die 62-jährige Völkner zog vor rund sieben Jahren mit ihrem Ehemann Reinhold aus Hannover an den Deister. In der Kernstadt fühlt sie sich pudelwohl. Es dauerte nicht lange, da waren erste Kontakte zu unterschiedlichen Gruppen geknüpft. Der Fußball und sein Ehrenamt ist für Völkner keineswegs Neuland. In früheren Zeiten stand sie schon mal dem SV Kleeblatt Stöcken vor. Dies wiederum brachte ihr Wohnungsnachbar Klaus Häußler – bei den TSVern als Schiedsrichterobmann und Platzwart tätig – in Erfahrung und lud „die Neue“ einfach mal zu einer Vorstandssitzung ein.

Nach einem Kennenlernen musste nur noch der passende Job im Vorstandsgremium gefunden werden. Vakant war zu diesem Zeitpunkt eigentlich nur die vom Fußballverband gewünschte Position des Ehrenamtsbeauftragten. „Diesen Posten hielten wir jahrelang für überflüssig. Es gibt ganz andere Baustellen, um die wir uns bemühen müssen. Da konnten wir uns nicht noch um das eigene Ehrenamt kümmern“, betont Vorstandsmitglied Erk Bratke. Auf seinen Vorschlag hin wurde aber eben jene Position durch die Neueinführung eines Integrationsbeauftragten ergänzt. „Zweifellos hat genau dort die ehrenamtliche Arbeit enorm zugenommen. Den neuen Job sahen wir als längst überfällig an, weil wir die von Ulla erwähnten Telefonate und Mails neben unserer normalen Vorstandsarbeit nicht nebenher erledigen konnten – für uns also eine absolut zeitgemäße Position“, so Bratke.

Völkner wurde auf der JHV einstimmig gewählt und ging sofort ans Werk. Natürlich trat sie zuvor als Mitglied in die TSV-Sparte ein. Anfangs rieb sich Enno Bock aus der Mitgliederverwaltung des Gesamtvereins bei Abgabe der Eintrittserklärung fast verwundert die Augen. Eine Frau wird freiwillig Mitglied in der Fußballsparte? Ja, so ist es.

„Selbstverständlich ist uns bewusst, dass die Integrationsarbeit an zahlreichen Stellen materiell und finanziell gefördert wird. Dies gilt es aufzuarbeiten. Klar, ist auch, dass meine Vorstandskollegen neben ihrem hauptberuflichen Job kaum Zeit dafür haben. Für mich passt das prima“, sagt Völkner. Soeben erreicht sie wieder ein Anruf aus dem städtischen Sozialamt. Kinder, aber auch Erwachsene wollen beim TSV Fußball spielen – also wird nach den passenden Trainingszeiten gefragt.

Trainingsgruppe mit Asylanten: Regelmäßig trainiert die II. Herrenmannschaft des TSV B mit Asylsuchenden aus der Flüchtlingsunterkunft in Goltern.

Trainingsgruppe mit Asylanten: Regelmäßig trainiert die II. Herrenmannschaft des TSV B mit Asylsuchenden aus der Flüchtlingsunterkunft in Goltern.

Dass sich der TSV Barsinghausen nicht erst seit gestern um die Integration der neuen Mitbürger bemüht, ist hinlänglich bekannt. Schon vor einem Jahr, als noch nicht absehbar gewesen sei, wie viele Flüchtlinge nach Deutschland kommen, hatte der Verein Kontakte zu Flüchtlingen aus dem Wohnheim in Goltern geknüpft. Nach einem Deutschunterricht wurde kurzerhand gemeinsam im REWE-Sportpark gekickt. „Einige blieben und trainieren nun regelmäßig bei uns“, weiß Dennis Völkers.

Geschenke zur Kontoeröffnung in der SSK: Die Vorstandsmitglieder Erk Bratke (links) und Heinz-Werner Gottlob (stehend) rüsteten Flüchtlingskinder mit Fußballutensilien aus.

Geschenke zur Kontoeröffnung in der SSK: Die Vorstandsmitglieder Erk Bratke (links) und Heinz-Werner Gottlob (stehend) rüsteten Flüchtlingskinder mit Fußballutensilien aus.

Was mit Herrenspielern begann wurde für die Jugend fortgesetzt. Bei den „Kontoeröffnungstagen“ der Stadtsparkasse Barsinghausen verteilten Vorstandsmitglieder Trikots, Hosen und Bälle an Flüchtlingskinder. „Später sind wir auch auf jugendliche Flüchtlinge im Jugendheim Am Waldhof zugegangen“, berichtet Ulla Völkner. Erste Kontakte hatte die I. Herrenmannschaft geknüpft, die mit einer selbst initiierten Spende aus der Teamkasse im Kinderheim aufgelaufen war.

So, und wenn man so will, gab’s jetzt den ersten Erfolg für den TSV Barsinghausen – soll heißen: Die TSV-Kicker sind für ihre Integrationsarbeit von der DFB-Stiftung Egidius Braun ausgezeichnet worden. Vor dem Anpfiff des letzten Landesliga-Heimspiels gegen den Heesseler SV überreichte der stellvertretende NFV-Kreisvorsitzende Berthold Kuban den DFB-Scheck an Völkers und Völkner. Bei der Übergabe waren Refaat Hasso und Volkan Culha mit von der Partie. Der eine Akteur seit 13 Jahren Teammitglied der I. Herren, der andere als Jugendlicher bei Basche United groß geworden. Beide sind Spieler mit Migrationshintergrund – beim TSV B keine Seltenheit.

500 Euro ist der Preis und ein Teil des Unterstützungsprogramms „1:0 für ein Willkommen“ der DFB-Stiftung. „Wir sind dankbar, wissen aber auch, dass dies nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist“, bekräftigt die ehrenamtliche Integrationsbeauftragte. Die Arbeit unserer Trainer, Materielles wie Ausrüstungsgegenstände und nicht zuletzt die beitragsfreie Mitgliedschaft – all dies gehöre neben der Kontaktpflege als soziale Komponente zur integrativen Arbeit der Barsinghäuser TSV-Fußballer.

Scheckübergabe im REWE-Sportpark: Berthold Kuban (rechts) vom Fußballkreis Hannover-Land überreichte den DFB-Scheck an die TSVer Volkan Culha, Dennis Völkers, Ulla Völkner und Refaat Hasso (von links).

Scheckübergabe im REWE-Sportpark: Berthold Kuban (rechts) vom Fußballkreis Hannover-Land überreichte den DFB-Scheck an die TSVer Volkan Culha, Dennis Völkers, Ulla Völkner und Refaat Hasso (von links).

 

Zum Thema

Kreisliga-Klassenerhalt in letzter Sekunde und furioser Landesliga-Aufstieg – das war der Ergebnis der Vorsaison. Eine Spielzeit weiter: Die TSV-Reserve schlug sich diesmal wesentlich besser, allerdings blieb die Landesliga für die I. Herren nur ein einjähriges Abenteuer. Der Abstieg stand bereits vor dem letzten Heimauftritt der Kropp-Elf fest. Für Fans und Freunde der „Barsinghäuser Jungs“ längst kein Grund in Groll zu verfallen. Vielmehr sorgte der „Club 100“ abermals für eine fulminante Saisonabschlussfeier am und im TSV-Vereinsheim.

„Getränke frei“ lautete wie schon in den Vorjahren das Motto der Party. Kein Wunder also, dass der TSV-Anhang auf der „Korki“-Terrasse mehr als 100 Köpfe zählte. Trainer Thorsten Kropp bekräftigte ob der guten Stimmung: „Wir kommen wieder!“

Saisonabschluss ist gleichzeitig auch immer wieder ein Thema in Sachen „Verabschiedungen und Danksagungen“. Stellvertretend hier nur einige Beispiele: Nach unglaublichen 13 Jahren verabschiedete sich Refaat Hasso aus dem Kreis der I. Herrenmannschaft. Gleiches gilt auch für Vitalij Scholochow, der allerdings privat verhindert war und dessen Ehrung sicherlich nachgeholt wird. Beide Spieler, so hoffen die TSVer, werden künftig die Reserve unterstützen.

Schluss, jetzt wird’s lustig: Die Kapitäne Dennis Mehrkens (links) und André Brockmann (rechts) verabschieden Refaat Hasso.

Schluss, jetzt wird’s lustig: Die Kapitäne Dennis Mehrkens (links) und André Brockmann (rechts) verabschieden Refaat Hasso.

Gar tränenreich verlief der Abschied von Herbert Wegel. Rechte Hand von Coach Kropp, Torwarttrainer oder einfach der „Mann für alle Fälle“. Wegel will nach mehreren Dekaden kürzer treten. Jens Möbes soll Nachfolger werden, und dies in doppelter Hinsicht (Co-Trainer und Teammanager). Überraschendes gab’s auch: Die beiden Alt-TSVer Jens Oelmann und Bernhard Nytz überreichten der II. Herrenmannschaft einen Sack neuer Bälle. Weitere Fotos veröffentlicht der TSV auf seiner Homepage unter www.fussball-tsv-barsinghausen.de

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Will kürzer treten: Herbert Wegel (links). Als Nachfolger gesetzt: Jens Möbes. Fotos: Bratke / Grothe / Schader / SSK

 

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