• 19. Juni 2018
Die Premier League zeigt gute Beispiele

Die Premier League zeigt gute Beispiele

Kirchdorf. Henning Wolters, wohnhaft im Barsinghäuser Ortsteil Kirchdorf, ist langjähriger Mitarbeiter im NFV-Fußballkreis Hannover Land. Als Staffelleiter ist er beispielsweise auch für die Kreisliga 3 verantwortlich. In der laufenden Saison musste er sich bereits mit mehreren Spielabbrüchen auseinandersetzen.

Von Erk Bratke

DJ: Die Spielabbrüche wegen Auseinandersetzungen haben eindeutig zugenommen. Auch in der heimischen Herren-Kreisliga 3, oder?
Wolters: Das ist leider richtig. Mal sind es die Trainer und Betreuer, welche das Spiel anheizen und auf der anderen Seite leider auch Zuschauer, die Spieler und auch Schiedsrichtergespanne aufs Übelste beschimpfen. Was mich allerdings besonders verärgert, sind Mannschaften, welche kurz vor Spielabpfiff den Platz verlassen, weil sie angebliche Entscheidungen des Schiedsrichtergespanns anzweifeln oder nicht akzeptieren wollen.

DJ: Woran liegt es Ihrer Meinung nach, dass das Ausmaß an Konflikten derart rasant zugenommen hat?
Wolters: Das Unrechtsbewusstsein hat leider drastisch nachgelassen. Dies betrifft den Jugend- und Herrenbereich gleichermaßen – ein Spiegelbild unserer heutigen Gesellschaft.

DJ: Sie sind langjähriger Staffelleiter. Kennt man seine Pappenheimer, um es mal salopp auszudrücken?
Wolters: Ja, natürlich. Es gibt in jeder Saison drei bis vier Mannschaften im Bereich West, die besonders auffällig sind. Diese werden dann durch mich oder andere Kollegen mehrfach beobachtet. Allerdings passiert bei unserer Anwesenheit meistens nichts vor Ort.

DJ: Möchte man nicht manchmal alles hinschmeißen?
Wolters: Nein, auf keinen Fall. Ich mache die Aufgabe als Bereichsleiter-West und Staffelleiter seit 15 Jahren. Ich habe immer noch großen Spaß, was auch daran liegt, dass ich bei den Verantwortlichen der Vereine gut bekannt bin und immer das Gespräch und den Kontakt einer Email vorziehe.

DJ: Welche Rolle spielen bei den Ereignissen im Amateurfußball die sogenannten Vorbilder bei den Profis?
Wolters: Ich empfinde es als schlimm, wenn sich Spieler nach einem Allerweltsfoul auf dem Rasen wälzen als seien sie frisch vom Blitz getroffen worden oder Trainer in ihrer Zone einen cholerischen Anfall bekommen. Dieses macht nicht nur den Profifußball kaputt, sondern wirkt sich auch gravierend auf den Amateurfußball aus.

DJ: Der Niedersächsische Fußballverband ist Pionier in Sachen Fair Play-Wettbewerben. Greifen die Maßnahmen nicht?
Wolters: Die Leistung des NFV ist gut, dennoch ist Fair-Play ein langwieriger Prozess.

DJ: Hat Fair Play keine Chance mehr?
Wolters: Fair Play hat immer eine Chance! Man sollte sich die englische Premier League öfter mal anschauen. Verhalten der Zuschauer im Stadion gegenüber den Mannschaften, Spielern und Schiedsrichtern ist ein gutes Beispiel, wie Fair Play funktionieren kann.

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