• 20. Oktober 2018
Dieser Schweinebande wird die Gastfreundschaft gekündigt

Dieser Schweinebande wird die Gastfreundschaft gekündigt

Kirchdorf. Die Kirchdorfer Gastfreundschaft ist hinlänglich bekannt. Zweifellos gilt dies nicht für alle Gäste – vor allem nicht für diejenigen, die jüngst der Sportanlage an der Max-Planck-Straße verstärkt ihren Besuch abstatteten. Verständlicherweise, denn das, was sich kurz vor dem Frühlingsanfang in den Nächten und frühen Morgenstunden dort abspielt, treibt zumindest dem 2. Vorsitzenden Günter Hoff die Zornesröte ins Gesicht.

Von Erk Bratke

„Wildschweinplage – möglicherweise ein zu hoch gegriffenes Wort. Kann man das so nennen? „Keine Ahnung, aber von Bekannten habe ich so was schon gehört“, sagt Hoff. Auf jeden Fall erhält das Schimpfwort „blödes Schwein“ beim TSV Kirchdorf eine gänzlich neue Bedeutung. Kein Wunder, wenn man sich diverse Flächen der Sportanlage anschaut.

Zunächst machten es sich die Wühler aus dem Deister auf dem A-Platz gemütlich – großflächig und gut verteilt auf der Rasenfläche zwischen beiden Fußballtoren. Die TSV-Verantwortlichen traten bereits mit der heimischen Jägerschaft in Verbindung. Der Spurensuche vor Ort folgte eine unmissverständliche Absage. „Der Rechtsbeistand der Jagdpächter hat uns gegenüber eine Kostenübernahme des Schadens abgelehnt“, teilt Hoff mit.

Dafür gibt es Stadionverbot: Der A-Platz der Kirchdorfer Sportanlage ist unbespielbar.

Dafür gibt es Stadionverbot: Der A-Platz der Kirchdorfer Sportanlage ist unbespielbar.

Auf welch kuriose Art und Weise die ungebetenen Gäste – auch Wildschweine genannt – ihren Weg auf die Sportanlage am Barsinghäuser Schulzentrum finden, kann nur vage formuliert werden. Fragt man bei den Sportlern des TSV Kirchdorf nach, dann kommt zumeist als Antwort: „Klar, die kommen aus dem Deister“. Ach was, wer hätte das gedacht?! Hoff selbst weiß es ein wenig genauer. Leichtathleten, die in den frühen Morgenstunden auf der Laufbahn ihre Runden drehen, hätten schon bis zu drei Tiere am Wall zwischen A- und B-Platz gesehen. „Verscheuchen durch in die Hände klatschen hilft da nicht“, bekräftigt Günter Hoff und spricht dabei auch von einer nicht ganz ungefährlichen Angelegenheit.

Nach dem A-Platz war zuletzt übrigens der angeschlossene Hang in Richtung Tennisplätze und Boule-Anlage an der Reihe. Dort werden üblicherweise Zuschauer vermutet, allerdings nicht nachts. Standfest müssen sie also sein, die Schweine – auch beim Wühlen auf der Schräge. Und weil’s so schön war, gingen die unliebsamen Gäste einfach noch ein paar Schritte weiter…

Am Clubheim: Der Schul-Klettergarten wurde ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen. Foto: Bratke

Am Clubheim: Der Schul-Klettergarten wurde ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen. Foto: Bratke

Das muss man sich mal bildlich vorstellen: „Los Jungs, weiter“, brüllt der Anführer der Schweinebande und steuert schnurstracks den Hang hinauf, lässt den B-Platz im wahrsten Sinne des Wortes links liegen (ist ja auch nur ’ne Plastikwiese), um dann kurz nach rechts abzubiegen, vorbei am TSV-Clubheim… – denn wenige Meter später wartet mit dem Klettergarten der Schulen ja die nächste leckere Spielwiese. Verdächtige Spuren sind dort jedenfalls ebenfalls sichtbar.

Dass der TSV Kirchdorf für den entstandenen Schaden nicht aufkommen will und kann, ist nur allzu verständlich. „Also haben wir jetzt die Stadt eingeschaltet“, betont Hoff. Schließlich gehe es ja auch um die Schulen, die die Sportanlage ebenfalls nutzen. Ein Ortstermin ist für den 16. März gesetzt, gleich früh morgens um 7.45 Uhr. Vielleicht trifft man ja dabei auf die unliebsame Schweinebande, zeigt die Rote Karte, spricht ein Stadionverbot aus oder noch besser: überreicht sogleich einen Kostenvoranschlag für den Schaden. „Spaß bei Seite“, sagt Günter Hoff, „uns ist wirklich nicht zum Lachen zumute“.

weitere Artikel