• 19. Juni 2018
Drei Brüder drücken ihm die Daumen – Jan-Erik Eichhorn

Drei Brüder drücken ihm die Daumen – Jan-Erik Eichhorn

Egestorf. Zu Hause ist er in Egestorf, seine ersten Ballversuche machte er beim TSV Kirchdorf und jetzt ist er in der U13 (D-Junioren) des Leistungszentrums von Hannover 96 eine feste Größe. Auch der Niedersächsische Fußballverband (NFV) hat ihn auf dem Zettel: Jan-Erik Eichhorn – ein Hausbesuch.

Von Erk Bratke

Ortstermin in einer schmucken Neubausiedlung in Egestorf. Mama Kerstin öffnet die Tür, freut sich ebenso wie ihre vier „wilden Kerle“ auf das Treffen mit dem Deister-Journal. Die Rasselbande genießt gemeinsam einen Ferientag. Julius (15 Jahre), Jan-Erik (13), Felix (11) und Linus (8) – vier Jungs und trotzdem kein Chaos. „Es klappt ganz gut“, sagt Kerstin Eichhorn lächelnd. Quasi als Beweis verkrümeln sich drei der vier Sprösslinge flugs in ihre Kinderzimmer. Sympathisch, freundlich, pflegeleicht – alle Achtung!

Jan-Erik Eichhorn

Zeitungsausschnitte: Für Jan-Erik und seine Brüder sammelt Mama Kerstin die Berichte.

Protagonist beim DJ-Hausbesuch ist diesmal Jan-Erik. „Weißt du eigentlich, warum wir uns heute treffen?“ lautet die erste Frage. „Joa, ich glaub‘ schon. Wir wollen über Fußball reden“, antwortet der Teenager, der am 15. Januar gerade seinen 13. Geburtstag gefeiert hat. Genau, und dies nicht ohne Grund. Jan-Erik ist ein Nachwuchstalent vom Deister – wie es so schön heißt. Wenn alles nach Wunsch läuft, dann könnte er in ein paar Tagen „Avacon-Cup-Sieger“ und damit Niedersachsenmeister der U13-Junioren sein. Mit seinem Team von Hannover 96 hat er sich für die Endrunde qualifiziert (siehe Artikel „Talentschmiede: Stützpunkt Basche fehlt beim Avacon-Cup“).

„Erzähl‘ mal – wann fing das mit dem Fußball an?“ Jan-Erik überlegt: „Hm, das ist schon so lange her.“ Stimmt doch gar nicht, aber nun gut: Vier-fünf Jahr sind im Kindesalter natürlich eine unglaublich lange Zeit. Gut, dass Mama Kerstin das Gespräch verfolgt und dadurch bei Daten und Fakten aushelfen kann. Von Beginn an sammelt Mutter Eichhorn die Zeitungsberichte ihrer Jungs. Fein in Ordnern abgeheftet, so ist die Recherche schnell erledigt. Gemeinsam blicken wir zurück auf das Jahr 2009.

Meisterschaft: Mit der I. F-Jugend des TSV Kirchdorf unter Trainer Hannes Kuban (stehend) feierte Jan-Erik (Dritter von links) seinen ersten Titelgewinn.

Meisterschaft: Mit der I. F-Jugend des TSV Kirchdorf unter Trainer Hannes Kuban (stehend) feierte Jan-Erik (Dritter von links) seinen ersten Titelgewinn.

Jan-Erik hatte seinen ersten Auftritt im Dress des TSV Kirchdorf. Als G-Junior mischte er beim Pfingstturnier im Barsinghäuser REWE-Sportpark mit. „Ich habe gleich einen Hattrick gemacht“, erinnert er sich. Von da an war er Feuer und Flamme. Zuvor war Kinderturnen angesagt, doch da war Jan-Erik unterfordert. Auch die Leichtathletik kam hinzu – klar, weil er schnell laufen konnte. Beides parallel, das geht nicht lange gut. Da ihn das Fußballfieber gepackt hatte, war der Weg vorgezeichnet. „Fußball, da hab ich voll Bock drauf!“

Das Talent war größer als bei seinen Altersgenossen und wurde früh entdeckt. Papa Marc Sperl, selbst noch aktiver Fußballer bei den Alten Herren der SG Kirchdorf/Barsinghausen, meldete den Filius bei einem Tag zur Talentsichtung bei Hannover 96 an.

Vom TSV zum HSV: Im Sommer 2011 wurde Jan-Erik Eichhorn (Mitte) von den Kirchdorfer Jugendleitern Matthias Thillmann (links) und Markus Fischer (rechts) in Kirchdorf verabschiedet.

Vom TSV zum HSV: Im Sommer 2011 wurde Jan-Erik Eichhorn (Mitte) von den Kirchdorfer Jugendleitern Matthias Thillmann (links) und Markus Fischer (rechts) in Kirchdorf verabschiedet.

Im Eilenriedestadion klappte es gut. Jan-Erik fiel den Ausbildern der „Roten“ auf. Jens Rehhagel, der Leiter des 96-Leistungszentrums, meldete sich mit einem Einladungsbrief zu einem weiteren Training. Torwart-Titan Oliver Kahn würde wohl sagen: „Weiter, immer weiter.“

Nur zwei Jahre später, im Sommer 2011, erfolgte der Wechsel vom TSV Kirchdorf in die U10 von Hannover 96. Brachte ihn zunächst Mama Kerstin mit dem Auto zum Training in die Landeshauptstadt, wurde Jan-Erik wenig später selbstständig. Nicht selten sah man am Kirchdorfer Bahnhof einen „Dreikäsehoch“ stehen, der kurz darauf mit einer riesigen Sporttasche bepackt in die S-Bahn Richtung Hannover einstieg. Cool!

Wer beim Nachwuchs eines Bundesligisten seinem Sport nachgeht, der ist den hohen Aufwand gewohnt. Womit sich sogleich die Frage nach der Schule stellt. Jan-Erik besucht die Klasse 7f am Hannah-Arendt-Gymnasium (HAG). „Wie läuft’s?“ Die Antwort kommt prompt und erstaunlich abgeklärt: „Geht so. Na ja, relativ zufriedenstellend.“ Schule und Spaß – zwei Welten treffen aufeinander, oder? Sport macht er logischerweise am liebsten. Da hat er seine einzige Eins. Mathe macht ihm eigentlich auch noch Spaß. „Sprachen sind nicht so mein Ding, dann schon eher Naturwissenschaften“, sagt Jan-Erik.

Und sonst? Computerspielerei sei nicht so sein Ding, bestätigt auch Mama Kerstin. Gott sei Dank. Zu Hause ist die Daddelei am Handy nur in den Ferien und in Ausnahmefällen erlaubt. „Und bei 96 sowieso nicht“, ergänzt Jan-Erik, „auch nicht bei längeren Auswärtsfahrten. Dann spielen wir im Zug meistens Karten.“ So war es auch kürzlich, als die jungen Roten zu Einladungsturnieren in Ulm und München unterwegs waren.

Jetzt aber mal „Butter bei die Fische“. Weiß Jan-Erik um seine Stärken und Schwächen? „Im Zweikampf bin ich besonders gut“, sagt er. Auch sein starker linker Fuß und eine prima Kondition zeichnen ihn aus. Schwächen? „Der rechte Fuß, sagt mein Trainer“, gibt Jan-Erik zu, „und natürlich das Kopfballspiel.“ Mit seinen etwa 145 Zentimetern ist er meist der kleinste in den Teams. Schwamm drüber, das kommt bestimmt noch.

Nicht von ungefähr hat er Philipp Lahm zu seinem Lieblingsspieler erkoren. „Der hat einen ähnlichen Spielstil. Jedenfalls sagt man mir das öfter“, gibt sich Jan-Erik selbstbewusst. Flink, schnell und mit guter Motorik ausgestattet. Seit zweieinhalb Jahren ist er Kapitän seiner Mannschaft – aha, wie Philipp Lahm. Lieblingsclub? „Nein, nein, um Gottes Willen nicht Bayern München. Hannover 96, was sonst?!“ Ein paar Bundesligastars der „Roten“ hat er schon kennen gelernt. Ab und an trifft er auf einige. Zum Beispiel bei den Weihnachtsfeiern der Jugendmannschaften, wo immer einige Profis zu Gast sind. Stindl und Zieler findet er gut.

Jan-Erik_Pokale

Lieblingspokal: Bei einem Turnier in Russland wurde Jan-Erik als bester Abwehrspieler ausgezeichnet.

In seinem Kinderzimmer zeigt Jan-Erik seine Trophäen-Ecke. Sein bisheriges Highlight bei 96 ist durch einen Extra-Pokal dokumentiert. „2013 waren wir mit der Mannschaft bei einem Turnier in Russland. Wo genau weiß ich nicht mehr – irgendwo in der Mitte und dann so im Süden“, erzählt Jan-Erik. Ist ja auch schnuppe. Platz 3 sprang damals heraus. Viel wichtiger war der Pokal für den besten Abwehrspieler. Wow! In der Abwehr kickt er auch in der Halle beim „Avacon-Cup“ in Barsinghausen. Auf dem Feld setzt ihn Trainer Marco Möhring eher auf der linken Außenbahn ein.

Avacon-Cup: Am 16./17. Februar findet in der Karl-Laue-Halle beim NFV im Fuchsbachtal die Endrunde statt. „Wir wollen das Finale natürlich gewinnen, aber das wird schwer“, weiß Jan-Erik. Und apropos NFV: Seine erste Einladung zur Sichtung erhielt der junge Eichhorn im September des vergangenen Jahres. Ein weiterer Auswahllehrgang folgte im Oktober. „Keine Ahnung wie es weitergeht“, sagt der 13-Jährige. Wie so viele junge Nachwuchsfußballer träumt natürlich auch Jan-Erik vom Profifußball. Aber das lässt er ganz cool auf sich zukommen.

 

Damals: Jan-Erik (Mittlere Reihe Dritter von rechts) mit seinen ehemaligen Kirchdorfer Weggefährten.

Damals: Jan-Erik (Mittlere Reihe Dritter von rechts) mit seinen ehemaligen Kirchdorfer Weggefährten.

Heute: Mit Hannover 96 steht Jan-Erik (unten in der Mitte) in der Endrunde der U13-Niedersachenmeisterschaft.   Fotos: Bratke / NFV

Heute: Mit Hannover 96 steht Jan-Erik (unten in der Mitte) in der Endrunde der U13-Niedersachenmeisterschaft. Fotos: Bratke / NFV

 

 

 

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