• 22. November 2018
Schön, wenn es jetzt noch mit der Dienstreise nach Rio klappt…

Schön, wenn es jetzt noch mit der Dienstreise nach Rio klappt…

Blick ins Leere: Marvin Schwäbe nach der Pokalniederlage in Egestorf. Foto: Bratke

Blick ins Leere: Marvin Schwäbe nach der Pokalniederlage in Egestorf. Foto: Bratke

Barsinghausen (eb/maf). Es war sein zweites Stelldichein in Barsinghausen binnen kürzester Zeit. Zweifellos dürfte ihm das jetzige Gastspiel im Sporthotel Fuchsbachtal wesentlich besser gefallen haben, als sein kürzlich erfolgter Auftritt mit dem VfL Osnabrück an der Egestorfer Ammerke. Der Grund dafür ist ein einfacher: Eine Ehrung einerseits, eine Niederlage andererseits. Die Rede ist von  Marvin Schwäbe.

Beide Male stand der Torwart des Drittligisten im Mittelpunkt. Das konnte der sonst so sichere VfL-Schlussmann gar nicht verhindern. Während er bei der Osnabrücker Pokalschlappe gegen den 1. FC Germania Egestorf/Langreder im Halbfinale des Niedersachsenpokals beim entscheidenden Elfmeterschießen chancenlos war (DJ berichtete), ließ er bei der aktuellen Wahl zum Fußballer des Jahres in Niedersachsen seinen Kontrahenten keine Chance – quasi ohne sein Zutun. Nun gut, die Sportjournalisten des Landes kürten Marvin Schwäbe natürlich nicht ohne Grund zum Sieger 2015. Dafür hatte der U21-Keeper des DFB durch starke Leistungen schon selbst gesorgt.

Im Voting der Sportjournalisten hatte sich Schwäbe gegen Maximilian Arnold und Lena Gößling (beide VfL Wolfsburg) sowie Mirko Boland (Eintracht Braunschweig) durchgesetzt. Aus den Händen von NFV-Präsident Karl Rothmund, Jan Seeger (Geschäftsführer der AOK Niedersachsen) und Jochen Zwingmann (Vorsitzender der Niedersächsischen Sportpresse) nahm Schwäbe den Siegerpokal und den Goldenen Schuh der Firma adidas entgegen. Zudem einen Scheck über 500 Euro, der an die Nachwuchsabteilung des VfL geht.

Der 21-Jährige ist in der 1991 begründeten Wettbewerbsgeschichte erst der dritte Spieler des VfL Osnabrück sowie der sechste Torhüter, der diese Wahl für sich entscheiden konnte. Und mehr noch: „Er ist ein moderner, mitspielender Torwart, der seinen Strafraum beherrscht und im Eins-zu-Eins sehr gut ist“, beschrieb Laudator Harald Pistorius die sportlichen Stärken des gebürtigen Hessen, der vor der Saison als Leihspieler von der TSG Hoffenheim zu den Lila-Weißen gestoßen war. Sein Punktspieldebüt für den VfL gab er am 25. Juli 2015 beim Drittliga-Saisonauftakt in Aue. Mit einer fehlerfreien Leistung war er einer der Garanten des torlosen Remis. „Verblüffend war die Ruhe, die Sie ausgestrahlt haben und die eines ihrer wesentlichen Merkmale ist“, erinnerte Pistorius, Sportchef der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ), an den ersten von zahlreichen vorzüglichen Auftritten des Torwarts.

Doch auch außerhalb des Platzes versteht es Schwäbe zu imponieren. Weniger durch Wortgewalt („Es macht Spaß mit ihm zu reden, aber er ist kein Plauderer“), als vielmehr durch Bodenständigkeit und Offenheit. „Dass Sie zum Fußballer des Jahres gewählt wurden, liegt nicht nur an ihren Leistungen, sondern auch an der Art und Weise, wie Sie sich auf Osnabrück eingelassen haben“, sagte Pistorius und brachte seine Hoffnung zum Ausdruck, „dass Sie von Horst Hrubesch im Sommer auf eine längere Dienstreise mit nach Südamerika genommen werden.“

Damit spielte Pistorius auf die Olympischen Spiele in Rio an. Zuletzt zählte Schwäbe zum Kader der deutschen U21-Nationalmannschaft, die am Zuckerhut an den Start gehen wird. „Sie sind einer der jüngsten Preisträger in der Geschichte dieser Wahl. Auf der Ehrentafel, auf der die Sieger gelistet sind, reihen Sie sich ein neben Ron-Robert Zieler, Robert Enke, André Breitenreiter oder Kevin de Bruyne. Sie können stolz darauf sein, mit 21 Jahren bereits auf dieser Tafel zu erscheinen“, sagte AOK-Geschäftsführer Jan Seeger, der den Vorstandsvorsitzenden der Gesundheitskasse für Niedersachsen, Dr. Jürgen Peter, vertrat.

„Er ist ein moderner Torwart wie wir es von Zieler und Neuer kennen“, erklärte Jochen Zwingmann. Der Vorsitzende der Niedersächsischen Sportpresse berichtete, das Schwäbe und der Wolfsburger Maxi Arnold hinsichtlich der Stimmen zunächst gleich auf lagen. „Doch je näher das Ende der Abstimmungsphase kam, desto deutlicher setzte sich Marvin Schwäbe ab. Er hat ein gutes Standing bei meinen Kollegen und ich hoffe, dass er Niedersachsen in schöner Erinnerung behält.“

Damit ging Zwingmann auf die offene Zukunft des Torhüters ein, der an den VfL zunächst nur für ein Jahr ausgeliehen wurde und dessen Arbeitspapier in Hoffenheim noch bis 2017 läuft. „Marvin bringt alles mit. Wichtig ist jetzt, dass er weiter spielt, egal in welcher Liga“, bemerkte hierzu Rolf Meyer. Der VfL-Torwarttrainer hatte im vergangenen Sommer zusammen mit dem Sportlichen Leiter Lothar Gans den Wechsel eingefädelt. „Drei, vier Tage nach unserem ersten Telefongespräch kamen die Eltern nach Osnabrück, um sich alles anzusehen. Lothar hat mit dem Vater gesprochen, ich mit der Mutter. Danach waren seine Eltern davon überzeugt, dass Osnabrück die richtige Entscheidung ist“, berichtete Meyer.

Im Namen der niedersächsischen Landesregierung gratulierte Stephan Manke, Staatssekretär im Ministerium für Sport und Inneres. „Sie haben so manchen Gegner zum Verzweifeln gebracht und sich in Osnabrück einen Namen gemacht. Ich drücke die Daumen, dass es vielleicht doch noch klappt mit dem Aufstieg.“ Dafür müsste der VfL in den beiden noch verbleibenden zwei Saisonpartien vier Punkte Rückstand auf den derzeitigen Dritten Würzburger Kickers aufholen und anschließend die Relegation gegen den Drittletzten der 2. Liga gewinnen.

Gruppenbild mit Dame: Begleitet von seiner Freundin nahm Marvin Schwäbe im Fuchsbachtal die Ehrung zum Fußballer des Jahres in Niedersachsen entgegen. Zu den Gratulanten zählten (von links): Jan Seeger (AOK-Geschäftsführer Niedersachsen), VfL-Vize Uwe Brunn, NFV-Präsident Karl Rothmund, Staatssekretär Stephan Manke, Osnabrücks Torwarttrainer Rolf Meyer, Lothar Gans (Sportlicher Leiter des VfL), VfL-Trainer Joe Enochs und NFV-Direktor Bastian Hellberg. Foto: Kemme

Gruppenbild mit Dame: Begleitet von seiner Freundin nahm Marvin Schwäbe im Fuchsbachtal die Ehrung zum Fußballer des Jahres in Niedersachsen entgegen. Zu den Gratulanten zählten (von links): Jan Seeger (AOK-Geschäftsführer Niedersachsen), VfL-Vize Uwe Brunn, NFV-Präsident Karl Rothmund, Staatssekretär Stephan Manke, Osnabrücks Torwarttrainer Rolf Meyer, Lothar Gans (Sportlicher Leiter des VfL), VfL-Trainer Joe Enochs und NFV-Direktor Bastian Hellberg. Foto: Kemme

Und was sagte Niedersachsens neuer Fußballer des Jahres selbst? „Ich bin kein Mann der großen Reden. Ich bedanke mich beim VfL, dass er mir die Möglichkeit gegeben hat, ein Jahr 3. Liga zu spielen. Mein Dank geht auch an die Mannschaftskollegen, an das Trainerteam, an Lothar Gans, an Uwe Brunn. Sie alle haben mich gut aufgenommen und viel dazu beigetragen, dass ich meine Leistung abrufen konnte.“

Begonnen hatte die Ehrungsveranstaltung im Fuchsbachtal mit einer Schweigeminute für Niklas Feierabend. Der 19-jährige Nachwuchsspieler von Hannover 96, der in der kommenden Saison zu den Profis aufrücken sollte, war am Sonntagmorgen zusammen mit zwei weiteren jungen Menschen bei einem Autounfall ums Leben gekommen. „Wir trauern mit den Familien“, sagte NFV-Präsident Rothmund.

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Weltmeister: Vor Schwäbes Wahl war Ron-Robert Zieler der letzte Torwart auf dem Podest.

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Seit 1991 kürt der NFV Niedersachsens Fußballer des Jahres. Waren zunächst alle Fußball-Fans wahlberechtigt, wählen seit 2007 niedersächsische Sportjournalisten den Titelträger. Der Niedersächsische Fußballverband hatte zusammen mit den Partnern AOK und dem Verein Niedersächsische Sportpresse (VNS) zur Teilnahme aufgerufen. Neben einem Pokal erhält Marvin Schwäbe den Goldenen Schuh von der Firma adidas und einen Scheck in Höhe von 500 Euro, der zweckgebunden für die Jugendarbeit des Vereins bestimmt ist.

 

Die Ehrentafel der Titelträger und ihre Paten:

1991: Uwe Groothuis (Kickers Emden), Pate: Uwe Seeler

1992: Petra Damm (VfR Eintracht Wolfsburg), Pate: Jupp Derwall †

1993: André Breitenreiter (Hannover 96), Pate: Hans Tilkowski

1994: Josef Menke (SV Meppen), Pate: Bernard Dietz

1995: Stefan Meißner (VfL Wolfsburg), Pate: Horst Hrubesch

1996: Stefan Prause (Kickers Emden), Pate: Bernd Franke

1997: Jörg Sievers (Hannover 96), Pate: Dieter Burdenski

1998: Roy Präger (VfL Wolfsburg), Pate: Manfred Burgsmüller

1999: Gerald Asamoah (Hannover 96), Pate: Johannes Löhr

2000: Uwe Brunn (VfL Osnabrück), Pate: Uli Stein

2001: Christian Claaßen (VfL Osnabrück), Pate: Marco Bode

2002: Jan Simak (Hannover 96), Pate: Hans Siemensmeyer

2003: Fredi Bobic (Hannover 96), Pate: Michael Skibbe

2004: Stefanie Gottschlich (VfL Wolfsburg), Patin: Tina Theune Meyer

2005: Per Mertesacker (Hannover 96), Pate: Max Lorenz

2006: Thorsten Stuckmann (E. Braunschweig), Pate: Horst Wolter

2007: Robert Enke † (Hannover 96), Pate: Horst Podlasly †

2008: Martina Müller (VfL Wolfsburg), Pate: Steffi Jones

2009: Marcel Schäfer (VfL Wolfsburg), Pate: Marcel Reif

2010: Edin Dzeko (VfL Wolfsburg), Pate: Werner Hansch

2011: Didier Ya Konan (Hannover 96), Pate: Sebastian Hellmann

2012: Jan Schlaudraff (Hannover 96), Pate: Kai Dittmann

2013: Mame Diouf (Hannover 96), Pate: Mousse T.

2014: Ron-Robert Zieler (Hannover 96), Pate: Michael Richter

2015: Kevin De Bruyne (VfL Wolfsburg), Pate: Dieter Hecking

2016: Marvin Schwäbe (VfL Osnabrück), Pate: Harald Pistorius

Abgelöst: Vorjahressieger Kevin De Bruyne (Mitte) empfing die Auszeichnung noch als Spieler des VfL Wolfsburg, ehe er nach Endland ging. Foto: Bratke

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