Küstenschutz in Ostfriesland schreitet voran: Große Klimadeicherhöhung in der Krummhörn fertiggestellt

Foto: Nds. Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz. Fertiggestellte Renaturierung im Vorland. Vorne Teil 2026, Mitte 2020, hinten 2025. Das umfangreiche Küstenschutzprojekt zwischen Upleward und Manslagt mit einer Gesamtlänge von 4,3 Kilometern Deicherhöhung zur Vorsorge auf den steigenden Meeresspiegel wurde erfolgreich fertiggestellt.

Upleward / Manslagt. Schritt für Schritt ist die Deicherhöhung in der Krummhörn in Ostfriesland in den vergangenen Jahren deutlich sichtbar vorangekommen. Jetzt gab es einen Grund zum Feiern: das umfangreiche Küstenschutzprojekt zwischen Upleward und Manslagt mit einer Gesamtlänge von 4,3 Kilometern Deicherhöhung zur Vorsorge auf den steigenden Meeresspiegel wurde erfolgreich fertiggestellt. Dabei wurde auch eine ökologische und klimaschützende Salzwiesenrenaturierung mit einer Fläche von rund 27,5 Hektar durchgeführt.

„Küstenschutz ist eine durch die Klimakrise drängende Daueraufgabe und dieses Projekt ist ein sehr gutes Beispiel dafür. Es zeigt: Wir lassen nicht nach und stärken den Küstenschutz weiter, denn die Meeresspiegel steigen weiter an – und wir müssen die Menschen bestmöglich schützen, die hinter den Deichen leben und arbeiten. Ich danke allen Beteiligten für ihren unermüdlichen Einsatz bei diesem Projekt“, sagte Umweltminister Christian Meyer bei einem Besuch in der Krummhörn am (heutigen) Freitag.

Der Minister machte sich vor Ort selber ein Bild, was in den vergangenen Jahren umgesetzt wurde.Seit 2010 wurden die Hauptdeiche der Deichacht Krummhörn über eine Länge von 20 Kilometer entlang der Außenems und im Hafen von Emden sowohl erhöht als auch verstärkt. Das nun abgeschlossene Bauprojekt bildet einen Abschnitt zwischen den Ortschaften Upleward und Manslagt mit einer Gesamtlänge von 4,3 Kilometer. Im Jahr 2019 wurde mit der Umsetzung des ersten Teilabschnittes begonnen.

„Wir freuen uns sehr, dass wir dieses wichtige Deichbauprojekt gemeinsam umsetzen konnten. Insgesamt leben in unserem 48.000 Hektar großem Verbandsgebiet, wovon rund ein Drittel unter NHN liegen, etwa 130.000 Menschen. Durch die Küstenschutzanlagen werden rund 15 Milliarden Euro an Sachwerten geschützt. Diese Zahlen machen deutlich, wie wichtig Küstenschutz in diesem Bereich ist. Wir danken allen Beteiligten für die sehr gute Zusammenarbeit und die finanzielle Unterstützung“, so Oberdeichrichter Gerd-Udo Heikens von der Deichacht Krummhörn, die die Arbeiten federführend vorgenommen hatte.

Das Land Niedersachsen hatte die Mittel für den Küsten- und Hochwasserschutz in diesem Jahr noch einmal erheblich aufgestockt. So stehen alleine für die Planung und Umsetzung von Küstenschutzmaßnahmen erstmalig rund 82 Millionen Euro zur Verfügung – und weitere

42 Millionen Euro für den Hochwasserschutz im Binnenland. Somit wird landesweit eine Rekordzahl von mehr als 280 Maßnahmen umgesetzt, geplant oder fortgeführt, davon sind rund 160 Küstenschutzmaßnahmen. Also insbesondere Deicherhöhungen in Richtung Klimadeiche, die auf den steigenden Meeresspiegel vorbereitet sind. Zusätzlich ist das Sondervermögen für den Hochwasser- und Küstenschutz um eine Viertel Milliarde Euro (254 Millionen Euro) erhöht worden. Und in den nächsten Jahren wird das Personal beim NLWKN weiter aufgestockt, um bei Genehmigungen und anderen Aufgaben noch schneller zu werden.

„Mit der Klimakrise steigen nicht nur die die Meeresspiegel, sondern Starkregenereignisse und Hochwassergefahren nehmen im ganzen Land deutlich zu. Darauf müssen wir uns vorbereiten. In einem Land wie Niedersachsen mit über 600 Kilometern Hauptdeichlinie an der Küste ist Vorsorge keine Option, sondern eine Verpflichtung – gegenüber den Menschen, die hier leben, und gegenüber kommenden Generationen“, so Minister Meyer.

Die jetzt fertig gestellten Deicherhöhungen in der Krummhörn wurden von der NLWKN-Betriebsstelle Aurich geplant und in der Umsetzung begleitet. Die naturschutzfachliche Planung und Umsetzung der Salzwiesenrenaturierung wurde gemeinschaftlich von den NLWKN-Betriebsstellen Norden und Aurich durchgeführt. Der heutige Vorlanddeich war zuletzt in den 1970er-Jahren ausgebaut worden und hatte eine Höhe von rund 7,80 Metern über dem Meeresspiegel (mNHN). Gemäß aktuellen Berechnungen der Forschungsstelle Küste im NLWKN ist der Deich unter Berücksichtigung des Vorsorgemaßes für einen klimawandelbedingten Meeresspiegelanstieg von einem Meter auf eine Höhe von 8,70 mNHN auszubauen. „Damit der Deich auch nach dem Abklingen der zu erwartenden Sackungen und Setzungen die Sollhöhe erreicht, wurde er auf eine Höhe von maximal 9,40 mNHN erhöht. Der Deichquerschnitt wurde so hergestellt, dass für den Fall verstärkter Auswirkungen des Klimawandels eine weitere Anpassung möglich ist“, erklärt Dr. Thomas Schoneboom vom NLWKN in Aurich.

Zwischen der Deichbinnenböschung und dem Deichverteidigungsweg befindet sich eine rund 13 Meter breite Binnenberme. Hier können die Küstenschützerinnen und Küstenschützer von der Deichacht und vom NLWKN künftig bei Bedarf eine weitere Deicherhöhung um einen Meter realisieren, ohne die Außenböschung anpassen zu müssen.

Wertvoller Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten

Parallel zum Deichbau wurde in den Jahren 1974/75 das vor dem Deich liegende Deichvorland als Küstenschutzmaßnahme durch eine Aufspülung hergestellt. Heute ist es nicht nur für den Küstenschutz durch seine seegangsmindernde Wirkung, den Schutz des Deichfußes vor den Kräften aus brandenden Wellen und der schadensreduzierenden Wirkung im Fall eines Deichversagens von großer Bedeutung. Es ist auch Teil des Nationalparks Wattenmeer, der als FFH- und Vogelschutz-Gebiet eine Vielzahl wertvoller Tier- und Pflanzenarten beherbergt.

Am nördlichen Ende des 4,3 Kilometer langen Deichabschnitts befindet sich im Deichvorland ein Suchraum für Renaturierungsmaßnahmen. Diese sind im Vorlandmanagementplan für den Bereich der Deichacht Krummhörn dargestellt. Hier ist das Vorland durch Begrüppung (Aushub der Gräben in Lahnungsfeldern) und Ablagerung von feinsten Schwebstoffen in den vergangenen Jahrzehnten in Höhe und Breite angewachsen. Im 2017 verabschiedeten Vorlandmanagementplan hatten Küstenschutz und Naturschutz ihre gemeinsamen Ziele und

Schwerpunkte definiert, um die unterschiedlichen fachlichen Ansprüche und Zielvorgaben zu integrieren. Insgesamt wurden drei Bereiche festgelegt, in denen Salzwiesenrenaturierungen durchgeführt wurden. Ziel der umfassenden Renaturierungsmaßnahmen auf einer Gesamtfläche von rund 27,5 Hektar war es, den Erhaltungszustand der Salzwiesen im Vorland des

Dyksterkruger Hellers zu verbessern. Dabei wurden insbesondere günstige Ausgangsbedingungen für eine eigendynamische Entwicklungen mit Erosion und Sedimentation, mäandrierenden Prielen und naturnahen Reliefs geschaffen. Für Brutvögel der Röhrichte und der Salzwiesen wurden die Habitate verbessert und sowohl höhere, mittlere und niedrige Vegetation der Salzwiesen geschaffen.

Die gezielte flächenhafte Absenkung des Geländeniveaus des Deichvorlands, die in ausreichendem Abstand von circa 300 Meter vor der Deichlinie seewärts beginnt, wurde im Jahr 2020 begonnen und in den Jahren 2025 und 2026 fortgesetzt. Erste Ergebnisse zeigen einen großen Erfolg der im Jahr 2020 erfolgten Renaturierungsmaßnahme, die als Kompensationsmaßnahme für den Deichbau auf einer Teilfläche von rund 9,3 Hektar erfolgte. Als Synergieeffekt zwischen Natur- und Küstenschutz konnte der dabei entnommene Boden in großen Teilen im Deichbau verwendet werden.