Aus dem Süden von Marokko zum Erfahrungsaustausch an den Deister

Gelungener Wissens- und Erfahrungsaustausch zwischen Vertretern aus Tiznit und Barsinghausen

Reger Erfahrungsaustausch: Die Delegetion aus Tiznit, einer Stadt im Süden von Marokko, mit ihren Gastgebern vor dem Barsinghäuser Rathaus.
Reger Erfahrungsaustausch: Die Delegetion aus Tiznit, einer Stadt im Süden von Marokko, mit ihren Gastgebern vor dem Barsinghäuser Rathaus.

Barsinghausen. Wie aktiviert man junge Menschen dazu, sich für das Gemeinwesen zu engagieren? Möglicherweise können Barsinghäuser in dieser Frage von Marokkanern lernen. Das Thema stieß jedenfalls bei Bürgermeister Marc Lahmann ebenso wie beim 1. Stadtrat Dr. Thomas Wolf auf großes Interesse. Die Verwaltungsspitze tauschte sich mit einer Delegation aus Tiznit, einer Stadt im Süden von Marokko, aus.

Die Atmosphäre war gut, die Gruppe sehr dynamisch und die Präsentationen informativ und interessant. So fasste Brahim Bouakhaden, Bürgermeister von Tiznit, den viertätigen Besuch seiner Delegation in Barsinghausen zusammengefasst. Ebenso positiv fällt auch das Urteil seines Amtskollegen Marc Lahmann aus. „Wir konnten viel voneinander lernen, beispielsweise über die Verwaltungsabläufe in Tiznit “, sagte der Barsinghäuser Bürgermeister.

Barsinghausens Bürgermeister Marc Lahmann hat die Amtskette aus dem Tresor geholt. Sein Amtskollege Brahim Bouakhaden aus Tiznit kommt ohne aus.
Barsinghausens Bürgermeister Marc Lahmann hat die Amtskette aus dem Tresor geholt. Sein Amtskollege Brahim Bouakhaden aus Tiznit kommt ohne aus.

Tiznit ist doppelt so groß wie Barsinghausen

Bei insgesamt 13 Vorträgen tauschten die Vertreter aus der 75.000 Einwohner zählenden Stadt im Süden Marokkos und Verwaltungsmitarbeiter aus der Deisterstadt ihre Erfahrungen aus und berichteten über zahlreiche Projekte. „Wir haben unsere strategische Zielentwicklung vorgestellt und über die Kinder- und Jugendumfrage informiert“, erklärt Barsinghausens Erster Stadtrat Dr. Thomas Wolf.

Bei den Präsentationen der Gäste aus Tiznit standen das dortige Quartiersmanagement, das Vereinsforum und die Verwaltungsstrukturen im Mittelpunkt. Einen weiteren Schwerpunkt bildeten die Maßnahmen zur Aktivierung junger Menschen für das Gemeinwesen. „Insbesondere auf diesem Feld wollen wir von unseren Partnern aus Tiznit lernen“, betont Dr. Wolf. Auf der Gegenseite bestehe großes Interesse am Prozess der Sportentwicklung und der Umsetzung der Ergebnisse aus der Kinder- und Jugendumfrage.

Tiznits Bürgermeister Bouakhaden erklärte zum Abschluss des viertägigen Besuches, dass er die Zusammenarbeit mit der Stadt Barsinghausen weiter intensivieren möchte. „Ich würde mich freuen, wenn wir eine Kooperation abschließen“, betonte er und lud die Vertreter der Deisterstadt zu einem Gegenbesuch in den Süden Marokkos ein. Durch eine solche Kooperation werde der Wert einer Zusammenarbeit und die Bedeutung der Gemeinsamkeiten unterstrichen, ergänzte Bouakhaden.

Maghreb-Staaten interessiert am Austausch

Der Besuch der Delegation aus Tiznit ist Teil eines Projektes zum Erfahrungsaustausch zwischen deutschen Kommunen und Städten in Marokko, Tunesien und Algerien. Mittlerweile beteiligen sich auf deutscher Seite neben Barsinghausen 13 weitere Städte an dem Projekt. Aufseiten der Maghreb-Staaten sind es bereits 18 Teilnehmer. Die Projekte orientieren sich an den konkreten Bedürfnissen in den nordafrikanischen Städten und drehen sich beispielsweise um Themen wie Abfallentsorgung, Energie und Stadtentwicklung.

Finanziell unterstützt wird der Wissenstransfer und Erfahrungsaustausch von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt der Initiative Engagement Global.

Für die Einfahrt in den Klosterstollen wird dicke Kleidung organisiert

Auf dem Programm des viertägigen Gedankenaustauschs standen allerdings nicht nur Fachvorträge, sondern auch eine Führung durch das Kloster in Barsinghausen, ein Besuch des Neuen Rathauses in Hannover und die Einfahrt in das Besucherbergwerk Klosterstollen. In Erinnerung bleibt beim Besuch unter Tage insbesondere die unkomplizierte Hilfe von Karima Köhler. Die Verwaltungsmitarbeiterin, die die Gruppe während der gesamten Zeit als Dolmetscherin begleitete, hatte kurzerhand dicke Bekleidung organisiert, nachdem sich herausgestellt hatte, dass die Gäste aus Marokko nicht auf den Temperaturunterschied von mehr als 20 Grad Celsius eingestellt waren.

„Die Chemie zwischen den Beteiligten hat auf Anhieb gestimmt“, zeigte sich Anna-Valeska von Meyenn von der GIZ zufrieden. „Angesichts dieser Herzlichkeit bin ich zuversichtlich, dass die Zusammenarbeit viele Früchte tragen wird.“

Tiznit im Süden von Marokko.