Leichtathletik: Wennigser TSV-Vorstand bezieht Stellung zur Spartenauflösung

Leichtathletik: Wennigser TSV-Vorstand bezieht Stellung zur Spartenauflösung

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Wennigsen (eb). Was beim Empfang anlässlich des 125-jährigen Jubiläums beim TSV Wennigsen Anfang November noch für undenkbar galt, ist dennoch eingetreten. Mangels Ehrenamtler muss die eigene Leichtathletiksparte zum 31. Dezember 2017 aufgelöst werden. In einem Pressegespräch bezogen Teilnehmer des Gesamtvorstands nun Stellung, nachdem bei der tatsächlich letzten Jahresabschlussfeier der Leichtathleten Kritik am TSV-Hauptvorstand geäußert worden war (DJ berichtete).

1993 hatten Eckhard Marten als Abteilungsfunktionär und Trainer Ernest Radulian die Wennigser Leichtathletiksparte gegründet. Jetzt geht eine Ära zu Ende, die von großem Erfolg geprägt war. In einer zweiseitigen Pressemitteilung äußerten sich der 1. Vorsitzende Jürgen Stegen, sein Stellvertreter Reinhard Narten und Pressewart Matthias Fetköther zu den Vorwürfen aus den eigenen Reihen. Letzteres hatte das DEISTER JOURNAL anlässlich der jährlichen Abschlussfeier der Leichtathleten berichtet (siehe unter Leichtathletik).

Grund für das plötzliche Ende der überregional erfolgreichen Abteilung sei, dass die bisherige Spartenleitung weder unter den Spartenmitgliedern noch bei den Eltern der hauptsächlich jugendlichen Athleten, eine neue Leitung finden konnte. Zuvor hatte der betehende LA-Vorstand sein Ausscheiden langfristig angekündigt. Niemand habe genügend Interesse gezeigt, trotz der angekündigten Unterstützung der scheidenden Spartenleiterin Heike Zündorf, Verantwortung zu übernehmen. „Ohne ein funktionierendes Ehrenamt ist auch eine erfolgreiche Sparte nicht überlebensfähig“, bekräftigte der Gesamtvorstand.

„Wir bedauern die eingetretene Entwicklung sehr, waren aber auch selbst nicht in der Lage, eine Alternativ-Spartenleitung zu finden“, betonte Stegen. Der TSV-Chef habe persönlich einige in Frage kommende Kandidaten angesprochen – „aber leider ohne Erfolg.“ Auch eine Ende Oktober anberaumte Zusammenkunft der Abteilungsmitglieder und den Eltern hatte keine Lösung ergeben. Bei diesem Mitgliedertreffen hatten sowohl Stegen als auch Zündorf ausdrücklich auf die prekäre Situation hingewiesen. Letztlich wurde der Beschluss zur Auflösung gefasst, falls sich bis zum 4. November keine neue Spartenleitung finden lassen könne.

„In der Berichterstattung der Medien wurden nun Vorwürfe gegen den Hauptvorstand erhoben, denen vom Vorstand widersprochen werden muss“, teilte Stegen nebst Vorstandskollegen mit. „Fakt ist“, heißt es in der Presseerklärung, „dass sich der 1. Vorsitzende sehr wohl in die Suche nach einer Lösung der Spartennachfolge eingeschaltet hat. Am Ende muss aber festgestellt werden, dass die Unterstützung von Spartenmitgliedern wie auch von Seiten der Eltern der Jugendlichen leider nicht so groß war, um eine neue Spartenleitung zu präsentieren.“ Richtig sei, dass nach Meldung der Auflösung der Sparte durch Heike Zündorf an den 1. Vorsitzenden, dieser die Rückmeldung geben musste, dass eine Spartenauflösung gemäß der TSV-Satzung zu erfolgen habe – und dies bei weiteren Gesprächen zu berücksichtigen sei.

Stellung bezogen: Der 1. Vorsitzende Jürgen Stegen (von links), Pressewart Matthias Fetköther und der 2. Vorsitzende Reinhard Narten widersprechen den erhobenen Vorwürfen gegen den Hauptvorstand des TSV Wennigsen. Fotos: Bratke

Stellung bezogen: Der 1. Vorsitzende Jürgen Stegen (von links), Pressewart Matthias Fetköther und der 2. Vorsitzende Reinhard Narten widersprechen den erhobenen Vorwürfen gegen den Hauptvorstand des TSV Wennigsen. Fotos: Bratke

Für die Enttäuschung habe man im Gesamtvorstand Verständnis. „Auch wir hätten die Leichathleten liebend gern behalten“, sagte Stegen jetzt im Gespräch. Und Pressewart Fetköther ergänzte: „Nein, wir führen den Verein nicht fußballlastig.“ Derartige interne Differenzen – oder anders formuliert unterschiedliche Auffassungen der Wertschätzung – sind in Mehrspartenvereinen nicht gerade selten anzutreffen. „Im Rahmen unserer Möglichkeiten haben wir alles getan“, bekräftigte TSV-Chef Stegen. Der TSV Wennigsen habe, und dies wurde ja auch bestätigt, die Sparte finanziell nach besten Kräften unterstützt. So seien die Erneuerung der Flutlichtanlage und die Neuanschaffung einer Hochsprunganlage auf dem Gelände der SSGS mit umfangreichen Mitteln durch den TSV-Gesamt realisiert. „Auch wurde die LA-Sparte bei der Druchführung des Cruising-Laufes durch zahlreiche Mitglieder aus der Fußballsparte unterstützt“, erinnerte Pressewart Fetköther. Auch bei zur Verfügung gestellten Hallenzeiten hätten sich andere Abteilungen wie Handball oder Turnen stets unterstützend gezeigt.

Der von der Leichtathletikabteilung betriebene Leistungssport sei dem TSV Wennigsen keineswegs „ein Dorn im Auge“. Ganz im Gegenteil, hieß es: „Wir sind stolz auf die 145 Landesmeister und viele andere Titel und vordere Plätze.“ Gleichwohl könne Leistungssport auf dem angestrebten Niveau dauerhaft nur durch entsprechend aktive Unterstützung durch Sponsoren gewährleistet werden. „Da waren dem TSV Wennigsen als Mehrspartenverein vor dem Hintergrund einer ausgewogenen und gerechten Verteilung der zur Verfügung stehenden Mittel oftmals die Hände gebunden“, heißt es in der Presseerklärung des TSV weiter.

Durchaus positiv stufte der Gesamtvorstand die neue Situation der jugendlichen Athleten mit der Aufnahme bei der SG Bredenbeck ein. So hätte aufgrund von Startrechtregeln eben schnellstmöglich gehandelt werden müssen. Positiv auch, dass die Athleten nach wie vor ihre Trainingszeiten auf der KGS-Sportanlage an der Argestorfer Straße beibehalten können.

Nach dem Jubiläumsjahr 2017 schätzt Reinhard Narten die Mitgliederzahl des TSV Wennigsen in 2018 durch den Abgang der Leichtathleten auf „nur“ noch 1300 ein. „Nochmal“, sagte Jürgen Stegen, „der TSV Wennigsen hätte die Leichtathleten gerne weiterhin beheimatet. Aber die fehlende ehrenamtliche Unterstützung, aus welchen Gründen auch immer, hat dies leider unmöglich gemacht. Schade!“ Sollten sich in der Zukunft wieder Leichtathletikfreunde finden, die im TSV ihren Sport betreiben wollen und sich persönlich dafür einsetzen, werde das jetztige Ende mit einem Neuanfang den Alptraum besiegen“, schloss der 1. Vorsitzende ab.

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