VHS Calenberger Land
  • 18. August 2018
Neujahrsempfänge haben derzeit Hochkonjunktur

Neujahrsempfänge haben derzeit Hochkonjunktur

Barsinghausen (eb). Neujahrsempfänge haben derzeit allerorten Hochkonjunktur. Auch in Barsinghausen haben die geselligen Zusammenkünfte zu Beginn eines neuen Jahres Tradition. Da nimmt sich der Sport nicht aus. Während es beim TSV Egestorf eine Premiere gab, blickt vor allem das Stelldichein des Niedersächsischen Fußballverbandes (NFV) auf eine langjährige Historie zurück. Aber auch der TSV Barsinghausen ist im Reigen traditioneller Neujahrstreffen eingereiht.

Für die Zusammenkunft der Ortschaften der ehemaligen Gemeinde Goltern stellte jüngst der TSV Goltern sein Sportheim als Treffpunkt zur Verfügung – freilich war dies kein Neujahrsempfang mit rein sportlichen Themen. In der Diskussion standen Problemfelder wie Freibad, Schule, Kirche und Hauptstraßensanierung.

In Egestorf, wo der TSV Egestorf die Organisation übernommen und eingeladen hatte, verlief der Neujahrsempfang ähnlich. Seit mehreren Dekaden sei eine solche Begegnung im Gespräch – jetzt habe man es endlich mal geschafft, sagte Dr. Wolf-Kersten Baumann bei der Begrüßung der geladenen Gäste, die zur Premiere im TSV-Vereinsheim an der Ammerke zusammenkamen. Der Empfang solle den zweitgrößten Ortsteil der Stadt ins mehr Rampenlicht rücken – „Werbung für uns, andere Vereine und auch den Ortsteil machen“, bekräftigte Hausherr Baumann, der das Treffen künftig auch für alle interessierten Besucher offen sieht.

NFV-Neujahrsempfang

Das Neujahrstreffen beim Niedersächsischen Fußballverband (NFV) hat sicherlich die längste Tradition im Stadtgebiet. Bereits 1991 war die Zusammenkunft erstmals veranstaltet worden – damals noch unter dem Banner „Journalistentreffen des NFV“. Dies änderte sich im Jahr 2012, als der „Krombacher Neujahrsempfang“ auf die Reise geschickt wurde. Heuer war es also die mittlerweile siebte Auflage, die zum zweiten Mal in Folge im Zechensaal des Barsinghäuser Besucherbergwerks stattfand. Rund 160 Gäste waren erschienen, darunter wie üblich hochrangige Vertreter aus Sport, Politik und Wirtschaft. Diesmal fehlte auch eine große Schar an Medienvertretern von nah und fern nicht.

Irgendwie alles wie immer, oder? Nicht ganz, denn es war der erste Neujahrsempfang, bei dem nicht Karl Rothmund (mittlerweile NFV-Ehrenpräsident und DFB-Ehrenmitglied) die Begrüßung übernahm. Für Nachfolger Günter Distelrath war es die Premiere. Erstmals stand das überregional bedeutende Treffen unter seiner Regie. Für Insider war seine Handschrift durchaus erkennbar, was sich vor allem in einem wesentlich strafferen Programm dokumentierte. Dabei ist der Auftritt namhafter Persönlichkeiten aus dem Sport zweifellos nicht wegzudenken. Und so freute sich NFV-Präsident Distelrath in seiner Begrüßungsansprache, dass es gelungen war, ein prominentes Trio für die traditionelle Talkrunde zu gewinnen.

Platzsuche: Für Günter Distelrath (Mitte) war es eine Premiere – erstmals stand das traditionelle NFV-Treffen unter seiner Regie.

Platzsuche: Für Günter Distelrath (Mitte) war es eine Premiere – erstmals stand das traditionelle NFV-Treffen unter seiner Regie.

Dauergast: Gerhard Delling moderierte bereits zum fünften Mal die Talkrunde.

Dauergast: Gerhard Delling moderierte bereits zum fünften Mal die Talkrunde.

Während Gerhard Delling als Moderator quasi zum festen Bestandteil gehört (mittlerweile war es das fünfte Gastspiel des beliebten TV-Moderators in Barsinghausen), begrüßte Distelrath Welt-Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus und ihren nicht minder populären Kollegen Lutz Michael Fröhlich als Ehrengäste. Fröhlich leitete zu seiner aktiven Zeit 201 Bundesliga und war von 1994 bis 2002 FIFA-Schiedsrichter. 2008 übernahm er beim DFB hauptamtlich die Leitung der Abteilung Schiedsrichter und ist zudem Projektleiter „Videobeweis“. Zu Bibiana Steinhaus verriet der 64-Jährige Distelrath den Gästen: „Für den heutigen Abend war sie von Anfang an meine Wunschkandidatin als Talkgast.“ Und Delling? Wie in der Vergangenheit verzichtete er auf sein Honorar, das erneut dafür verwendet werden soll, Kindern aus einem sozial benachteiligten Umfeld die Teilnahme an der Sparkassen-Fußballschule des NFV zu ermöglichen. Eine Ehrensache!

Neben einem kleinen Ausblick auf die bevorstehende Fußball-Weltmeisterschaft in Russland unterstrich Distelrath den hohen Stellenwert, den er dem Ehrenamt einräumt. „Es ist das Rückgrat, die Lebensader unseres Sport“, so der Präsident, der jedes Engagement vor allem als „ein Geschenk an Zeit“ ansieht. „Im niedersächsischen Fußball sind es über 50.000 ehrenamtlich tätige Frauen und Männer, die ihre Zeit anderen schenken und denen man dafür nicht oft genug Danke sagen kann!“ Distelrath betrachtet die ehrenamtliche Struktur im deutschen Fußball als einmalig in der Welt. Es gelte, sie zu bewahren. Bleibt zu hoffen, dass es – wie so oft vor allem in der Politik geäußert – keine Lippenbekenntnisse des neuen niedersächsischen Fußballchefs bleiben.

Charmant: Welt-Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus warb eindringlich für das Schiedsrichterwesen und erzählte offen über ihre Erlebnisse.

Charmant: Welt-Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus warb eindringlich für das Schiedsrichterwesen und erzählte offen über ihre Erlebnisse.

Der Talk an sich war wieder einmal eine runde Sache – überaus unterhaltsam, bisweilen witzig und trotz 60-minütiger Dauer kurzweilig. Delling entlockte vor allem Steinhaus tolle Statements. „Ich habe es als Willkommensgeste empfunden. Sie war nicht despektierlich, wird sich aber auch nicht wiederholen. Da waren wir uns einig“, kommentierte die erste weibliche Bundesliga-Schiedsrichterin. Ohne Groll und viel mehr immer noch amüsiert blickte die Welt-Schiedsrichterin damit auf die Szene zurück, die in Fußball-Deutschland für Heiterkeit gesorgt und ihr aufgrund ihres souveränen Auftretens jede Menge weiterer Sympathien eingebracht hatte. Hatte es doch Bayern-Star Franck Ribery im vergangenen Jahr im Pokalspiel gegen Chemnitz tatsächlich gewagt, der Unparteiischen die Schnürsenkel zu öffnen.

Es war nicht allein diese Anekdote, die die Gäste in ihren Bann zog. „Wie viele Fahnen hat der Papa im Keller“, wollte Delling eingangs von Steinhaus wissen. Hintergrund: Vater Steinhaus hisst bei jedem internationalen Einsatz seiner Tochter die Flaggen der beteiligten Länder im heimischen Garten. Die Zahl der Fahnen ist der niedersächsischen Top-Schiedsrichterin zwar nicht geläufig, aber sie weiß, dass die Fahnenkunde à la Steinhaus Senior für die benachbarten Kinder immer dann eine Herausforderung darstellt, wenn zum Beispiel Länder wie Ecuador im Winde wehen.

Der Video-Assistent ist laut Delling das „Lieblingsthema der letzten Monate“. Steinhaus bekannte sich als „Fan des Assistenten“. Ihre einfache Begründung: „Ich möchte nicht der Schiedsrichter sein, der das Maradona-Handspiel übersehen hat.“ Im Zweifelsfalle sei der Assistent hilfreich, nehme dem Spielleiter letztlich aber die Entscheidung nicht ab. Ob der Assistent zur Institution werde, wollte Delling wissen. Die Weichen seien, auch für die WM 2018, erst einmal auf Assistent gestellt, meinte Fröhlich. Geduld sei gefragt, es werde noch justiert, so der Projektleiter, der den momentanen Verlauf des Experiments als gut bezeichnet. „Der Assistent kann uns einen Mehrwert bringen. Krasse Fehlentscheidungen werden identifiziert, es sollte allerdings auch nicht zu viel seziert werden.“

Weichenstellung: Projektleiter Lutz Michael Fröhlich sieht im Videobeweis einen Mehrwert für den Fußball.

Weichenstellung: Projektleiter Lutz Michael Fröhlich sieht im Videobeweis einen Mehrwert für den Fußball.

Bibiana Steinhaus habe als erste Frau in der Männer-Bundesliga „überwiegend positive Erfahrungen gemacht, dabei aber die Strahlkraft des Fußballs unterschätzt“. Die Hannoveranerin sei überzeugt, dass andere Länder dem Gleichstellungsbeispiel der Bundesliga nacheifern werden, denn „wenn die Leistung stimmt, spielt das Geschlecht keine Rolle. Leistung erzeugt Akzeptanz.“ Dafür erhielt sie Beifall. Ob es das Ziel des DFB gewesen sei, eine Frau in die erste Reihe zu stellen, interessierte Delling. „Es war Bibianas Ziel und am Ende war die Zeit reif“, entgegnete Fröhlich. Als ein „Riesengeschenk“ bezeichnete es die 38-Jährige Steinhaus, in der Bundesliga dabei sein zu dürfen. Ihrem Dienstherrn, der Polizei Niedersachsen, sei sie dankbar, dass er es ihr durch Freistellungen ermögliche, ihren Sport auszuüben. Steinhaus erinnerte daran, dass sie Leistungssport betreiben müsse, denn: „Die Spieler werden nicht langsamer, weil ich als Frau der Schiedsrichter bin.“

Auch für Schiedsrichter gibt es gute und weniger gute Tage. „Gab es mal eine Phase, in der sie am Boden zerstört waren“, fragte Delling seine Gesprächspartner. Sowohl Steinhaus als auch Fröhlich hätten diese Erfahrung gemacht. Steinhaus überzeugt: „Für jede Sportlerkarriere ist der Umgang mit Niederlagen entscheidend für die Entwicklung. Aus allen Situationen kann man etwas lernen.“ Fröhlich erinnerte sich an ein Spiel zwischen Bayer 04 Leverkusen und Werder Bremen, bei dem es für ihn als Unparteiischer überhaupt nicht rund gelaufen sei. Zu diesem Zeitpunkt beruflich überlastet, sei eine vierwöchige Schiedsrichter-Auszeit für ihn sehr hilfreich gewesen.

Dankeschön: NFV-Präsident Günter Distelrath verabschiedet seine Wunschkandidatin mit einem Blumenstrauß. Fotos : Bratke

Dankeschön: NFV-Präsident Günter Distelrath verabschiedet seine Wunschkandidatin mit einem Blumenstrauß. Fotos : Bratke

„Hätten Sie jemals gedacht, als Schiedsrichter auch Talkshows bedienen zu müssen?“ lautete die abschließende Frage von Gerhard Delling. „Ich finde es immer gut, zu kommunizieren“, entgegnete Fröhlich und Steinhaus begreift es als „Riesenchance, teilnehmen zu dürfen. Es ist eine tolle Möglichkeit, für die Schiedsrichterei zu werben.“ Beifall für den Talk – und sonst? Beste Laune und viel, viel Small-Talk bei Wein, Bier und Schweinemedaillons am Spieß an den Tischen im Zechensaal.

TSV B-Neujahrstreffen

Gewohnt spät dran ist der TSV Barsinghausen – genauer gesagt die Fußballsparte – mit dem Neujahrsempfang. Der hat mittlerweile auch Tradition, geht doch seine Erstausgabe auf das Jahr 2008 zurück. Seitdem laden die „Barsinghäuser Jungs“ alljährlich Sponsoren und Freunde der Abteilung sowie lokale Größen aus Politik und Sport ein. Ein Motto wurde von Beginn an beibehalten. Die TSVer nennen es eine „Reise von Sponsor zu Sponsor“. Jedes Jahr gastieren die Fußballer bei einem ihrer Mitstreiter des Sponsorenpools. „So lernt man sich untereinander besser kennen. Hintergrund ist zudem das Schaffen weitreichender Synergien“, verdeutlicht Holger Bratke, der bei den TSVern das Marketing leitet. In diesem Jahr kehrt die Runde im Naturfreundehaus im Bullerbachtal ein, wo Ralf und Tina Lichey gemeinsam mit Nils Huschke vom gleichnamigen Gartenservice als Präsentatoren fungieren.

Die Planungen am Programm laufen derzeit auf Hochtouren, war von den Organisatoren zu hören. Aktuelle Themen aus dem Umfeld am und im REWE-Sportpark werden eine Rolle spielen. Zur Sprache kommt sicherlich auch die kommunale Sportförderung. Wie bereits mehrfach in den Vorjahren geschehen, soll diesmal auch wieder über den „heimischen“ Bundesligisten Hannover 96 gesprochen werden. Mit „Fußballgott“ Carsten Linke hat sich ein Experte zum Talk angekündigt. Termin für die gelandenen Gäste ist am Montag, 12. Februar, ab 18.30 Uhr.

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