• 14. November 2018
Noch immer hält Birte Steven einen Deutschen Rekord

Noch immer hält Birte Steven einen Deutschen Rekord

Barsinghausen. Bei ihrem ersten Schwimmversuch – damals drei Jahre alt – saß sie noch weinend am Beckenrand, später avancierte sie zur Deutschen Meisterin, Weltmeisterschafts- und Olympiateilnehmerin. Jetzt gab sich Barsinghausens erfolgreichste Schwimmerin ein Stelldichein an ihrer alten Wirkungsstätte. Ein Hausbesuch – nicht bei, sondern mit Birte Steven im Lehrschwimmbecken der Adolf-Grimme-Schule.

Von Erk Bratke

„Ja wirklich, ich habe anfangs heulend am Beckenrand gesessen“, sagt die heute 34-jährige ehemalige Weltklasseschwimmerin. Ein paar Male später war die anfängliche Angst vor dem kühlen Nass freilich vergessen. Und noch später war beim SC Barsinghausen ihr enormes Talent entdeckt und gefördert worden. Noch heute hat ihr Deutscher Rekord über die 200m-Brust-Strecke aus dem Jahre 2007 Bestand (2:25,33 Minuten) – eigentlich unglaublich!

Goldmedaille: Birte Steven nach ihrem Sieg bei den Deutschen Meisterschaften (2004).

Goldmedaille: Birte Steven nach ihrem Sieg bei den Deutschen Meisterschaften (2004).

Aufgewachsen in Ostermunzel, wohnt Birte heute im Saarland. Der Liebe wegen, weil ihr Ehemann dort hauptberuflich als Landestrainer tätig ist. Im Schwimmen, was sonst?! „Der Schwimmsport zieht sich wie ein roter Faden durch mein Leben“, sagt sie. Kennengelernt habe sich das Paar allerdings keineswegs im Schwimmbad, sondern im Studium. Derzeit ist die Mutter mit ihrem gerade mal sechsmonatigen Töchterchen zu Besuch in Basche. „Bei Oma und Opa, die mittlerweile in die Kernstadt gezogen sind“, berichtet Steven.

Aufgrund der Familie ist der Kontakt in die Deisterstadt nie abgerissen. Mehrmals im Jahr nimmt Birte Steven die gut 550 Kilometer lang Strecke in die alte Heimat auf sich. Auch ihre Hochzeit im Jahr 2013 fand in Basche statt. Bis 1994 schwamm sie beim SCB. Auch bei ihrem ersten internationalen Erfolg, der Jugend-Europameisterschaft, vertrat sie noch die Barsinghäuser Vereinsfarben.

Dann folgte der Komplettwechsel ins Stützpunkttraining nach Hannover und dem Anschluss an die Wasserfreunde 98 als Mannschaftsmitglied der SGS Hannover. „Das war notwendig, denn dort konnte ich in der Bundesliga schwimmen“, blickt die frühere Leistungsschwimmerin zurück. Der Rest ist Geschichte; ihre Erfolge können auf Wikipedia nachgelesen werden – wie beispielsweise ihre Deutschen Meistertitel (2004, 2006, 2007), ihre Olympia-Teilnahme in Athen (2004) und ihre WM-Teilnahme in Melboune (2007). Im Jahr 2009 hörte sie mit dem Leistungssport auf.

Aktiv ist sie allerdings immer noch. „Regelmäßig. Mindestens einmal pro Woche schwimme ich noch.“ Vom gesundheitlichen Standpunkt aus sei Schwimmen der beste Sport überhaupt, was sie besonders auch während ihrer Schwangerschaft gemerkt habe, bekräftigt sie. Und vor allem auch für Kinder enorm wichtig. Genau deshalb habe sie jetzt nur allzu gern das Barsinghäuser Lehrschwimmbecken besucht – auf Einladung von Wolfgang Meier, dem Vorsitzenden des neu gegründeten Trägervereins des kleinen Beckens in der AGS.

Logo, denn schließlich weiß sie aus eigener Erfahrung um die Bedeutung des Lehrschwimmbeckens. „Es bietet ideale Voraussetzungen, um Kindern das Schwimmen beizubringen. In diesem überschaubaren Bereich mit kleinerer Wassertiefe und einem geringeren Geräuschpegel fühlen sich Kinder wesentlich sicherer als in großen Becken. Obendrein erleichtert es den Übungsleitern die Arbeit mit dem Nachwuchs“, verdeutlicht Birte.

Natürlich habe sie die Meldungen einer drohenden Schließung des Lehrschwimmbeckens erhalten, die eine riesige Lücke hinterlassen hätte. „Schade, dass diese Diskussion überhaupt entstanden ist. Jetzt bin ich froh, dass es zu einer Rettung kam und das Becken erhalten bliebt“, betont die 34-jährige Sportpsychologin. Das Lob an die Adresse des Trägervereins hörte Vorsitzender Meier verständlicherweise gern und warb gemeinsam mit Birte Steven für den privaten Unterstützerkreis.

„Das laufende Geschäft läuft – wie es so schön heißt“, meint Wolfgang Meier. Nutzungsgebühren von Vereinen und Schulen, die Beiträge der Fördervereinsmitglieder sowie Spenden sorgen dafür, dass zum Ende des Jahres 2015 eine „schwarze Null“ geschrieben werden könne. „Die Nutzerzahlen sind steigend. Aus eventuellen Überschüssen wollen wir Rücklagen für Investitionen bilden“, blickt Meier optimistisch voraus. Noch ein Plus: Knapp zehn Monate nach seiner Gründung gehören dem Verein rund 70 Mitglieder an. „Wir wollen in diesem Jahr noch das 100. Mitglied begrüßen“, betont Meier.

Zurück zu Birte Steven. Zu ihrer aktiven Zeit in Barsinghausen machten sich der TSV und SCB quasi gegenseitig Konkurrenz. Vor rund einem Jahr folgte abermals ein Zusammenschluss zur Startgemeinschaft Schimmen (SGS) Barsinghausen auf Wettkampfebene. Auch hierzu hat die frühere Leistungsschwimmerin einen Standpunkt: „Diese Fusion macht Sinn. Die SGS treibt den Sport voran, quantitativ und auch qualitativ. Es ist eine schöne Entwicklung, denn diese Bündelung ist wichtig“, betont sie.

Zum Thema

Trägervereins-Vorsitzender Wolfgang Meier erwähnte steigende Nutzerzahlen im Lehrschwimmbecken der Adolf-Grimme-Schule. Insbesondere Grundschulen, Kindergärten sowie Schwimmschüler des TSV und des SCB üben regelmäßig im Lehrbecken. Auch einen Extra-Schwimmkurs für Frauen mit Migrationshintergrund habe es bereits gegeben.

„Der Unterricht für den jüngsten Nachwuchs ist enorm wichtig“, sagt auch Tanja Thillmann. Sie muss es wissen, denn sie ist Lehrerin und Konrektorin an der Adolf-Grimme-Schule und zudem Vorstandsmitglied des Trägervereins. „Nahezu die Hälfte aller Grundschüler, die in die erste Klasse kommen, können nicht schwimmen“, sagt sie. Insgesamt habe das Schulsport-Schwimmen als Angebot abgenommen.

Keine gute Entwicklung, denn erst kürzlich hatten Schulen und der Landesschwimmverband Niedersachsen (LSN) sowie der LSB per Mitteilung Alarm geschlagen: Immer häufiger könnten sich selbst Zehnjährige nicht richtig über Wasser halten. Oftmals beginne die Wassergewöhnung erst in der Grundschule – zu spät. Insgesamt also gut, dass privates Engagement für den Erhalt des AGS-Lehrschwimmbeckens eintrat.

Gute Aktion: Die ehemalige Leistungsschwimmerin Birte Steven und Wolfgang Meier werben gemeinsam für den Trägerverein des Lehrschwimmbeckens. Fotos: Bratke

Gute Aktion: Die ehemalige Leistungsschwimmerin Birte Steven und Wolfgang Meier werben gemeinsam für den Trägerverein des Lehrschwimmbeckens. Fotos: Bratke

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