• 22. Oktober 2018
Partnerschaftsgedanke sorgt für einige Irritationen

Partnerschaftsgedanke sorgt für einige Irritationen

Kirchdorf. Ein neues Baby, das zwei Väter hat: Jan Baßler und Markus Bettac nennen es „Partnerschaft“. Beim Heranwachsen des Sprösslings sollen vor allem die sportlichen Leiter beider Fußballvereine helfen – gegenseitig und miteinander. Geplant ist ein reger Austausch zwischen dem 1. FC Germania Egestorf/Langreder und dem TSV Kirchdorf.

Von Erk Bratke

Kein schlechtes Omen, denn die Erzieher des Neugeborenen verstehen ihr Handwerk – jeder auf seine Art und Weise. An dem „zarten Pflänzchen“, wie Germanias Jan Baßler es nannte, soll künftig gemeinsam gearbeitet werden. Baßler: „Damit daraus etwas Stabiles wird.“ Was damit schlussendlich konkret gemeint ist, konnten „die beiden Papas“ bei der Vorstellung im Kreißsaal nicht genauer definieren. Doch genug der Bilder, die möglicherweise in die Irre führen.

Die Projektvorstellung fand im Sportheim des TSV Kirchdorf statt. Die nur 24-stündige Ladungsfrist schien für einige lokale Medienvertreter allzu kurzfristig gewesen zu sein. Zweifellos ein „No-Go“ – geschenkt. Inhaltlich sollte „eine mögliche Zusammenarbeit beider Vereine im Seniorenbereich erörtert werden“.

Gut vorbereitet und plakativ vorgestellt – der Maßnahmenkatalog der neu gegründeten Partnerschaft umfasst vier Ebenen, die es künftig mit Leben zu füllen gilt. Es handelt sich um ein Projekt, das für beide Seiten einen Mehrwert zur aktuellen Situation ergeben soll. „Mehrwert“ war dann auch das meist genannte Wort an diesem Abend.

Protagonisten: Jan Baßler (links) und Markus Bettac (rechts) wollen die neue Partnerschaft mit Leben füllen. Fotos: Bratke

Protagonisten: Jan Baßler (links) und Markus Bettac (rechts) wollen die neue Partnerschaft mit Leben füllen. Fotos: Bratke

Auf der ersten Ebene geht es um die sportliche Leitung, die einen regelmäßigen Austausch zu Spielern innerhalb und außerhalb beider Vereine anstreben. Ebene zwei sieht den Informationsaustausch der jeweiligen Leistungstrainer vor – gemeint sind die Chefcoaches von Germanias Oberligateam und der U23 (Bezirksliga) sowie Kirchdorfs I. Herrenmannschaft (ebenfalls Bezirksliga). Auf der dritten Ebene geht es um die Spieler. Im Vordergrund soll hier die Einbindung von Kirchdorfer Aktiven in das jeweils montags stattfindende Talente-Training von Germania stehen. Ebene vier richtet sich nochmals an die Trainer, die die Möglichkeit der gegenseitigen Hospitation bei Trainingseinheiten erhalten sollen.

Insgesamt sei es ein Austausch auf sportlicher Ebene. „Nicht mehr, aber auch nicht weniger“, sagte Jan Baßler. Man wolle die bislang losen Zusammenkünfte etablieren und festigen. Als konkrete Beispiele nannte Baßler zwei feste Termine für Vergleichsspiele beider Clubs. Eventuell könne auch hin und wieder mit Mixed-Mannschaften gekickt werden, um das Verständnis untereinander zu verbessern.

Markus Bettac will mit der Partnerschaft neue Reize setzen. „Bei den Spielern und den Trainern“, erklärte er. „Wir sind beschränkt in unseren Mitteln und treten auf der Stelle. Ziel ist aber eine Weiterentwicklung. Ich sehe einen hohen Mehrwert für uns und es kostet uns nichts“, bekräftigte der Fußballspartenleiter des TSV Kirchdorf.

Dann waren die Leistungstrainer an der Reihe und gaben Beispiele zur möglichen Zusammenarbeit. Zunächst erklärte Paul Nieber „sein“ Talente-Training. Jeweils montags trainiere er Spieler aus Germanias I. und II. Herren sowie der A-Jugend des JFV Calenberger Land (U19) bei einer zusätzlichen Einheit. Angesprochen seien Aktive, die weniger Spielzeiten hätten oder sich nach Verletzungen im Neuaufbau befänden. Und natürlich auch mögliche Talente, die das Zusatztraining eben „gebrauchen können“.

Leistungstrainer: Ralf Schauer, Jan Zimmermann, Jan Bornschein, Falk Mesecke und Paul Nieber (von links) sehen der Partnerschaft positiv entgegen.

Leistungstrainer: Ralf Schauer, Jan Zimmermann, Jan Bornschein, Falk Mesecke und Paul Nieber (von links) sehen der Partnerschaft positiv entgegen.

„Das läuft bislang richtig toll“, bekräftigte Jan Zimmermann. Auch der Chefcoach von Germanias Oberligamannschaft sieht einen „absoluten Mehrwert“ in dieser Maßnahme, weil die Spieler dadurch einen anderen Reiz als im normalen Mannschaftstraining erhielten. Falk Mesecke, Trainer von Kirchdorfs Bezirksligariege, betonte: „Wir können nur profitieren.“ Der Austausch sorge für andere Blickwinkel – „und zwar für uns alle.“

Auf anderer Ebene gab Mesecke sogleich ein Beispiel für den erfolgreichen Austausch: „Als Arminia uns kürzlich kurzfristig ein Testspiel absagte, konnten wir nach einem Telefonat nur fünf Minuten später aufgrund einer Zusage kurzerhand gegen Germania spielen.“ Einer von Meseckes Spielern sprach ebenfalls von einer „Win-Win-Situation“. TSV-Mannschaftsführer Hauke Kuban: „Und dass wir das jetzt publizieren, halte ich für wichtig.“

Eine erste Maßnahme der Partnerschaft greift schon am Samstag, 5. Dezember. Ab 14.30 Uhr trägt die A-Jugend des JFV Calenberger Land ihr Heimspiel gegen den MTV Gifhorn auf dem Kunstrasenplatz des TSV Kirchdorf aus. Weil die dem Jugendförderverein angeschlossenen Fußballplätze in Egestorf, Langreder, Goltern und Leveste witterungsbedingt bis zum Jahresende wohl eher nicht mehr zu bespielen sind, soll das Ausweichen nach Kirchdorf für zwei weitere Heimspiele der Regionalliga-U19 (12. und 19. Dezember) vorgenommen werden.

Maßnahmenkatalog: Vier Ebenen sind angedacht, um die Partnerschaft mit Leben zu erfüllen.

Maßnahmenkatalog: Vier Ebenen sind angedacht, um die Partnerschaft mit Leben zu erfüllen.

Zum Thema

Baßler & Bettac – zwei Protagonisten, die sich mögen und gern gemeinsame Sache machen. Das ist in der Barsinghäuser Fußballszene hinlänglich bekannt. So gab auch Jan Baßler anlässlich der Pressekonferenz zu verstehen, dass das Gedankenspiel der Partnerschaft nicht erst seit gestern, sondern schon länger ein Thema gewesen sei. Nach den Ereignissen auf der jüngsten Jahreshauptversammlung des TSV Kirchdorf (Bericht in einer Newsletter-Sonderausgabe des TSV unter www.tsvkirchdorf.de) habe man verständlicherweise überlegt, ob man zu diesem Zeitpunkt das angestrebte Projekt öffentlich machen solle. Trotz aller Fragilität habe man sich aber bewusst dafür entschieden.

Ein sensibles Thema, das in der Sportredaktion des Deister Journals für zahlreiche Telefonate sorgte. Aus Vorstandskreises des TSV Kirchdorf meldeten sich gleich mehrere Vertreter. So fühlte sich beispielsweise die Jugendleitung, darunter die Vorstandsdelegierten für die JSG Basche United, von dem Vorhaben nicht informiert. Markus Fischer, Miguel Diez, Matthias Thillmann und Jörg Wierutsch sehen das Projekt weniger euphorisch. Fischer: „Wir haben die große BU-Familie mittlerweile im kompletten Jugendbereich mit dem TSV Barsinghausen und künftig wohl auch mit dem VSV Hohenbostel.“ Darüber hinaus arbeite man auch im Altherrenbereich (Ü32 und Ü40) nahezu geschlossen zusammen.

Auch Günter Hoff, Kirchdorfs 2. Vorsitzender des Gesamtvorstands, äußerte Bedenken. Er sei beim TSV für die Belange der Sportplätze zuständig, sei aber nicht über eine mögliche Fremdbelegung informiert worden.

Markus Bettac konnte anlässlich der Pressekonferenz den ihm vorgeworfenen „Alleingang“ entkräften. Die Partnerschaft beziehe sich ausschließlich auf den sportlichen Bereich im Seniorenbereich, konkreter gesagt der Leistungsmannschaft. Er habe die dafür zuständigen Vorstandskollegen sehr wohl informiert. Zudem habe er das Projekt mit seinem Gesamtvorstandsvorsitzenden erörtert, der – so Bettac – dem Projekt positiv gegenüber stehe. TSV-Chef Horst Fabisch war dann auch kurzweilig bei der Zusammenkunft vertreten.

Informationen gab es auch von Germanias Präsidenten. Torsten Seebeck, derzeit auf Auslandsreise, bestätigte telefonisch: „Ja klar, ich bin informiert. Von unserer Seite ist allerdings bewusst niemand vom Vorstand dabei, weil die Partnerschaft keine sportpolitischen Auswirkungen haben wird.“ Das Thema beziehe sich – so Seebeck – ausschließlich auf sportliche Belange der Leistungsteams und somit sei folgerichtig lediglich die sportliche Leitung angesprochen.

Also: „Sturm im Wasserglas“ oder „Erster Schritt in Richtung konkreter Annäherung“? Die Zukunft wird es zeigen…

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