• 18. Dezember 2018
Ziya Önder: „Weil die Pokale so schön glitzern…“

Ziya Önder: „Weil die Pokale so schön glitzern…“

Kirchdorf (eb). Er ist blutjung, noch relativ neu beim TSV Kirchdorf und doch schon eine große Nummer im lokalen Sportgeschehen: Ziya Önder. Gemeinsam mit seinem Vater Yunus sorgte der erst siebenjährige Nachwuchsturner für Furore – auf Bezirks- und Landesebene sowie auch kürzlich bei der Jugend-Sportlerehrung der Stadt Barsinghausen.

Erstaunlich ist dabei nicht nur das Alter des Mini-Turners. Neu ist vor allem auch, dass der junge Ziya in eine Dömane stößt, die bislang nahezu ausnahmslos Mädchen vorbehalten schien. Fraglich, ob es in der Sportgeschichte Barsinghausens je zuvor einen derart erfolgreichen männlichen Nachwuchsturner gegeben hat.

Medaille und Urkunde: Barsinghausens 1. Stadtrat Georg Robra kürte Ziya als „Sportler des Jahres“. Fotos: Bratke / Lücke

Medaille und Urkunde: Barsinghausens 1. Stadtrat Georg Robra kürte Ziya als „Sportler des Jahres“. Fotos: Bratke / Lücke

Bemerkenswert: Bei der jüngsten Jugend-Sportlerehrung hatten selbst Insider erstmals von Ziyas Erfolgen erfahren. Im Jahr 2014 war der F-Junior Vizemeister bei den Bezirksmeisterschaften geworden. Später schlossen sich Rang 3 bei den Landestitelkämpfen sowie Platz 1 im niedersächsischen Powerpokal an. Zudem feierte Ziya den Bezirks- und Landesmeistertitel mit der Mannschaft des Landeskaders. Die eingereichten Erfolge waren der örtlichen Sportring-Jury schlussendlich Platz 1 bei der Wahl „Sportler des Jahres“ wert.

Wer ist dieser siebenjährige „Turnfloh“ eigentlich? Dieser und anderen Fragen ging Dirk Lücke nach. Kirchdorfs „Turn-Opa“ – wie Lücke vor geraumer Zeit vom Deister Journal voller Wertschätzung nach Beendigung seiner langjährigen Trainerlaufbahn getauft worden war – lud Vater und Sohn Önder zum Interview ein, um das neue TSV-Duo einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen.

Von Dirk Lücke

Yunus, seit etwa einem halben Jahr trainiert ihr beiden parallel zu unseren TGW-Turnerinnen im TSV Kirchdorf. Was hat euch an den Deister und in unseren Verein verschlagen?

Yunus: …der Zufall! 2010 sind wir nach Barsinghausen umgezogen. Zuerst war Ziya Mitglied in der Kirchdorfer Fußballsparte. Parallel dazu fuhren wir zum Turnen nach Hannover. Später fanden wir heraus, dass es auch eine Turnabteilung im TSV gibt. Da ich der Meinung bin, dass die Jugendarbeit des Niedersächsischen Turnerbundes (NTB) im Olympiastützpunkt in Hannover (SLZ) nicht sonderlich zufriedenstellend ist, habe ich nach alternativen Trainingsmöglichkeiten und -methoden gesucht und bin beim TSV Kirchdorf fündig geworden.

Wo habt ihr vorher trainiert?

Yunus: Angefangen hat alles beim klassischen Kinderturnen im TK Hannover. Der dortige Trainer, Andrej Nezezon, selbst Weltklasseturner und dreimaliger Aerobic-Weltmeister, ist auf Ziya aufmerksam geworden und empfahl uns ein Förderprogramm des NTB in Hannover zu besuchen.

Was verbindet speziell dich, Yunus, mit der Turnerei?

Turnfloh Ziya: „Weil die Pokale so schön glitzern.“

Turnfloh Ziya: „Weil die Pokale so schön glitzern.“

Yunus: Auch ich habe ‚mal geturnt. Allerdings turnt Ziya bereits jetzt um Klassen besser als ich es jemals gekonnt habe. Doch ich gestehe, mein Element war eher das Wasser. So war ich lange Zeit als Leistungsschwimmer national sehr aktiv. Zwischenzeitlich habe ich beim Turmspringen mit Flugelementen neue Erfahrungen sammeln können. Durch Ziya wurde das Turnen bei mir wieder reaktiviert. Eigentlich wollte ich ihn für das Schwimmen begeistern. Doch oft kommt es im Leben anders als man denkt. Nun bin ich Lizenztrainer im Geräteturnen mit der Fachrichtung Leistungs- und Spitzensport.

Ziya, wo und wann hast du mit dem Turnen angefangen?

Ziya: Auf dem Spielplatz. Meine Mama ist damals mit mir täglich auf Spielplätzen unterwegs gewesen (Papa ergänzt: Meine Frau hat mit ihrer Fürsorge bereits im Kleinstkindalter einen elementaren Grundstein für das Turnen gelegt. Viele unterschätzen das Potenzial dieser frühkindlichen Erfahrungen, die später einmal dazu führen, sich selbstbewusster zu bewegen. Klettern, hangeln und springen haben ja auch etwas mit Turnen zu tun).

Ihr seid ein „Zwei-Mann-Team“. Ist das nicht manchmal ein wenig langweilig?

Yunus: Ich muss klarstellen, dass uns alle als Zwei-Mann-Team wahrnehmen. In Wirklichkeit sind wir aber ein Quartett. Die beiden anderen Personen sind die Mama und die kleine Schwester Lana, die zwei Jahre alt ist. Ohne die Beiden, die oft dabei sind und zugucken, könnten wir dem Leistungssport nicht nachkommen.

Ziya: Die Langeweile ist nie da. Wir haben viel Spaß und Papa denkt sich immer was Neues aus und ich darf mir manchmal ein Gerät aussuchen.

Welche Ziele habt ihr im Kunstturnen?

Yunus: Ziel ist es, sowohl physisch als auch psychisch eine solide Grundlage zu schaffen. Dazu gehört auch, das Kämpferherz zu stärken. Ferner sind Erfolge wichtig, da diese einen Reiz um Weitermachen setzen und zugleich eine Resonanz für das Geleistete geben. Aufschlüsse geben Niederlagen immer, doch ernährt sich ein Sportler nicht davon.

Papa Yunus und Sohn Ziya beim Training am Barren.

Papa Yunus und Sohn Ziya beim Training am Barren.

Ziya, wie oft und wie lange trainierst du in der Woche?

Ziya: Mit meinem Papa trainiere ich zweimal in der Woche. Aber ich habe noch Training im SLZ in Hannover, auch zweimal pro Woche. Das Training ist immer so zwei bis drei Stunden lang.

Wie sieht es mit Wettkämpfen aus, Ziya?

Ziya: Leider nicht so häufig. Einmal im Jahr finden die Bezirksmeisterschaften (Mai) und dann die Landesmeisterschaft (Juni) im Geräteturnen statt. Darüber hinaus gibt es jedes Jahr noch den Niedersächsischen Powerpokal. Diesen habe ich bereits zwei Mal in Folge gewonnen.

Yunus ergänzt: Der Powerpokal ist ein Leistungs- und Athletikwettkampf, bei dem die Balancefähigkeit, Kraft, Ausdauer und Beweglichkeit unter Beweis gestellt werden müssen. An dieser Stelle sei gesagt, dass das Training auch mentale Stärke abverlangt, da der Athlet das ganze Jahr auf diesen wichtigen Wettkampf hin trainiert. Nichts gegen andere Sportarten, doch bei Ballspielen zum Beispiel kannst du die Niederlage aus der Vorwoche bereits in der nächsten wieder gerade bügeln. Das ist beim Turnen ganz anderes.

Ziya, was findest du am Turnen so gut?

Ziya: Die Geräte mag ich, und dass man so Saltos machen kann. Außerdem finde ich es gut, mich mit Anderen zu messen. Und ich finde die Medaillen und Pokale toll, weil die so schön glitzern. Wenn man gewonnen hat, ist das auch so ein schönes Gefühl.

Yunus, du hast eine Tochter; soll sie auch einmal turnen?

Yunus: Das kann ich jetzt noch nicht sagen. Fakt ist, dass die Begeisterung durch den Bruder bereits da ist. Wenn sich diese festigt, werde ich sie nicht daran hindern.

Ziya, hast du auch manchmal Zeit für andere Hobbys? Wenn ja, für welche?

Ziya: Zeit hab‘ ich für Hobbys. Ich spiele gerne Fußball, gehe zum Schwimmen oder fahre Fahrrad, am liebsten in den Deister. Ich bin gerne im Wald und sammele edle und funkelnde Steine.

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